Eine Medaille ist nicht das primäre EM-Ziel von Eduard Popp

Ringen  Europäische Titelkämpfe in Warschau sind für Eduard Popp eine Standortbestimmung auf dem Weg zu den Olympischen Spielen.

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Eduard Popp fühlt sich fit, doch die Europameisterschaft ist für den 130-Kilo Ringer nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu Olympia.

Foto: dpa

Es ist eine Reise ins Ungewisse mit viel Überraschungspotenzial - eine Zwischenstopp auf dem Weg zu seinen zweiten Olympischen Spielen. Eduard Popp startet an diesem Freitag bei den Europameisterschaften. Für den Schwergewichtsringer des Bundesligisten Red Devils Heilbronn sind die Titelkämpfe in der polnischen Hauptstadt Warschau eine wichtige Standortbestimmung und endlich wieder ein echter Leistungsvergleich in Corona-Zeiten.

"Für mich ist es das zweite Turnier in den letzten eineinhalb Jahren und ich freue mich unheimlich darauf, dass ich jetzt unter Wettkampfbedingungen das anwenden kann, was ich seit Monaten im Training eingeübt habe", sagt Eduard Popp.

Lehrgänge in Kroatien und zweimal in Ungarn

Mit Lehrgängen in Kroatien und zweimal in Ungarn ist der Greco-Spezialist in das olympische Jahr gestartet. "Es ist wichtig, das dies im Ausland jetzt wieder möglich war", berichtet Popp von Trainingslagern mit der Nationalmannschaft.

"Es waren auch Athleten aus anderen europäischen Ländern dabei. Unter anderem mit Beteiligung von Ringern, auf die ich bei der EM treffen könnte", berichtet Popp. "Solche Partnerschaften mit den Verbänden anderer Nationen gibt es bei uns schon lange. Man sucht sich einen gemeinsamen Trainingsort aus und trifft sich dort, auch um eine bestimmte Dichte an Trainingspartnern herzustellen, die man national nicht zur Verfügung hat."

Leben in einer Blase

Wie in anderen Sportarten, ist es aktuell ein Leben in einer Blase, abgeschirmt von der Außenwelt und mit zahlreichen Corona-Testungen und strengen Hygiene-Auflagen. Und so heißt es in Warschau wohl vom Hotel in die Sporthalle und wieder zurück. "Was mich dort genau erwartet, kann man nicht sagen. Wie ich gelernt habe, gibt es in jedem Land unterschiedliche und individuelle Regelungen", sagt Popp.

Dass er in der Summe mehr Corona-Maßnahmen als Dopingtests über sich ergehen lassen muss, das hätte sich Popp vor einem Jahr nicht träumen lassen. "Allerdings werden die Dopingtests jetzt in Richtung Olympia wieder häufiger durchgeführt", erzählt Popp. Erst Mitte der vergangenen Woche klingelte ein Dopingtester unangemeldet bei der Familie Popp in Möckmühl an der Haustüre.

Negative Erinnerung an einzigen Einsatz 2020

Am Donnerstag macht sich der 130-Kilo-Kämpfer mit seinen Greco-Nationalmannschafts-Kollegen auf den Weg nach Warschau. Am Freitag beginnt für Popp die EM, und er hofft auch am Samstag nochmals zum Einsatz zu kommen, wenn die Medaillen vergeben werden. Montags geht es dann wieder zurück in die Heimat. "Die Vorfreude ist definitiv groß, es ist jetzt Zeit, dass wieder ein internationales Turnier stattfindet", sagt der Olympia-Fünfte von 2016 und WM-Fünfte von 2019. "Zuletzt gab es wegen Corona ja nur Absagen."

2020 hatte Popp lediglich einen Einsatz, und der ist ihm in negativer Erinnerung geblieben. Beim Individual World Cup im November in Belgrad war das Eigengewächs der Red Devils Heilbronn überraschend in der zweiten Runde nach einer Schulter-Niederlage gegen Beka Kandelaki aus dem Wettkampf geflogen. Welche Gegner ihn in der polnischen Hauptstadt erwarten, erfährt der 29-Jährige erst vor Ort. "Einige Konkurrenten bereiten sich auf das nächste Olympia-Qualifikationsturnier vor und verzichten daher auf die EM", klärt Popp auf, dass es nicht absehbar ist, wer letztlich auf die Matte geht. "Europameisterschaften sind in einem olympischen Jahr nicht immer top besetzt."

Was die eigenen Erwartungen betrifft, ist ein Platz auf dem Podium kein Muss. "Ein Ziel ist immer auch eine Sache der Definition. Ziel ist es immer die beste Leistung abzurufen und umzusetzen, was man trainiert hat", sagt Popp und spekuliert: "Gelingt mir das, sollte auch absolut eine Medaille dabei herausspringen, die aber nicht mein primäres Ziel ist." Körperlich fühlt sich Popp gut und fit und ist "nach der letzten erfolgreichen Trainingsphase ganz guter Dinge". Polen ist aber nur eine Station auf dem Weg nach Tokio.

 


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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