Eduard Popp hat alles auf Olympia ausgerichtet

Ringen  Das Schwergewicht spricht über den Wechsel von den Red Devils Heilbronn nach Witten, eine mögliche WM und die Planungen für die Spiele in Tokio.

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Eduard Popp (rechts) und Moderator Ralf Scherlinzky am Freitagmorgen beim lockeren Pressegespräch in Untergruppenbach.

Foto: Alexander Bertok

Es gibt ein Ziel, dem Eduard Popp die nächsten Monate alles unterordnet: die Olympischen Sommerspiele in Tokio. Diese wurden wegen der Coronavirus-Pandemie verschoben und sollen vom 23. Juli bis zum 8. August 2021 stattfinden. Es wäre seine zweite Teilnahme am weltgrößten Sportereignis. 2016 in Rio de Janeiro fehlte nicht viel und der Schwergewichtsringer hätte sich mit einer Bronzemedaille dekoriert. Am Ende wurde es Platz fünf.

"Eigentlich wären die geplanten Spiele ja schon vorbei. Die Vision war, hier jetzt vielleicht mit einer Medaille um den Hals zu sitzen", sagt Popp am Freitagvormittag anlässlich eines Pressegesprächs bei seinem Sponsor Edeka-Ueltzhöfer in Untergruppenbach. Als WM-Fünfter 2019 hatte sich Popp für Olympia qualifiziert. Die Wettkämpfe unter den fünf Ringen sind verlegt, die Qualifikation hat Bestand. Und so lebt er den Traum von olympischem Edelmetall weiter.

Am 3. Oktober geht es los - nicht für die Red Devils

Bis Donnerstag weilte der Griechisch-Römisch-Spezialist und Wahl-Neckarsulmer auf einem Trainingslehrgang an der Sportschule in Hennef, zusammen mit seinen Nationalmannschaftskollegen und weiteren Ringern aus Österreich und der Schweiz. Ab dem 3. Oktober geht es in der Bundesliga an den Start. Doch nicht wie in den Jahren zuvor für die Red Devils Heilbronn, sondern für den KSV Witten.

Popps Heimatverein aus der Neckargartacher Römerhalle hat für die verspätet beginnende Mannschaftsrunde nicht gemeldet. Hauptgrund für den einjährigen Rückzug des deutschen Vizemeisters von 2019 waren die erschwerten Bedingungen aufgrund der Hygiene- und Abstands-Regularien, die eine Zuschauerbegrenzung bedeutet hätten. Auch war der Etat der Red Devils Heilbronn nicht gänzlich abgedeckt.

Auch die Zahlen müssen stimmen

Eduard Popp hat alles auf Olympia ausgerichtet

Eduard Popp hat das Trikot der Red Devils Heilbronn ausgezogen, plant aber in der Saison 2021 wieder für seinen Heimatverein auf die Matte zu gehen.

Foto: Archiv/Veigel

"Ausschlaggebend für meinen Wechsel war die betriebswirtschaftliche Seite, da ich einen Großteil meines Olympia-Projekts, das zusätzliche Kosten verursacht, durch Einsätze in der Bundesliga mitfinanziere", erklärt Popp, dem es aber auch wichtig war, nach einer sehr langen Pause "wieder unter Wettkampfbedingungen auf die Matte gehen zu können, auch um mich selbst zu motivieren - das kann kein Training ersetzen".

Dass gerade Witten seine neue sportliche Heimat geworden ist, hat Gründe. "Deren Konzept hat mich überzeugt. Die Gespräche haben sich von Beginn an gut entwickelt", erklärt Popp, der noch weitere Angebote vorliegen hatte. "Witten war der Verein, der sich am meisten um mich bemüht hat. Da war Engagement dahinter." Popp wird für den KSV in der Vorrunde auf die Matte gehen, wenn im Limit bis 130 Kilogramm der klassische Stil auf dem Programm steht.

Rückkehr 2021 "mit großer Sicherheit"

"Ich werde voraussichtlich nicht alle Kämpfe bestreiten", hat Popp bei der Auswahl seiner Einsätze freie Wahl und wird sich anhand der zu erwartenden Kontrahenten entscheiden, denn er will bei seinen Einsätzen auch gefordert werden. Das Ziel des KSV Witten sind die Playoffs. "Da werde ich natürlich wieder dabei sein", sagt Popp, der "mit großer Sicherheit" 2021 wieder zu den Red Devils zurückzukehren wird, sofern diese wieder in der Bundesliga-Runde vertreten sind.

Im Dezember ist in Serbien die WM geplant. Ob diese stattfindet, ist final noch nicht geklärt. "Die Entscheidung sollte eigentlich schon gefallen sein, wurde aber immer wieder vertagt. Anfang Oktober soll nun endgültig darüber beraten werden", klärt Popp auf.

Der Fahrplan 2021 steht noch nicht

Ein internes Kaderturnier des Deutschen Ringer-Bundes wird es auf jeden Fall geben, im November, falls die WM entfällt. Die Vorbereitung auf eine mögliche WM läuft aber bereits unter dem olympischen Fokus. Der weitere Fahrplan in Richtung Tokio ist offen. "Im Februar soll in Polen noch eine Europameisterschaft stattfinden", spekuliert Popp. "Aber niemand weiß, wie sich die Corona-Situation weiterentwickelt. Angedacht sind im Vorfeld von Olympia auch Teilnahmen an Turnieren." Es sind schwierige Zeiten für die Ringer: Was findet statt, was nicht? Auch Popp fällt es mitunter schwer, sich mental zu pushen, schafft es aber, den Kopf freizubekommen - für das große Ziel Japan.

 

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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