Die Zunkunft von Julian Reuter ist offen

Ringen  Hauptamtlicher Geschäftsstellen-Leiter des Ringer-Bundesligisten Red Devils Heilbronn ist wegen der Coronavirus-Krise freigestellt. Die Arbeitsgrundlage fehlt.

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Julian Reuter hat viel Zeit, um mit Sohn Fabian zu spielen. Das Arbeitsverhältnis bei den Red Devils Heilbronn ruht, und das vielleicht für immer.

Foto: privat

Er trat mit viel Motivation und großem Engagement an, wollte die Red Devils Heilbronn voranbringen, auch in der Sponsorengewinnung. Doch die Coronavirus-Krise hat nicht nur die Athleten von der Matte gedrängt, sondern auch Julian Reuter, den hauptamtlichen Geschäftsstellen-Leiter des Ringer-Bundesligisten, aus seinem Büro. Der 32-Jährige ist bis auf Weiteres freigestellt.

Der Arbeitsvertrag ruht

Am 1. Januar dieses Jahres startete Reuter mit großen Plänen in sein Amt an und löste Devils-Chef Jens Petzold ab, der zwar weiterhin Abteilungsleiter der Ringer ist, ansonsten aber etwas kürzer treten will, um sich mehr um seine Firma kümmern zu können. "Meine Anstellung beruht darauf, dass gerungen wird", erklärt Reuter. "Wir wissen Stand jetzt aber nicht, ob eine Saison stattfinden kann. Solange das nicht geklärt ist, ruht mein Vertrag. Das war im Vorfeld auch so vereinbart."

Allerdings ist Reuter kein Angestellter des Bundesligisten, sondern über eine Fördermaßnahme der Arbeitsagentur beschäftigt gewesen, die erst im vergangenen Monat zu einer Festanstellung geführt hätte.

Wiederbeschäftigung ist nicht garantiert

Auch wenn von der Politik, beziehungsweise vom Deutschen Ringer-Bund das Signal kommen sollte, dass eine Mannschafts-DM durchgeführt werden kann, ist eine Wiederbeschäftigung nicht garantiert. "In diesem Fall müsste erst eine Machbarkeitsstudie erstellt werden, ob es unter den dann gegebenen Bedingungen für die Red Devils überhaupt möglich ist, auf höchster nationaler Ebene an den Start zu gehen.

"Ich sehe das aktuell sehr kritisch. Auch wenn der DRB sagt: Ja, wir ringen, ist eine Bundesliga-Teilnahme der Red Devils nicht gesichert", sagt Reuter. Aufgrund der Corona-Auswirkungen auf die Wirtschaft, ist es derzeit nicht möglich, genügend Sponsoren zu generieren, um den notwendigen Etat zu stemmen. "Ich frage mich auch, wie soll eine Ringersaison aussehen? Werden Zuschauer zugelassen, und wie viele dürfen dann in die Halle?"

500 Zuschauer rechnen sich nicht

Ein Problem, dass nicht nur den Heilbronnern Kopfzerbrechen bereitet. Auf den Erlös vom Verkauf der Eintrittskarten sowie Speisen und Getränken ist jeder Bundesligist angewiesen um kostendeckend kalkulieren zu können. "Werden nur 500 Zuschauer gestattet, würde sich das für uns nicht rechnen", sagt Reuter. "Und wie wird mit den Ringern aus dem Ausland verfahren, die zumeist nur zu den Kämpfen anreisen, diese müssten ja eigentlich erst 14 Tage in Quarantäne."

Es läuft nicht so, wie die Red Devils und Julian Reuter sich das vor der Pandemie erhofft hatten. "Es gibt einen Plan A, einen Plan B und einen Plan C", sagt Reuter. "C wäre, wir ziehen aus der Bundesliga zurück. A heißt, zu versuchen, doch noch die fehlenden Sponsoren zu akquirieren und B wäre, mit reduzierter Kraft anzutreten." B ist die Option "mal sehen, welche Ringer können wir uns leisten, dann würde das Ziel nicht lauten Halbfinale, sondern gut mitzuringen, um mit etwas Glück in die Playoffs zu kommen".

Viel Zeit mit der Familie

Da Reuter keinen Anspruch auf Kurzarbeiter-Geld hat, lebt er von seinem Ersparten, hofft aber auch auf staatliche Hilfen. "Wegen der Pandemie gibt es durch die Arbeitsagentur Förderungsmaßnahmen, die ich beantragt habe, unter anderem Arbeitslosengeld." Es hat gerade viel Zeit. "Sehr viel davon verbringe ich mit meiner Familie und genieße das auch", sagt Reuter. "Ansonsten tausche ich mich mit Bekannten aus, die auch in der Sportbranche beschäftigt sind. Natürlich halte ich auch nach einem anderen Arbeitsplatz Ausschau. Ich denke, das ist in meiner Situation auch legitim. Aber es gibt momentan nicht viel, worauf man sich bewerben kann."

Das Gesamtpaket, "es ist frustrierend", gibt Reuter zu. Seine berufliche Zukunft ist offen, ebenso wie die sportliche der Red Devils Heilbronn. An Motivation fehlt es ihm aber auch weiterhin nicht.


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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