Der Glaube gibt Eduard Popp Hoffnung

Ringen  Der Ringer von den Red Devils Heilbronn spricht über Gott als Kraftquelle, Optimismus in Pandemie-Zeiten und seine Gedanken zu Weihnachten. Spaziergänge helfen dem Schwergewicht, sich zu sortieren.

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Die Familie ist Eduard Popp wichtig. Daher ist er mit Ehefrau Annika, dem sechsjährigen Jakob − hier bei der Bundesliga-Endrunde im Januar 2019 − und der zweieinhalbjährigen Lilien vor wenigen Wochen nach Möckmühl gezogen.

Foto: Andreas Veigel

Nicht jeder Athlet kommt mit der Abgeschiedenheit auf dem Herzogenhorn klar. Der Schwarzwald hat sehr stille Ecken - wie das Leistungszentrum auf dem Feldberg. Eduard Popp empfindet das anders. Der Ringer der Red Devils Heilbronn schätzt die Tage mit den Trainingseinheiten der Nationalmannschaft dort. "Mir tut die Zeit gut", sagt er, "ich bin sehr naturverbunden, genieße die Ruhe da oben absolut." Während sich die Kollegen nach dem Frühstück anderweitig vorbereiten, geht der Griechisch-Römisch-Spezialist spazieren. Alleine. Geliebte Routine aus der Heimat. "Ich nutze die Phase, um mich zu sortieren, aber auch für mein Gespräch mit Gott", sagt Popp.

Der 29-Jährige ist ein gläubiger Mensch. Einst liest die Oma dem Buben aus der Kinderbibel vor, mit Ehefrau Annika findet er den Weg in die Evangeliums-Christengemeinde. "Es war nichts Aufgezwungenes, ich habe mich sehr kritisch damit auseinandergesetzt", sagt Eduard Popp. Der tiefe Glaube wird zur tiefen Quelle der Kraft für den Mann, der bisher als einziger Athlet aus der Region sicher für die auf Sommer 2021 verschobenen Olympischen Spiele qualifiziert ist.

Es gelingt ihm, die Motivation hoch zu halten

Auch in der ganz speziellen Corona-Zeit. Es gelingt ihm, die Motivation hochzuhalten - obwohl sich auch sein (Trainings-)Alltag zunächst spürbar verändert. Eduard Popp sagt: "Der Glaube gibt mir die Hoffnung." Auch, dass alles gut endet. Die zahlreichen Fotos oder Filme aus Intensivstationen, die den Tod präsent werden lassen, sind ein Thema, über das sich der WM-Fünfte schon viel früher Gedanken gemacht hat. Zwangsweise.

Der Glaube gibt Eduard Popp Hoffnung

Platz fünf bei Olympia in Rio ist der bisher größte Erfolg des Schwergewichtlers und Griechisch-Römisch-Spezialisten Eduard Popp. Im Kampf um Bronze scheitert er 2016 am Türken Riza Kaayalp, einem der Größten der Szene.

Foto: imago images

Eduard Popp ist zwölf Jahre alt, als sein Vater Jakob bei einem Verkehrsunfall stirbt. Auf der Fahrt zu einem Turnier. Der Ringer will einen Athleten sichten, ihn für seinen Verein, den VfL Neckargartach, verpflichten. Doch am 6. Dezember 2003 ist Jakob Popp, siebenmaliger russischer Meister, weder an- noch heimgekommen. Das trauernde Kind stellt die Sinnfrage - und nimmt für sich das Bewusstsein mit, dass die Zeit eines jeden Menschen auf der Erde begrenzt ist. Die intensive Auseinandersetzung nimmt dem Jugendlichen und jungen Mann die Angst. Mehr noch: Es verleiht dem Leistungssportler Stärke.

Er versucht, Hoffnung zu leben und weiterzugeben

"In dieser schwierigen Zeit versuche ich, eine positive Hoffnung zu haben, diese zu leben und auch weiterzugeben", sagt Eduard Popp. Nicht, indem er ständig darüber spricht. Vielmehr mit seiner Ausstrahlung und Haltung, dass nicht alles schlecht ist. "In mir ist ein innerer Friede", sagt Popp.

Der Glaube gibt Eduard Popp Hoffnung

Auf dem Herzogenhorn fühlt sich der Leistungssportler Popp wohl.

Foto: privat

Weihnachten genießt der Vater des sechsjährigen Jakob und der zweieinhalbjährigen Lilien mit der Familie. Vor wenigen Wochen sind sie von Neckarsulm in ihr Haus nach Möckmühl gezogen. Dorthin, wo Annika Popps Verwandtschaft lebt. Dorthin, wo Eduard Popp als Fünfjähriger unter Papas Anleitung seine ersten Griffe auf der Ringermatte gezogen hat. Hier hat er sich im Keller ein Büro eingerichtet, hier entsteht noch ein Trainingsraum. "Auch in der Garage will ich das ein oder andere noch herrichten", sagt die nationale Nummer eins, die seit Jahren von der Sporthilfe Unterland gefördert wird.

Ruhe, Zusammenkommen, Essen und die Geburt Jesu

Jetzt aber ist Weihnachten. Für Eduard Popp eine besondere Zeit. Er verbindet sie mit Ruhe, Zusammenkommen, Essen. Aber auch mit der Geburt Jesu. "Für mich ist es nicht nur irgendeine Geschichte, die man Kindern erzählt. Sondern es ist Realität, das, was mich und unser Familienleben im Alltag begleitet. Das ist eben auch der Glaube", sagt Eduard Popp. Da ist sie wieder, die Kraftquelle, aus der er schöpft.

Der Glaube gibt Eduard Popp Hoffnung

Gern gesehener Gast bei Podiumsdiskussionen: Mit seiner reflektierten und ruhigen Art kommt Eduard Popp auch außerhalb seiner Sportart bestens an.

Foto: Ralf Seidel

Eine Zeit lang wird Popp das Gefühl nicht los, auf Abwegen zu sein. Weil er als Leistungssportler gefangen ist vom unbändigen Willen, Topleistung zu bringen - um jeden Preis. "Immer Medaillen hinterherzurennen lässt einen auch verkrampfen", meint er. Sein Körper sendet ihm klare Signale. Eduard Popp nimmt sie ernst, arbeitet an sich, ändert Dinge. "Das spiegelt sich dann auch in der Leistung wider", sagt er und fügt an: "Profisport ist für mich nicht nur das Ergebnis." Hinter jedem Athleten steckt auch eine Geschichte.

Verschiedene Wege führen nach Tokio

Seine eigene ist spannend. Auch mit Blick auf 2021. Nach dem frühen Aus beim Weltcup in Belgrad Mitte des Monats gibt es diverse Wege, die ihn im Sommer nach Japan bringen. Einer führt über die EM im April in Warschau. Der andere: Jetzt nochmal Grundlagen legen und erst im April wieder mit Turnieren beginnen. Dieser Weg hätte den EM-Verzicht zur Folge. Wie 2019. "Da wäre mit Sicherheit eine Medaille drin gewesen", sagt Popp, "aber ich hatte das dem Olympia-Ziel untergeordnet." Gespräche mit Bundestrainer Michael Carl und die eigenen Gedanken werden eine Strategie aufzeigen.

So oder so wird Eduard Popp wieder auf das Herzogenhorn fahren. Und damit ausbrechen aus der einen Welt, die Action mit den Kindern und Alltagstrubel heißt. Und eintauchen in die andere Welt, die Ruhe verspricht. "Das sind krasse Kontraste, in denen ich mich da bewege", sagt Eduard Popp. Eines aber trägt er immer in sich: seinen tiefen Glauben.


Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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