Heilbronner Ringer-Bundesligist Red Devils wartet weiter ab

Ringen  Fehlende Sponsoren lassen einen Start der Red Devils nach wie vor offen. Auch in Bezug auf die Mannschaftsrunde gibt es weit mehr Fragen als Antworten, doch Weltmeister Frank Stäbler sieht weiterhin Heilbronn als ersten Ansprechpartner.

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Melden die Red Devils erneut für die Bundesliga, dann steigt auch wohl der dreimalige Weltmeister Frank Stäbler wieder für die Heilbronner auf die Waage.

Foto: Bertok

Gibt es eine Ringersaison 2020/2021? Wann und unter welchen Kriterien könnte die Bundesliga überhaupt starten? Und wenn ja, gibt es ein modifiziertes Austragungskonzept, an dem auch im Ausland lebende Athleten teilnehmen könnten? Die drängendste aller regionalen Fragen aber lautet jedoch: Sind die Red Devils Heilbronn in der nächsten Mannschaftsrunde auf höchster nationaler Ebene überhaupt noch dabei? Die Auswirkungen der Coronavirus-Krise auf den Mattensport sind massiv. Für die Roten Teufel und andere Vereine ist es ein Ringen gegen die Zeit. 

Pandemie verschafft Jens Petzold etwas mehr Zeit

Bundesliga ja oder nein – bis Ostern wollte Red-Devils-Chef Jens Petzold Klarheit haben. Doch der weltweite Kampf gegen die Pandemie hat dem geschäftigen Funktionär der Heilbronner bizarrerweise ein Zeitpolster verschafft. Stand jetzt, ist der Etat nur zu 50 bis 60 Prozent gedeckt – und damit der Start in eine vierte Saison in der 1. Bundesliga weiterhin ungewiss. 

 „Wir haben mit den Sportlern gesprochen und ihnen klipp und klar erklärt, die Situation sei unverändert“, sagt Petzold. „Es ist aber auch auch so, dass es momentan für keinen Athleten leicht ist zu wechseln, da fast alle Vereine vor den gleichen Problemen stehen. Wobei jeder unserer Jungs hofft, dass es im Herbst eine Bundesliga-Saison gibt – mit den Red Devils.“

Auch der dreimalige Weltmeister Frank Stäbler wartet ab. „Aber wir sind sein erster Ansprechpartner, er steht solidarisch zu uns“, so Petzold. 
Was die finanziellen und sportlichen Planungen betrifft, haben die Verantwortlichen Zeit gewonnen. Der Deutsche Ringer-Bund (DRB) hat den Saisonstart vom 19. September auf Ende Oktober verlegt, abhängig vom Terminkalender des Weltverbandes. Damit verschiebt sich auch der Meldeschluss von Ende Mai um einen Monat.

Frank Stäbler zeigt sich solidarisch

Das sind vier Wochen mehr, um noch fehlende Finanzmittel zu akquirieren. „Das ist jedoch äußerst schwierig. Wir haben im Moment bei ganz vielen potenziellen Sponsoren das Thema, dass diese sehr zurückhaltend entscheiden. Die große Mehrheit wartet ab, wie sie durch die Coronakrise kommt“, sagt Jens Petzold, der selbst Unternehmer ist – und das Zögern der bisherigen wie möglicher neuer Sponsoring-Partnern nachvollziehen kann.

„Unseren Geschäftsstellenleiter Julian Reuter haben wir freigestellt, da es für ihn derzeit kein Tätigkeitsfeld gibt“, sagt Petzold. „Für ihn ist es auch frustrierend. Wo er anruft, bekommt er keine Besuchstermine. Es ist jedoch ein Unterschied, ob ich einem Sponsor gegenübersitze oder nur mit ihm telefoniere.“

Noch ist ja nicht gesichert, ob es überhaupt eine Mannschafts-DM 2020/2021 geben wird. Die Deutsche Ringerliga (DRL) als Konkurrenz-Wettbewerb hat ihre Saison 2020 bereits gestrichen. „Wir haben dem Bundesliga-Ausschuss, der uns Vereine gegenüber dem DRB vertritt, aufgefordert, sich in Kürze mit dem Verband zusammenzusetzen, um zu klären, in welche Richtung es gehen könnte“, sagt Petzold und berichtet von einem „Gentlemen's-Agreement“. Es beinhaltet die Absichtserklärung, aktuell auf Abwerbung von Ringern eines Konkurrenzvereins zu verzichten. „Im Moment halten sich auch alle daran“, sagt Jens Petzold, der sich über eine Whatsapp-Gruppe auch in ständigem Austausch mit den Verantwortlichen der anderen Bundesliga-Vereine befindet. 

Was passiert mit den ausländischen Ringern?

Stand jetzt ist alles auf Eis gelegt. „Niemand weiß unabhängig von den Olympia-Qualifikationsturnieren des Weltverbandes, die in diesem Jahr nach offiziellen Angaben noch stattfinden sollen, welche Ringer aus dem Ausland man in der Saison zur Verfügung hat“, macht Jens Petzold deutlich. Niemand kann vorhersagen, wer bis dahin nach Deutschland einreisen kann – ohne in Quarantäne zu müssen. Zudem ist offen, ob ausländische Verbände ihre Athleten ausreisen lassen, nicht zu reden von der komplizierten Logistik. 

„Alle warten auf eine Entscheidung der Politik und des DRB. Es muss dokumentiert werden, wie es weitergehen könnte“, sagt Jens Petzold klar. „Dann müssen wir Vereine uns unterhalten, ob wir uns unter den dann vorgegebenen Voraussetzungen einen Liga-Betrieb vorstellen können.“ Es geht auch darum, wie viele Zuschauer in die Hallen gelassen werden. Petzolds Idee: „Es würde weh tun, aber persönlich finde ich es sinnvoll, eine Saison auszusetzen und auch keine Vereinswechsel zu erlauben.“


DRB-Präsidentschaftskandidat Nettehoven

Während andere Landesverbände noch diskutieren, ob und wann die Saison 2020/2021 starten kann, hat der Landesverband Nordrhein-Westfalen die anstehende Runde von der Oberliga an abwärts bereits gestrichen. Und dessen Chef Jens-Peter Nettehoven führt innerhalb der deutschen Ringerszene ein gewichtiges Wort. "Er ist ein Kandidat für die Nachfolge als Präsident des Deutschen Ringer-Bundes", sagt Red-Devils-Abteilungsleiter Jens Petzold. Der 42-jährige Nettehoven ist zudem Mitglied des Landtages in NRW und will 2021 die Zügel des Deutschen Ringer-Bundes aus den Händen von Manfred Werner übernehmen.


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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