Zwingt die Corona-Krise die Ringer der Red Devils in die Knie?

Ringen  Der Heilbronner Bundesligist leidet massiv unter den wirtschaftlichen Folgen der Virus-Pandemie. Fehlende Sponsoren gefährden akut den Verbleib in der höchsten deutschen Klasse.

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Volles Haus in der Römerhalle. Noch ist fraglich, ob die Red Devils Heilbronn aufgrund der Coronakrise von September an in der Bundesliga antreten werden. Aktuell fehlen Sponsoren, um den Etat zu stemmen.

Foto: Mario Berger

Die vierte Saison der Red Devils Heilbronn in der Ringer-Bundesliga startet zwar erst im September, ob die Unterländer dann aber tatsächlich an der Start gehen, ist noch ungewiss. Ungeachtet, wie sich die Corona-Gefährdungslage bis dahin entwickelt. Nicht nur die Wirtschaft leidet unter den finanziellen Auswirkungen der Pandemie. Viele Sportvereine, zumindest die ein oder andere Sparte, gerät ebenfalls in Schieflage. So auch die Mattenkämpfer des SV Heilbronn am Leinbach. Weil es in der Wirtschaft kriselt.

Kader steht zum Großteil, aber nicht die Finanzierung

Der Unterländer Bundesligist, dessen Heimat die Neckargartacher Römerhalle ist, droht in die Knie gezwungen zu werden, die Teilnahme an der Wettkampfrunde 2020/2021 auf höchster nationaler Ebene ist akut gefährdet. "Der Kader steht zum Großteil, wir wissen Stand jetzt aber nicht, ob wir ihn auch finanzieren können", klagt Devils-Boss Jens Petzold. "Es fehlen noch etliche Sponsoren und somit die monetäre Grundlage. Der Coronavirus macht uns einen dicken Strich durch die Rechnung."

Die Verantwortlichen der Roten Teufel sind rege, bemüht und versuchen alles. "Aber im Moment sieht es zappenduster aus. "Derzeit bekommen wir keine Termine für Sponsorengespräche", sagt Petzold, der vom neuen Devils-Geschäftsstellenleiter Julian Reuter beim Klinkenputzen kräftig unterstützt wird.

150.000 Euro fehlen noch

Doch beide stoßen in diesen ungewissen Zeiten überwiegend auf geschlossene Türen. "Julian erhält eine Absage nach der anderen." Jens Petzold ist selbst Unternehmer, weiß, dass potentielle Unterstützer aktuell mit anderen Problemen kämpfen. "Die Firmen sind mit ihrer eigenen finanziellen Situation beschäftigt. Das Geld sitzt verständlicher Weise nicht mehr so locker. Der Fokus in der Wirtschaft liegt auf drängenderen Themen als Sport-Sponsoring", sagt Petzold. "Im Moment sind nur 50 Prozent unseres Saison-Etats gesichert." Oder andersherum gesagt: "Es fehlen noch etwa 150.000 Euro um sorgenfrei in die Bundesliga-Saison starten zu können."

Das Risiko, mit einem nicht abgesicherten Etat zu planen, wird Petzold nicht eingehen. "Das kann ich gegenüber der Abteilung und dem Hauptverein SV Heilbronn am Leinbach nicht verantworten." Die Hoffnung, im Herbst die nötigen Euro zu generieren - sofern sich die wirtschaftliche Situation bis dahin gebessert hat - ist zu vage.

Bis Ende Mai muss alles stehen

Bis Ende Mai müssen die Red Devils ihren Mannschaftskader an den Deutschen Ringer Bund (DRB) übermitteln. "Doch so lange kann ich unsere Ringer nicht im Ungewissen lassen", sagt Petzold. Er will seinen Athleten schlimmstenfalls die Zeit geben, sich sportlich noch umzuorientieren, ehe das Wechselfenster schließt. "Bis allerspätestens Ostern muss der Etat stehen, ansonsten müssen wir uns leider aus der Bundesliga abmelden."

Den Devils bliebe dann die Option, auf einer anderen Ebene anzutreten. In welcher Liga, müsste final noch geklärt werden. Der Heilbronner Kader wäre dann zwangsläufig weniger attraktiv besetzt.

Viele Konkurrenten der Heilbronner dürften vor ähnlichen finanziellen Sorgen stehen. Und längst ist nicht gesichert, ob von September an überhaupt Ringer-Wettkämpfe stattfinden dürfen. "Schreitet die Corona-Entwicklung weiter so rasant fort, kann es passieren, dass die Saison komplett abgesagt wird, oder nur in einem verkürzten Modus stattfindet", spekuliert Petzold und sieht in den Ausländer-Positionen ein weiteres Problem das alle Mannschaften betrifft. Können ab September Ringer beispielsweise aus Russland, der Türkei oder Georgien bereits wieder eingesetzt werden?

Mit diesem Problem würde sich Jens Petzold im Spätsommer nur allzu gerne beschäftigten, würde das doch heißen, dass der Osterhase, noch das ein oder andere Sponsoren-Ei rund um die Neckargartacher Römerhalle versteckt hätte.

Kaderplanung

Sportlich haben die Red Devils Heilbronn die Grundlage für die Bundesliga-Saison 2020/2011 geschaffen. "Es geht im Moment zwar alles etwas drunter und drüber, aber der Mannschaftskader steht zu 80 Prozent. Es ist nicht einfach, doch die Räder drehen sich", verkündet Chefcoach Patric Nuding und glaubt die feststehenden Abgänge von Pascal Eisele, Saba Bolaghi und Jan Zürn zum SC Kleinostheim sowie Fabian Fritz nach Reilingen-Hockenheim sportlich kompensieren zu können. Die Zielsetzung, die der Heilbronner Ringer-Chef Jens Petzold seinem Trainer im Januar für die nächste Saison mit auf den Weg gegeben hatte, ist erneut ambitioniert: "Die Vorgabe lautete, ein Team zusammenzustellen, das Chancen auf das Halbfinale um die deutsche Meisterschaft hat." 


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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