Ungleiches Bundesliga-Duell in der Römerhalle

Ringen  Die Red Devils Heilbronn dominieren gegen den AC Lichtenfels und festigen mit dem 22:7 zweiten Tabellenplatz zum Ende der Hinrunde. Kritik gibt es am Handicap-Punktesystem.

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Ungleiches Bundesliga-Duell in der Römerhalle

Knapp zwei Tage lang hat George Bucur (stehend) von den Red Devils nichts gegessen, um sein Gewicht über den Doppel-Kampftag zu halten, doch den Lichtenfelser Bastian Hoffmann hat er souverän mit 17:3 von der Matte geschickt.

Foto: Mario Berger

Ein Punkt hat gefehlt. Eine Aktion, die zum Maximum geführt hätte - zu vier Punkten für die Mannschaft. Darüber ärgert sich George Bucur ein wenig. Wer sich mit einem souveränen 17:3-Punktsieg nicht zufrieden gibt, beweist einen hohen eigenen Anspruch und den absoluten Willen, alles für seine Mannschaft zu geben. "Doch ich war in der Endphase etwas müde", sagt der Rumäne.

Nach dem ebenso ungefährdeten wie erwarteten 22:7-Pflichterfolg der Red Devils Heilbronn am Sonntagnachmittag vor etwa 400 Zuschauern in der Römerhalle gegen den Tabellenletzten der Bundesliga Südost, AC Lichtenfels, hat niemanden dieser eine Mannschaftspunkt weniger geschert. Zu ungleich ist das Duell der Teams gewesen - ganz anders als noch das Derby am späten Freitagabend beim Aufsteiger ASV Schorndorf, wo die Roten Teufel nach einigen knappen Duellen als Sieger abgereist sind. Dort hat sich George Bucur als Überlegenheitssieger feiern lassen.

George Bucur kocht vier Kilo ab

Es ist ein anstrengendes Wochenende für den 33-Jährigen gewesen. Vier Kilo Gewicht hat er gemacht. Das ist er ja gewohnt, diese eiserne Disziplin von sich abzuverlangen. Der Unterschied aber: Weil der Deutsche Ringerbund (DRB) einen Doppel-Kampftag angesetzt hat, ist die kulinarische Belohnung am Freitagabend ausgefallen. Weil der Freistilspezialist in der Klasse bis 66 Kilo ringt und um jedes Gramm kämpft. Also hat der Rumäne in Schorndorf nicht hemmungslos geschlemmt, sondern gewissenhaft auf sein Gewicht geachtet. Und mehr als das: Am Samstag und am Sonntag hat Bucur nichts gegessen, sondern nur getrunken. Eine harte Tortur.

Die Bundesliga-Saison für die Vereine in den drei Ringer-Gruppen ist kurz, und in dieser Saison besonders komprimiert - dank der Pausen für internationale Termine wie Weltmeisterschaften, U 23-WM oder die Militär-Weltspiele. Obendrein fällt wie schon im vergangenen Jahr das sportliche Gefälle zwischen den Top-Teams wie dem deutschen Mannschaftsmeister Wacker Burghausen und den tapfer kämpfenden, aber letztlich chancenlosen Mannschaften wie einem AC Lichtenfels zu frappierend aus. Das schafft Langeweile statt Spannung in den Hallen und mangelndes Interesse auf Sponsorenseite. Eine Entwicklung, die Jürgen Koch, den Sportdirektor der Red Devils, frustriert. "Wie will man das verkaufen", fragt der 57-Jährige. "Für mich ist die 1. Bundesliga Spitzensport, und dort will ich die Besten sehen." Das sei in der derzeitigen Konstellation jedoch nur bedingt möglich. Einerseits gibt es als Folge von anhaltenden Streitigkeiten mit der Deutschen Ringer-Liga (DRL) noch immer eine konkurrierende Klasse, in der Zuschauermagneten wie Weingarten oder Ispringen antreten.

Handy-Punktesystem gefällt den Fans nicht

Darüber hinaus hat der Bundesliga-Ausschuss des Verbandes unter anderem mit dem Handicap-Punktesystem eine strikte Reglementierung eingeführt, die Jürgen Koch für kontraproduktiv hält. Weil ein nationaler Star wie Weltmeister Frank Stäbler, der in der Liga das Trikot der Red Devils trägt, eventuell mit mehr Punkten belastet wird als ein ausländischer Ringer. Das gefällt vielen Fans nicht.

Ab 2021 soll die Bundesliga wieder eingleisig und mit einer 2. Bundesliga untermauert werden. Davon ist auch Red-Devils-Macher Jens Petzold ein Verfechter. Zudem hält er zwei parallel agierende Profiligen in einer Randsportart für ein Unding. Er sagt: "Ich habe die Hoffnung, dass ein Umdenken stattfindet und diese Machtspiele beendet werden." Zugleich macht der Unternehmer aber auch klar, dass die verkrusteten Strukturen im DRB überarbeitet werden müssen.

Saba Bolaghi war Mixed Martial Arts-Kämpfer (MMA)

In der Römerhalle hat der AC Lichtenfels die Dominanz der Red Devils fair anerkannt und in einigen Duellen ist auch Stimmung aufgekommen. Wie beim ersten Bundesliga-Kampf seit sechs Jahren für Freistil-Ass Saba Bolaghi, der in der Klasse bis 75 Kilo Lukas Tomaszek mit 10:0 von der Matte geschickt hat. Der Frankfurter hat sich in der Zwischenzeit als Mixed Martial Arts-Kämpfer (MMA) einen Namen gemacht. "Es hat mir viel Spaß gemacht", sagt der agile 33-Jährige, dessen Schnelligkeit die Zuschauer beeindruckt hat.


ASV Schorndorf - Red Devils Heilbronn 7:13 57 kg Freistil (FS): Engin Cetin - Anatolii Buruian PS 6:8, 61 kg Griechisch-Römisch (GR): Razvan Arnautu - Dustin Scherf PS 8:7, 66 kg FS: Jeremy Wild - George Bucur 0:16 TÜ, 71 kg GR: Idris Ibaev - Christian Fetzer PS 5:6, 75 kg A FS: Dawid Wolny - Haydar Yavuz PS 1:12, 75 kgB GR: Maximilian Schwabe - Fabian Fritz PS 4:2, 80 kg FS: Pouria Taherkhani - Khusey Suyunchev PS 1:4, 86 kg GR: Zakarias Berg - Marius Braun TÜ 16:0, 98 kg FS: Ertugrul Agca - Patryk Dublinowski PS 2:1, 130 kg GR: Jello Krahmer - Eduard Popp PS 1:5. Red Devils Heilbronn - AC Lichtenfels 22:7 57 kg Freistil (FS): Anatolii Buruian - Karen Zurabyan 1:10 PS, 61 kg Griechisch-Römisch (GR): Dustin Scherf - Jozsef Andrasi 2:7 PS, 66 kg FS: George Bucur - Bastian Hoffmann PS 17:3, 71 kg GR: Christian Fetzer - Rumen Savchev 12:4 PS, 75 kgA (FS): Saba Bolaghi - Lukas Tomaszek 10:0 PS, 75 kgB (FS) Fabian Fritz - Achim Thumshirn 15:0 TÜ, 80 kg FS: Khusey Suyunchev - Andrzej Sokalski 10:0 PS, 86 kg GR: Marius Braun - Hannes Wagner 0:6 PS, 98 kg FS: Patryk Dublinowski - Christoph Meixner 16:0 TÜ, 130 kg GR, Eduard Popp - Alex Gergö Szöke 3:0 PS.


Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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