Unerwartet hoher Sieg gegen Greiz

Ringen  Im ersten Bundesliga-Heimkampf der Saison bezwingen die Ringer der Red Devils Heilbronn den RSV Greiz mit 20:7, weil sie alle Schlüsselkämpfe gewinnen.

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Unerwartet hoher Sieg gegen Greiz

Zum Zeichen der inneren Zufriedenheit ballt Marius Braun die Hand zur Faust. Er nickt, als müsse er sich selbst noch bestätigen, dass er sein Ziel geschafft hat. Mit einem 2:0-Sieg beendet der Griechisch-Römisch-Spezialist intensive sechs Minuten gegen den mehrmaligen polnischen Meister mit deutschem Pass, Mateusz Wolny.

Ein Schlüsselkampf von dreien. Die gute Nachricht für die Red Devils: Alle drei werden zum Erfolgserlebnis für die Heilbronner - das ist eine Erklärung für den überraschend deutlichen 20:7-Erfolg zum Heim-Auftakt in der Bundesliga Südost am Tag der Deutschen Einheit gegen den RSV Rotation Greiz. "Ich war noch schnell duschen, um besser auszusehen als meine Kollegen", sagt Tino Hempel. Der Greizer Trainer hat den Humor nicht verloren, wenngleich er sich mit seinem Kader deutlich mehr erhofft hat. "Aber wir waren überall einen Schritt hinterher." Anders ausgedrückt: Die Roten Teufel haben - gut eingestellt von ihren Coaches Patric Nuding und Andrei Puscas - cleverer und abgebrühter agiert.

Braun auf hohem Leistungslevel

Wie Marius Braun. Mit Tape um den Kopf schützt sich der 27-Jährige, nachdem er sich im Training einen Cut am Kinn zugezogen hat. Und zeigt doch, angespornt von Nuding, wie schon gegen Hallbergmoos eine starke Leistung. Seine Erklärung: "Ich habe einfach weiter trainiert." Um körperlich und ringerspezifisch wieder aufzuholen, was er durch sechs Darm-Operationen an Substanz verloren hatte. "Das braucht seine Zeit bis man auf so einem Leistungsniveau ist", sagt der Dritte der deutschen Meisterschaften - und hofft, dieses Level weiterhin in den Erstliga-Kämpfen zu bestätigen.

Mit einer Willensleistung hat auch Eduard Popp sein Duell im Schwergewicht gegen Alin Alexuc-Ciurariu 2:1 gewonnen. Nach der Weltmeisterschaft haben der 28-Jährige wie der Rumäne das Trainingspensum spürbar gedrosselt. Daher sagt Popp ganz offen: "Wir hatten beide mit der gleichen Schwierigkeit zu kämpfen, auch er ist nicht mehr in Topform, die Körperhaltung nicht mehr wie gewohnt."

Sie kennen sich, die Greco-Spezialisten, bereiten sich gar gemeinsam auf große Turniere vor - und haben sich gestern doch in den Dienst der Mannschaft gestellt. "Zu Hause ist auch die Motivation da, weil ich das Ringen einfach liebe", sagt der WM-Fünfte Eduard Popp, "aber der Körper wird extrem schnell sauer und müde, daher muss man sich einfach mental überwinden und durchkämpfen." Auch, weil noch die Militär-WM in China ansteht. Ein Pflichttermin für den Sportsoldaten.

Scherfs Kontrahent wiegt zu viel

Gekämpft hat auch Dustin Scherf in der Klasse bis 61 Kilo griechisch-römisch. Wenngleich seine vier Punkte für das Heilbronner Mannschaftskonto bereits vor der ersten Aktion auf der Matte festgestanden haben. Denn Alexander Grebensikov hat 300 Gramm zu viel auf die Waage gebracht. Über seinen sportlich errungenen Erfolg freut sich der Polizist aus Leipzig, hat er doch am Tag zuvor noch eine Spätschicht geschoben, Gewicht gemacht und sich am Donnerstag in der Frühe auf die Reise ins Unterland gemacht.

Als Kurzarbeiter haben sich die Freistil-Asse Anatoli Buruian (bis 57 Kilo) und Khusey Suyunchev (bis 80 Kilo) in der Römerhalle präsentiert. Der Rumäne hat nach 3:51 Minuten Feierabend, der Russe schafft es gar in 2:05 Minuten gegen den überforderten Konstantin Sommer. "Das Ergebnis ist eher hoch ausgefallen, das war so nicht zu erwarten", sagt Patric Nuding: "Wir sind stolz auf die Reaktion des Teams."

Red Devils - RSV Rotation Greiz 20:7 57 kg Freistil (FS): Anatoli Buruian - Sven Cammin 16:0 TÜS (3:51) - 4:0; 61 kg Griechisch-Römisch (GR): Dustin Scherf -Alexander Grebensikov - 4:0 (wegen Übergewicht Greiz); 66 kg FS: George Bucur - Abdul Galamatov 16:0 TÜS - 4:0; 71 kg GR: Christian Fetzer - Dawid Karecinski 1:2 PS - 0:1; 75 kg FS: Haydar Yavuz - Daniel Sartakov 9:3 PS - 2:0; 75 kg GR: Fabian Fritz - Igor Besleaga 0:15 TÜS - 0:4; 80 kg FS: Khusey Suyunchev - Konstantin Sommer 16:0 TÜS - 4:0; 86 kg GR: Marius Braun - Mateusz Wolny 2:0 PS - 1:0; 98 kg FS: Patryk Dublinowski - Magomedgadji Nurov 1:7 PS - 0:2; 130 kg GR: Eduard Popp - Alin Alexuc- Ciurariu 2:1 PS - 1:0.

 

Nun wartet Meister Burghausen

Zeit zum Ausruhen bleibt den Red Devils nicht viel Zeit, denn schon am Samstag (19.30 Uhr) steht die weiteste Auswärtsreise in der Bundesliga Süd-Ost beim SV Wacker Burghausen an. Ein Wiedersehen mit Erinnerungen, haben die Heilbronner doch am 26. Januar dort den Final-Rückkampf um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft bestritten - und verloren.

"Burghausen ist die absolute Topmannschaft der Bundesliga in den vergangenen zwei Jahren", sagt Red-Devils-Trainer Patric Nuding, "wir wissen um ihre Stärke - und um dieses Team zu besiegen, muss man sein absolutes Topteam auf die Matte schicken." Details zu seiner Aufstellung aber bleiben sein Geheimnis.

Zwar haben die Bayern ebenfalls den ein oder anderen WM-Teilnehmer in ihrem Kader, doch haben sie sich zu dieser Runde erneut verstärkt und sind nun noch flexibler in den jeweiligen Gewichtsklassen geworden. Andrei Puscas aber gibt den Optimisten, zu viel sei im Sport schon passiert, meint der Heilbronner Trainer. Sein Motto: "Wir fahren hin und versuchen mit einem Sieg nach Hause zu kommen."


Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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