Teuflisch wichtig: Weltmeister Frank Stäbler bleibt

Ringen  Der dreimalige Ringer-Weltmeister sagt am Freitagabend zwar kurzfristig seine Vertragsunterzeichnung ab, die Zusage des 29-jährigen Topathleten für die dritte Bundesliga-Saison bei den Red Devils Heilbronn steht aber trotzdem.

Von Alexander Bertok und Stefanie Wahl
Teuflisch wichtig: Weltmeister Frank Stäbler bleibt

Frank Stäbler bedankt sich bei den Fans. Der Weltmeister zieht das familiäre Umfeld der Red Devils höher dotierten Angeboten anderer Vereine vor. Foto: Andreas Veigel

Die Galionsfigur bleibt. Der dreimalige Ringer-Weltmeister Frank Stäbler wird seinen Vertrag beim Bundesliga-Vizemeister Red Devils Heilbronn um eine weitere Saison verlängern. Die Mannschaftsrunde 2019/2020 wird damit die dritte des Musbergers in der Neckargartacher Römerhalle.

Die Vertragsunterzeichnung ist für Freitagabend geplant gewesen - nach der Ehrung des Teams durch Oberbürgermeister Harry Mergel im Heilbronner Rathaus und vor der Saison-Abschlussparty der Roten Teufel in der Moritz-Eventhalle in Ellhofen. Kurzfristig hat Frank Stäbler sein Kommen abgesagt, doch: Seine Zusage an den Verein steht. Einzig seine Unterschrift unter dem Kontrakt ist verschoben worden.

Einer der drei Eckpfeiler

"Er ist für uns in der Außendarstellung mit die wichtigste Personalie", sagt Ringerchef Jens Petzold und fügt hinzu: "Er ist neben Eddy Popp und Pascal Eisele einer unserer drei Eckpfeiler. Dieses Trio ist die Nationalmannschafts-Achse im griechisch-römischen Stil. Frank Stäblers Zusage hat eine große Wirkung, was Neuzugänge wie die Gewinnung und den Erhalt von Sponsoren betrifft."

Klar ist damit auch: Die sportliche Marschrichtung ist nun vorgegeben. "Wo Franky ringt, dort gibt es nur das Ziel, das Finale zu schaffen", sagt Jens Petzold.

Der Mann aus Musberg drückt es so aus: "Vom Typ her strebe ich immer nach dem ganz Großen. Nach der Vizemeisterschaft kann ich bei den Red Devils einfach nicht abtreten. Ich hoffe im dritten Jahr auf den ersehnten Titel. Das ist mein großer Wunsch und mein Ziel neben den Olympischen Spielen."

Olympia-Medaille fehlt noch

Eine olympische Medaille fehlt noch in der Sammlung des 29-Jährigen. Fünfter ist er 2012 in London geworden, Siebter 2016 in Rio de Janeiro, jäh gehandicapt durch eine Verletzung in der unmittelbaren Vorbereitung. Die Spiele 2020 in Japan sind längst im Kopf des Könners präsent - und in diesem Jahr steht die Qualifikation dafür an.

Das Ticket für die Sommerspiele in Japan soll Stäbler, der bei Einzelmeisterschaften weiter für den KSV Musberg startet, bereits bei den Weltmeisterschaften Anfang September im kasachischen Astana klarmachen. Die ersten Fünf der WM sind bei Olympia fix dabei - und umgehen damit die zehrenden Qualifikationsturniere zu Beginn 2020, die eine konzentrierte Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt zudem erschweren würden.

"Frank Stäbler wird uns in den Schlüsselkämpfen der Hauptrunde wie auch in den Playoffs zur Verfügung stehen", sagt Jens Petzold. Dass der Weltmeister den Roten Teufeln die Treue hält, hat weniger finanzielle Hintergründe. "Ich hatte sehr gute Angebote, doch es hat großen Spaß gemacht, bei den Red Devils zu kämpfen. Von ihrem Weg bin ich absolut überzeugt, daher habe ich allen Angeboten getrotzt und verlängere", sagt Frank Stäbler. Mehr noch: "Neben der kurzen Strecke von zu Hause, gefallen mir der Teamspirit und die professionelle Einstellung der Vorstandschaft." Kurzum: Es hat alles gepasst für den Familienvater.

In zwei Wochen soll der Kader stehen

Mit der Unterschrift des deutschen Topringers sollen nun weitere Entscheidungen folgen. "Wir erhoffen uns jetzt einen zügigen Verlauf der finalen Vertragsverhandlungen mit Eddy und Pascal, den anderen Leistungsträgern wie auch potenziellen Neuzugängen. Wir befinden uns in den entscheidenden Gesprächen", sagt Petzold. Er plant, in den nächsten beiden Wochen 95 Prozent des Kaders stehen zu haben. Die Saison beginnt am 29. September mit einem Auswärtskampf beim SV Hallbergmoos. Mündlich zugesagt hat Publikumsliebling Christian Fetzer, doch noch fehlt der Namenszug unter dem Vertrag. Wie bei Stäbler. 

Hartes Abkochen

Als Abgang ist bisher der Rumäne Valentin Lupu fix. Der 35-Jährige möchte nicht mehr bis 57 Kilo auf die Matte gehen. "Sein Körper verkraftet das Abkochen nicht mehr", sagt Jens Petzold, "wir brauchen aber einen, den wir in diesem Limit einsetzen." Der Abgang des Griechisch-Römisch-Asses zum Regionalligisten Sulgen schmerzt, da Lupu seit mehr als sechs Jahren in den DRB-Ligen kämpft und in Deutschland wohnt. Damit gilt er als Ringer-Deutscher und bringt in die Handicap-Wertung nur einen Punkt ein. Ein Team darf in den zehn Kämpfen maximal 28 Zähler haben. 

 

Pluspunkt

Kommentar: Pluspunkt

Frank Stäbler bleibt ein Red Devil. Die Unterschrift des Weltmeisters für den Ringer-Bundesligisten aus Neckargartach steht zwar noch aus, aber es ist klar, dass sie kommt. Allein dieser Fakt ist von immenser Bedeutung. Der 29-Jährige ist nicht nur der weltbeste Athlet seiner Gewichtsklasse, sondern die schillerndste Figur seines Sports. Ein Magnet - für Zuschauer, aber auch für Sponsoren. Frank Stäbler ist ein Typ. Ein Vorbild. Ein Vollprofi. Ein Sympathikus. Eine Persönlichkeit, die an sich, aber auch an ihre Sportart denkt - und pro aktiv an deren Image arbeitet. Obendrein ist Frank Stäbler einer der ganz wenigen seiner Zunft mit internationaler Strahlkraft. Wer ihn in seinem Kader hat, dem ist Aufmerksamkeit garantiert.

Die Vertragsverlängerung mit den Red Devils zeigt nach dem verlorenen Finale um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft noch etwas ganz deutlich: Der Titel ist nun das Ziel. Das muss auch der Anspruch sein. Entsprechend groß ist die Sogwirkung auf Stäblers Zusage. Wo der Musberger ringt, wollen auch andere ringen. Die exzellenten Kontakte des Ringer des Jahres helfen dabei.

Doch: Frank Stäbler hat einen großen Traum. Die Olympischen Sommerspiele in Tokio. Der Vision von Gold ordnet der Perfektionist alles unter. Auch die Bundesliga. Das ist legitim, aber das muss allen bewusst sein. Denn Olympia beginnt für die Aushängeschilder wie ihn bereits jetzt, nicht erst im heißen japanischen Sommer 2020.

 

 

 


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