Stäbler feiert mit Bronze doch noch ein Happy-End

Ringen  24 Stunden nach seiner frühen WM-Pleite jubelt der Top-Ringer über Edelmetall und Olympia-Ticket. Auch Eduard Popp kann für Tokio 2020 buchen.

Von Jörg Richter und Manuel Schwarz, dpa
Stäbler feiert mit Bronze doch noch ein Happy-End

Eduard Popp freute sich über sein Olympia-Ticket. Nun greift er nach Bronze.

Die Bronzemedaille glänzte für Frank Stäbler fast golden, und auch Denis Kudla feierte sein Edelmetall herzlich. Mit einem körperlichen wie mentalen Kraftakt hat Ausnahmeringer Stäbler, der für die Red Devils Heilbronn ringt, bei seiner letzten WM das Podium erklommen und durch die Qualifikation für Olympia sein großes Ziel erreicht.

"Das war so unglaublich schwer", sagte der Routinier, der 24 Stunden nach einer deprimierenden Achtelfinal-Pleite doch noch glückliches Ende feierte. Der 30-Jährige gewann am Montag im kasachischen Nur-Sultan den Kampf um Platz drei gegen den Ägypter Mohamed Elsayed. Kurz danach legte Kudla ebenfalls mit Bronze über Mikalai Stadub aus Weißrussland nach.

Mit zwei Medaillen kann der Deutsche Ringer-Bund bereits nach dem zweiten Finaltag ein erfreuliches Zwischenfazit des Saisonhöhepunkts ziehen - zumal neben Stäbler und Kudla der Schwergewichtler Eduard Popp als dritter Griechisch-Römisch-Ringer die Olympia-Qualifikation schaffte.

Extremdiät mit Nahrungs- und Wasserentzug

Die härteste Aufgabe hatte Stäbler zu bewältigen. Den 30 Jahre alten Spitzenathleten aus Musberg in Baden-Württemberg konnten weder die Gegner in der Hoffnungsrunde noch die Folgen einer unverzichtbaren Extrem-Diät aufhalten. Weil seine 72-Kilogramm-Gewichtsklasse aus dem Olympia-Programm gestrichen worden war, musste er für die Chance auf seine letzten Sommerspiele auf 67 Kilogramm abnehmen. Und das ging am Ende nur durch einen fast vollständigen Nahrungs- und Wasserentzug.

Im Achtelfinale gegen Weltmeister Ismael Borrero Molina aus Kuba hatte er am Sonntag keine Chance. "Das war einer der schwierigsten Momente meiner Karriere", berichtete Stäbler über die Stunden danach. Weil sein Gewicht an jedem Wettkampftag überprüft wurde, konnte er auch zwischen Sonntag und Montag fast nichts essen und trinken. "Mein Körper war im Eimer. Am Abend wollte ich nur noch pennen, ich war wie tot. Aber ich war 800 Gramm über dem Limit. Also musste ich mich eine Stunde bewegen, aufs Ergometer, aufs Laufband, in die Sauna."

0:5-Rückstand im Kampf um die Medaille

Stäbler feiert mit Bronze doch noch ein Happy-End

Raus mit der Freude: Frank Stäbler erlebte bei den Weltmeisterschaften mit dem Gewinn der Bronzemedaille doch noch ein Happy End.

Fotos: dpa

Die Tortur zahlte sich aus: Nach zwei Siegen in der Hoffnungsrunde hatte er sein Olympia-Ticket sicher. Im Bronze-Kampf gegen Elsayed wurde es spannend, als Stäbler mit 0:5 zurücklag, dank einer famosen Aufholjagd zum 6:5 aber doch noch seine fünfte WM-Medaille holte. "Gestern habe ich die Schlacht verloren, aber ich wusste, der Krieg ist noch nicht vorbei", sagte er martialisch. "Ich habe mir gedacht: Wenn ich schon untergehe, dann mit wehenden Fahnen."

Kudla präsentierte sich weniger spektakulär als Stäbler - war aber ebenso erfolgreich. Einen Tag nach der Halbfinal-Niederlage gegen Weltmeister Dschan Belenjuk aus der Ukraine rang der 24-Jährige im Bronze-Kampf Stadub nieder und holte nach Bronze 2016 bei Olympia und WM-Silber 2017 seine dritte Medaille auf Weltniveau. Auch er lag im Finale zurück, gewann aber 2:1. "Seine Stärke ist das Stehvermögen in so knüppelharten Kämpfen", lobte Bundestrainer Michael Carl.

Popp steht vor seinem größten sportlichen Erfolg

Eduard Popp gelang es ebenfalls schon am Montag, das Olympiaticket nach Tokio zu lösen, da er sich bis ins Halbfinale vorkämpfte. Erst vom türkischen Olympiazweiten Riza Kayaalp wurde das Eigengewächs des Bundesligisten Red Devils Heilbronn mit einer 1:4-Niederlage ausgebremst. Bis dahin konnte Popp schon Siege über Minseok Kim, Beka Kandelaki und Abdellatif Mohamed auf sein Konto buchen. Am Dienstag wird Popp im kleinen Finale um Bronze kämpfen. Wird er Dritter, wäre es sein bisher größter sportlicher Erfolg nach fünften Plätzen bei Olympia 2016 und der WM 2018.

 

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