Ringer-Verband gibt dem Protest der Mainzer statt

Ringen  Der 22:8-Erfolg des Ringer-Bundesligisten Red Devils Heilbronn schmilzt vor dem Viertelfinal-Rückkampf am Samstag auf ein 18:12 zusammen. Abteilungsleiter Jens Petzold spricht von einer "willkürlichen Entscheidung".

Email

Der Schultersieg von Red Devil Hammet Rüstem (rotes Trikot) gegen Dogus Ayazci zählt nicht − eine Hautauffälligkeit des Türken wird zum Zankapfel.

Foto: Dennis Mugler

Der Schock sitzt tief. Es brodelt und rumort noch immer heftig in Jens Petzold, nachdem der Abteilungsleiter der Red Devils Heilbronn von der Entscheidung des Rechtsausschusses im Deutschen Ringer-Bund (DRB) erfahren hat. Dieser hat dem Protest des Bundesligisten ASV Mainz 88 vom Samstagabend stattgegeben. Damit lautet das Ergebnis des Hinkampfes im Playoff-Viertelfinale in der Römerhalle nicht 22:8, sondern nur noch 18:12.

Lächerlich oder erfreulich?

"Das ist eine willkürliche Entscheidung, die mit den Tatsachen nichts zu tun hat", sagt Jens Petzold. "Für uns ist das lächerlich." Ganz anders hingegen die Reaktion des Mainzer Trainers David Bichinashvili. Er sagt mit Verweis auf die Richtlinien des Verbandes: "Die Entscheidung hat mich gefreut, aber auch nicht überrascht."

Das Ringen um die Punkte ist also entschieden, doch die Diskussionen darüber noch lange nicht. Zur Erinnerung: Auf der Waage monieren die Mainzer bei Red-Devils-Neuzugang Hammet Rüstem Hautveränderungen. Das Kampfrichter-Trio wie auch der vom DRB zugelassene Heilbronner Mannschaftsarzt Dr. Leo Theilacker haben die Hautrötung an der Innenseite von Rüstems linkem Oberarm für unbedenklich erklärt und den Kasachen mit türkischem Pass für wettkampffähig erklärt. Ein schriftliches Attest hat jedoch nicht vorgelegen.

Das Halbfinale ergaunern

Auf der Matte besiegt der 32-Jährige Dogus Ayazci mit einem Schultersieg - und erhält dafür vier Mannschaftspunkte. Genau diese Zähler werden nach dem Urteil nun den Heilbronnern abgezogen und dem ASV Mainz 88 zugesprochen. Der Vorsprung der Roten Teufel vor dem Rückkampf an diesem Samstag (19.30 Uhr) in der Mainzer Sporthalle am großen Sand schmilzt damit auf sechs Punkte. "Wenn man so versucht, sich ein Halbfinale zu ergaunern, regt mich das auf", sagt Jens Petzold.

Die Entscheidung am Grünen Tisch sorgt nun selbstredend für mächtig sportliche Brisanz. Denn: "Mainz wird im Rückkampf definitiv stärker sein", sagt Red-Devils-Cheftrainer Patric Nuding. Wissend, dass der Tabellenführer der Gruppe Nordwest ob des Stilartenwechsels besser aufgestellt sein wird als sein Team. Es gibt nur eine Antwort - und das ist die auf der Matte. Unanhängig vom Druck, der nun auf den Roten Teufeln lastet, weiß jeder Einzelne, um was es geht. Jeder Punkt zählt.

Richtlinien

Die Bundesliga-Statuten des Ringer-Bundes im Wortlaut: "Ringer, die sichtbare oder akute Hautveränderungen (z. B. Ringerpilz) haben, müssen vom Kampfrichter an der Waage abgewiesen werden, wenn sie kein fachärztliches Attest (Facharzt für Hautkrankheiten - Dermatologe) vorlegen, aus dem hervorgeht, dass keine ansteckende Hauterkrankung vorliegt." 

"Von der Mannschaft fordere ich nun eine Trotzreaktion ein", sagt Jens Petzold. Sie soll auf sportlichem Wege beweisen, dass sie ein würdiger Halbfinalist ist. Auf die Unterstützung der Anhänger dürfen die Heilbronner dabei zählen, denn erstmals in dieser Saison wird sich auch ein Fanbus auf den Weg nach Mainz machen.

Da das Urteil des Rechtsausschusses unanfechtbar ist, sagt Jens Petzold: "Wir behalten uns rechtliche Schritte vor einem ordentlichen Gericht vor." Er erklärt, dass seinem Verein womöglich fest eingeplante Einnahmen eines Halbfinal-Kampfes wegbrechen könnten.

Den Funktionär, der beim Wiegen in der Kabine dabei gewesen ist, erbost allen voran die Urteilsbegründung, da diese nicht den Tatsachen entspreche. Er fragt sich, warum der DRB nicht zugeben könne, dass seinen Kampfrichtern in diesem Falle ein Fehler unterlaufen sei.

Lust auf Engagement schwindet

"Da ist ein vom Verband zugelassener Arzt, der einen Ringerpilz beurteilen kann und trotzdem wird ein Attest verlangt, das macht mich zornig und ist für mich das noch viel größere Problem", meint Petzold. "Durch Inkonsequenz in der Rechtsprechung schaffen wir es immer wieder, unseren Sport in Misskredit zu bringen."

Ihm selbst nimmt es die Lust am ehrenamtlichen Engagement. "Ich werde langsam müde, immer wieder werden Richtlinien aufgeweicht." Das hat er auch Manfred Werner, den Präsidenten des Deutschen Rinder-Bundes, wissen lassen.

 

 


Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

Kommentar hinzufügen