Ringer Eduard Popp ist der ewige Fünfte

Ringen  Schwergewichtler Eduard Popp verpasst auch bei der Ringer-WM in Kasachstan die ersehnte erste internationale Medaille. Die Olympia-Qualifikation ist nur ein kleiner Trost.

Ringer Eduard Popp ist der ewige Fünfte

Nah dran − und doch wieder nicht auf dem Podest: Eduard Popp, das Eigengewächs der Red Devils Heilbronn, hat in Nur-Sultan gegen den Georgier Jakobi Kajaia verloren. Der 28-Jährige ist aber trotzdem bei Olympia in Tokio dabei.

Foto: imago/Kadir Caliskan

Geduld ist eine Tugend, deren Grenze im Sport bisweilen auf garstige Weise überdehnt wird. Eduard Popp weiß in besonderem Maße darum. Am Dienstagnachmittag ist der Bundesligaringer der Red Devils Heilbronn enttäuscht von der Matte in der Barys Arena gegangen.

Nach seinem 0:5 im Kampf um Platz drei bei den Weltmeisterschaften in Kasachstan hat der Griechisch-Römisch-Spezialist einfach nur tieftraurig dreingeblickt. Eine nachvollziehbare Reaktion, wenn ein Traum platzt. Der Schwergewichtler verliert gegen Jakobi Kajaia. Ein bitterer Moment. Doch das Ergebnis ist eindeutig, der Georgier zu präsent auf der Matte.

Noch nie hat der dreimalige deutsche Meister bei einer internationalen Meisterschaft eine Medaille geholt. Wieder freut sich ein Konkurrent über das so nahe geglaubte Bronze - nun schon zum fünften Mal bei einer internationalen Meisterschaft. Immer wieder wird der Unterländer Sportler des Jahres 2016 kurz vor dem ersehnten Ziel eingebremst. In der Vita des Eduard Popp wird nach der WM 2018, Olympia in Rio 2016, der EM im selben Jahr und den Weltmeisterschaften von 2014 erneut ein fünfter Platz stehen. Kein sichtbarer Lohn für die Vitrine, keine vorzeigbare Medaille für all jene, die ihm in der Heimat den größten Erfolg seiner Karriere so gegönnt hätten.

Abteilungsleiter fiebert vorm PC mit

"Er hätte die Medaille mal verdient gehabt", sagt Jens Petzold, Abteilungsleiter der Red Devils. "Ich kenne den Aufwand, den er betreibt, da wünscht man es ihm einfach." Petzold hat alle Kämpfe am Schreibtisch in seinem Unternehmen angespannt via Livestream verfolgt. Gefiebert. Gehofft. Weil der 28-Jährige so ein starkes Turnier gerungen - und alles andere als Losglück gehabt hat. Gegen den Koreaner Kim gelingt dem Heilbronner mit der guten Technik immerhin die WM-Revanche von Budapest 2018.

Auf der Homepage des Neckargartacher Eigengewächses steht ein kluger Satz: "Geduld ist nicht die Fähigkeit zu warten, sondern während des Wartens eine positive Einstellung zu bewahren." Das zeichnet Eduard Popp aus - auch, wenn er in seiner Karriere immer wieder verletzungsbedingte Rückschläge erleidet.

Das Positive in den Tagen von Nur-Sultan aber ist: Eduard Popp ist für die Olympischen Sommerspiele in Tokio qualifiziert. Nach Brasilien darf er auch nach Japan reisen. Die nächste große Chance für den Sportsoldaten und Vater zweier kleiner Kinder. "Das freut mich für ihn, denn Olympia ist der größte Traum eines jeden Athleten", sagt Jasmin Jakob, Nachwuchs-Kaderathletin von den Red Devils. "Darauf kann er jetzt gezielt hinarbeiten."

Genau das ist es auch, was Jens Petzold herausstreicht. "Die Freude über die Olympia-Qualifikation überwiegt. Jetzt hat er den großen Druck weg." Das gibt Eduard Popp (Planungs-)Sicherheit. Ein großes Plus für den Kopf, der nach der ersten Enttäuschung auch den Körper wieder antreibt.

Lehren ziehen für Olympia nächstes Jahr

Eduard Popp wird mit Bundestrainer Michael Carl das verlorene Halbfinale gegen den Olympia-Zweiten Riza Kayaalp aus der Türkei und das Duell gegen Kajaia analysieren, d - und dann die Spiele in den Fokus nehmen. Im Schwergewicht ist Geduld gefragt, hier braucht es besonders viel Zeit, um das System auf den Leistungszenit hochzufahren.

Doch Eduard Popp hat mit hoher Explosivität in Kasachstan bewiesen, dass er einen weiteren Entwicklungsschritt gemacht hat. "Das gibt ihm bestimmt auch Ruhe für die Bundesliga-Saison mit den Red Devils", sagt Jens Petzold. 

 


Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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