Red Devils vor Saisonstart: "Passt alles, können wir jeden Gegner besiegen"

Interview  Der neue Chefcoach der Red Devils, Patric Nuding, startet mit seinem Team am Samstag in die Saison. In seiner Karriere hat ihm das Netzwerken schon oft geholfen - so auch in Heilbronn.

Am Samstag beginnt die neue Saison in der Ringer-Bundesliga. Nach der Vizemeisterschaft 2018/2019 ist die Erwartungshaltung bei den Red Devils Heilbronn groß. In einer starken Bundesliga-Gruppe Südost dürfen sich die Unterländer aber keine Schwächen erlauben, sonst gerät die Qualifikation für die Playoffs in Gefahr. Patric Nuding, neuer Chefcoach der Roten Teufel, ist vor dem Start mit einem Auswärtskampf in Bayern beim SV Hallbergmoos zuversichtlich, lehnt sich aber bei seiner Zielsetzung nicht zu weit aus dem Fenster.

Der Druck ist nach der erfolgreichen vergangenen Saison groß. Die Erwartungshaltung der Fans ist hoch. Was hat sie bewogen, diesen Job anzunehmen?

Patric Nuding: Der Druck macht mir nichts aus, damit weiß ich umzugehen. Unter Druck entstehen Diamanten. Heilbronn habe ich natürlich schon länger verfolgt und gesehen, was sich dort entwickelt. Ich denke, es ist eine sehr interessante Aufgabe und wir werden unser Bestes geben.


Ihnen eilt der Ruf voraus, sich in der Ringerszene bestens auszukennen, national wie international.

Nuding: Vielen Dank. In meiner Karriere als Sportler und auch als Trainer haben sich Bekanntschaften und auch Freundschaften entwickelt, welche mir natürlich halfen, ein Netzwerk aufzubauen und auch zu pflegen.


Sie haben Ihr Netzwerk genutzt, um das Team der Red Devils Heilbronn zu verstärken.

Nuding: Klar nutzt man sein Netzwerk bei der Kaderzusammenstellung, wobei ich mich auch bei meinem früheren Trainer Thomas Zander (Olympia-Zweiter 1996, Weltmeister 1994, viermaliger Europameister, Anm. d, Red.) bedanken möchte. Mit ihm konnte ich mich dieses Jahr gut austauschen. Er hat mit seinem Wissen auch die Red Devils unterstützt.
 

"Passt alles, können wir jeden Gegner besiegen"

Eduard Popp ist Aushängeschilder des Bundesligisten Red Devils Heilbronn. Das Ticket für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio hat er bereits in der Tasche.

Foto: Berger

Der Heilbronner Kader wurde auf mehreren Positionen verändert.

Nuding: Die anderen Teams haben sich extrem verstärkt, so dass wir auch einiges getan haben, um konkurrenzfähig zu sein. Ich denke, jeder Trainer hat seine Philosophie und versucht, seine favorisierten Sportler in den Kader zu holen. Durch die Unterstützung des Vereins haben wir einige Top-Sportler für uns gewinnen können.


Wo liegen die Stärken des Teams?

Nuding: Man kann nur gute Resultate in der Bundesliga erzielen, wenn das Team im Gesamten stark ist. In den wichtigen Kämpfen können knappe Niederlagen einzelner Athleten auch sehr wichtig und am Ende das Zünglein an der Waage sein. Deshalb werden wir daraufhin arbeiten, dass der Teamgeist und der Charakter die Stärke der Mannschaft ist.


Auf welchen Red-Devils-Neuzugang dürfen sich die Unterländer Ringer-Fans besonders freuen?

Nuding: Ich denke, die Fans dürfen sich auf alle unsere Neuzugänge freuen. Durch die Ligen-Konstellation wird es in jedem Kampf eine großen Spannungsbogen geben. Aber im Freistil haben wir ein paar Weltklasse-Sportler verpflichtet, die technisch auf höchster Ebene agieren. Darauf können sich die Augen der Zuschauer freuen. Ich denke dabei zum Beispiel an Avtandil Kenchadze, den Vizeweltmeister der Männer 2018 und U23-Weltmeister von 2018.


Startet man als Vizemeister in die Saison, kann man nicht sagen, Vorgabe ist das Viertelfinale. Welches Ziel wird für 2019/2020 ausgegeben?

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Nuding: Unser Ziel ist es, den Fans attraktiven Ringkampfsport zu bieten. Natürlich muss unser Anspruch sein, die Playoffs zu erreichen. Wenn wir dann alle Sportler zur Verfügung haben und die jeweils ihre Topleistung abrufen können, ist viel möglich.


Auch die deutsche Meisterschaft?

Nuding: Wenn bei uns alles passt, wenn jeder 100 Prozent bringt, sind wir in der Lage, jeden Gegner zu besiegen. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht.


Adolmohammad Papi war ein Sieggarant und auf bestem Weg Publikumsliebling zu werden. Warum hat er keinen neuen Vertrag erhalten?

Nuding: Leider ist es so, dass man aufgrund der neuen Punkteregelung (Seit 2018 ist jeder Ringer aufgrund seiner Nationalität, der Verweildauer im Verein und seinen Erfolgen mit einem Punkte-Grundwert von minus zwei bis plus acht versehen. Pro Kampfabend darf die Gesamtsumme aller zehn Ringer die Marke von 28 Zählern nicht überschreiten, Anm. d. Red) bei der Kaderzusammenstellung auf alles schauen muss. Da kommt man aus dem Rechnen nicht mehr raus. Man muss gegenüber den Topteams konkurrenzfähig bleiben. Daher waren wir der Meinung, unser Team steht besser, wenn wir einen unserer drei Plätze für Nicht-EU-Ringer anderweitig vergeben, auch wenn Papi ein sehr starker Ringer ist. Die Entscheidung war auch davon abhängig, wie sich die Konkurrenz aufstellt.


Frank Stäbler, Eduard Popp, Levan Metreveli, Anatoli Buruian, Haydar Yavuz, Taimuraz Friev, Sebastian Kolompar und Avtandil Kenchadze haben sich für Olympia 2020 qualifiziert oder wollen über Qualifiaktionsturniere noch das Ticket nach Tokio lösen. Wie sehr tangiert die Vorbereitung auf Olympia deren Einsätze in der Bundesliga für die Red Devils?

Nuding: Die Saison vor Olympia wird die ein oder andere Überraschung bringen. Es wird für die Vereine schwer ihre Olympia-Kandidaten zum gewünschten Zeitpunkt einzusetzen. Wir haben aber bei der Mannschafts-Zusammenstellung versucht uns dahingehend abzusichern und breit aufzustellen.

"Passt alles, können wir jeden Gegner besiegen"
Frank Stäbler befindet sich in einer besonderen Situation, da er vom 72-Kilo-Limit in die 67er-Klasse gewechselt ist.

Foto: Veigel


Frank Stäbler befindet sich in einer besonderen Situation, da er vom 72-Kilo-Limit in die 67er-Klasse gewechselt ist, um sich 2020 seinen Traum einer olympischen Medaille zu erfüllen. Wird er daher nur sporadisch für die Red Devils auf die Matte gehen?

Nuding: Das wird in Absprache mit Franky geregelt. Er hat seinen Olympia-Fahrplan und der beinhaltet auch Kämpfe für die Red Devils. Wettkampfpraxis ist wichtig und unerlässlich in der Vorbereitung auf Tokio.


Die Red Devils treffen in ihrer Gruppe auf Burghausen. Welchen Gegner müssen die Heilbronner im Kampf um Platz eins oder zwei − der Playoff-Qualifikation − noch fürchten?

Nuding: Natürlich ist Burghausen als zweifacher Deutscher Meister erneut der Favorit. In unserer Gruppe hat sich aber jeder Verein verstärkt und kann für uns unangenehm werden. Ich denke aber, dass der SV Johannis Nürnberg wie auch der SV Hallbergmoos nach Burghausen die stärksten Gegner sind.


In der vergangenen Saison wurden die Red Devils in der Hauptrunde zwei Mal von Witten besiegt. In einen nun stärkeren Bundesliga darf man sich gegen einen sogenannten Außenseiter solche Patzer nicht erlauben.

Nuding: Wir werden versuchen in jeden Kampf die bestmögliche Leistung abzurufen. Fehler können natürlich passieren, aber dann muss mit einer Konterreaktion das wieder geradegebogen werden. In unserer ebenso starken wie ausgeglichenen Gruppe wird es zu Überraschungen kommen. Wir wissen, was notwendig ist, um die Playoffs zu erreichen. Klar ist aber, zu viele Ausrutscher und zu viele Punktverluste darf man sich nicht erlauben. Das gilt aber auch für unsere Konkurrenten.

 


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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