Red Devils verpassen nach Ringer-Krimi das Halbfinale

Ringen  Auf der Matte unterliegen die Bundesliga-Ringer der Red Devils Heilbronn am Samstagabend dem ASV Mainz 88 mit 11:17. Trotzdem verging bis zum endgültigen Ergebnis noch eine Viertelstunde.

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Red Devils 2 - volle Halle
Die Mainzer Sporthalle war mit 600 Zuschauern gut besucht. Foto: Stefanie Wahl
Der Rückkampf im Playoff-Rückkampf ist zu Ende, doch bis der Sieger feststeht, vergeht eine Viertelstunde. Auf der Matte unterliegen die Bundesliga-Ringer der Red Devils Heilbronn am Samstagabend dem ASV Mainz 88 mit 11:17. Nach dem 18:12-Erfolg vor einer Woche kommt es damit zum Gleichstand. Diskussionen. Rechnerei. Telefonate. Erst auf Nachfrage bei Manfred Werner, dem Präsidenten des Deutschen Ringer-Bundes (DRB) und anderen Funktionären steht fest, dass der ASV Mainz im Halbfinale steht. Der Grund: Bei Punktgleichheit zählt die Anzahl der Vier-Punkte-Wertungen – und da haben die Mainzer in der Addition mehr verbucht. Traurigkeit, Fassungslosigkeit  und Frust bei den Red Devils.
 
Spannend bis zur letzten Minute 
 
Die Entscheidung fällt im letzten Kampf. In einem Duell zweier Weltklasseringer bis 75 Kilo Freistil. Der Georgier Avtandil Kentchadze, Silbermedaillengewinner der WM 2018, unterliegt dem Russen und EM-Dritten  Timur Bizhoev im Mainzer Trikot. Er flucht, schimpft und ist enttäuscht über sich selbst. Denn diese Niederlage hat Folgen. 11:17 unterliegen die Red Devils – und stehen statt im Halbfinale im Aus. Saisonende. Bitterer geht es nicht.
 
Es ist der erwartet spannende Playoff-Viertelfinal-Krimi geworden – mit einem Stimmungstief zur Halbzeit. Wegen einer Knieverletzung gibt Christopher Kraemer vorzeitig auf und damit vier Mannschaftspunkte ab. Mit schmerzverzerrtem Gesicht humpelt der Rote Teufel von der Matte, begleitet von fairem Applaus der 600 Zuschauer in der Mainzer Sporthalle. Bei einem Ausheber verdreht sich der 23-Jährige das Knie, auch eine Behandlungspause bringt keine Linderung. So gehen die Red Devils mit einem 4:12 in die Halbzeit, nachdem Damian Macun und André Timofeev ihren Gegnern technisch unterlegen sind.
 
Spannend bis zum Schluss
 
Punktsiege holen Taimuraz Friev im Schwergewicht und Anatoli Buruian (61 Kilo). Bedrückte Mienen. Wissend, dass der Abstand größer ist als das Polster aus dem Hinkampf in der Römerhalle nach dem Protest der Mainzer (18:12). „Jetzt erst recht“, sagt Christian Fetzer. Doch was zu diesem Zeitpunkt niemand weiß: Hätte sich Kraemer einfach auf die Matte gelegt, zweimal um die eigene Achse drehen lassen und einen technischen Überlegenheitssieg zugelassen, wären die Red Devils im Halbfinale. Welch bizarre Situation. 
 
Mit Leidenschaft und aller Intensität
 
Nach der Pause gelingt es Freistil-Ass Patryk Dublinowski bis 86 Kilo nicht, Johannes Demels Aktionsradius einzudämmen und gibt zwei Punkte ab. Anders Saba Bolaghi. Im Limit bis 71 Kilo kämpft der MMA-Profi – intensiv begleitet von der Red-Devils-Ecke - den zuletzt an der Schulter verletzten Mainzer Niklas Dorn mit 8:0 nieder und verkürzt auf 7:14. Ringen mit Leidenschaft und aller Intensität bietet Greco-Könner Pascal Eisele. Aus einer brenzligen Situation rettet sich der Ex-Europameister, doch Burhan Akbudak lässt sich für seinen 10:6-Punkterfolg feiern. Der Vorsprung der Rheinhessen vergrößert sich auf neun Punkte. 
 
Als gäbe es Zusatzpunkte für Kurzarbeit, drückt der dreimalige Weltmeister Frank Stäbler nach eineinhalb Minuten den erwartet chancenlosen Wladimir Winter auf die Schulter. Vergebens. Selbst diese maximale Ausbeute hilft in der Addition nicht mehr. „Es tut richtig weh“, sagt Frank Stäbler. „So viel Pech kann man fast nicht haben.“
 

Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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