Red Devils prüfen eine Klage gegen den Ringer-Verband

Ringen  Nach dem bitteren Aus im Playoff-Viertelfinale gegen den ASV Mainz 88 hadern die Heilbronner mit der Entscheidung des Deutschen Ringer-Bundes - Kreuzbandriss bei Christopher Kraemer.

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Red Devils prüfen eine Klage gegen den Ringer-Verband

Frustriert: Patryk Dublinowski (vorn) ist bedient, Pascal Eisele (hinten Mitte) und Frank Stäbler diskutieren mit DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis.

Irgendwo im Wald kann die Entscheidung fallen. Darüber, wie es weitergeht mit dem Ringer-Bundesligisten Red Devils Heilbronn und seinem Abteilungsleiter Jens Petzold. Frische Luft hilft beim Sortieren der Gedanken. "Aus der Emotion heraus etwas zu entscheiden, wäre falsch", sagt Petzold. Tief enttäuscht sitzt er beim Griechen in Mainz-Mombach. Noch immer aufgewühlt von einem emotionalen Kampfabend, in dem seine Roten Teufel mit 11:17 unterlegen sind.

Das bittere Aus im Playoff-Viertelfinale gegen den ASV Mainz 88 ist das Eine. Zermürbender ist für den Funktionär die Art und Weise, wie das vorzeitige Saisonende zustande kommt und die Rolle, die aus seiner Sicht der Deutsche Ringer-Bund (DRB) einnimmt. "Es ist das Drumherum, immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen zu bekommen, das macht mich müde. Damit muss man fertig werden. Aber jetzt tut es erstmal richtig weh."

Sportanwalt soll angerufen werden

Körperlicher wie seelischer Schmerz. Jens Petzold akzeptiert die sportliche Niederlage vor 600 Zuschauern - und wird doch prüfen lassen, wie hoch die Erfolgsaussichten sind, den Ringer-Bund wegen entgangener Halbfinal-Einnahmen zu verklagen. Im Gespräch ist Christoph Schickhardt. Er gilt als einer der führenden Sportanwälte Deutschlands, seine Kanzlei hat ihren Sitz in Ludwigsburg. "Wir sind immer noch überzeugt davon, dass das Ganze eine Farce ist", sagt Jens Petzold und meint den Mainzer Protest im Hinkampf wegen einer Hautauffälligkeit des Heilbronners Hammet Rüstem, dem der DRB-Rechtsausschuss stattgegeben hat.

Und als ob all die Diskussionen um eine gerötete Hautpartie, ein fehlendes Attest und die überstimmte Entscheidung des Kampfgerichtes noch nicht bizarr genug wären, hat der Rückkampf erneut gezeigt, dass es in der Traditionssportart Ringen an Professionalität mangelt.

Telefonate, um Klarheit zu schaffen

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Tief enttäuscht: Red-Devils-Abteilungsleiter Jens Petzold nach dem Aus.

Satte zwanzig Minuten dauert es nach Kampfende, ehe feststeht, wer im Halbfinale der Gegner des Mannschaftsmeisters Wacker Burghausen sein wird. Auf der Anzeige ist das Ergebnis längst gelöscht, als Ringer-Vizepräsident Günter Maienschein mit dem Smartphone das weitere Vorgehen einholt und in der Folge der ASV samt Fans losgelöst das Wunder von Mainz feiert.

Eine gefühlte Ewigkeit ist unklar, wie nach dem Gleichstand aus Vor- (18:12) und Rückkampf (11:17) denn nun bitteschön der Sieger ermittelt wird. Weil es in der Anzahl der Siege mit 10:10 wie auch in der Anzahl der Schultersiege (1:1) ebenfalls Remis steht, entscheiden die Viererwertungen. Hier liegt Mainz mit 5:4 vorne.

Kraemer ist bereits am Knie operiert

Irrsinnigerweise, weil die Aufgabe des verletzten Red-Devil Christopher Kraemer einem Schultersieg gleichgestellt wird. Hätte der 24-Jährige aufgrund technischer Überlegenheit seines Kontrahenten verloren, stünden die Heilbronner im Halbfinale, weil dieser Vierer geringerwertig eingestuft wird. Fakt aber ist, dass Kraemers Kreuzbandriss gestern bereits operiert worden ist.

Cheftrainer Patric Nuding ist bedient. "Wir haben den ein oder anderen Punkt liegenlassen, das müssen wir uns ankreiden. Aber wenn man so ungerecht verliert, ist das bitter", sagt er und hadert mit einigen Kampfrichterentscheidungen. Besonders im letzten Kampf tobt der 38-Jährige. Mit Avtandil Kentchadze und Timur Bizhoev stehen sich zwei Weltklasseathleten gegenüber. Der Georgier im Red-Devils-Trikot attackiert, der physisch starke Russe hält dagegen, Kentchadze kassiert drei Verwarnungen, der Mainzer die Punkte. "Er gewinnt ohne eine Aktion, das ist eine Frechheit."

Bolaghi mit ausgekugeltem Finger

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Die Mainzer Sporthalle ist mit etwa 600 Zuschauern voll besetzt, darunter auch viele Fans der Red Devils Heilbronn. Doch bis die Ringerfreunde beider Vereine nach dem letzten Kampf wissen, wer im Halbfinale steht, dauert es 20 Minuten.

Fotos: Stefanie Wahl

Saba Bolaghi zeigt auf seinen ausgekugelten Finger und meint: "Das ist der kleinere Schmerz. Ich weiß nicht, ob das so cool ist, wenn man am Grünen Tisch Punkte geklaut bekommt - und dann entscheiden noch die Referees einen Kampf ohne eine technische Wertung. Das ist schade und lächerlich."

Frank Stäbler sagt: "So viel Pech kann man fast nicht haben. Es soll nicht überheblich klingen, aber wenn beide Teams in dieser Konstellation 100 Mal aufeinandertreffen, gewinnen die Red Devils 99 davon." Am Samstag ist der eine besondere Tag gewesen.

ASV Mainz 88 - Red Devils Heilbronn 17:11 57 kg GR: Dogus Ayazci - Damian Macun 16:0 TÜ - 4:0; 61 kg FS: Ashot Shahbazyan - Anatoli Buruian 2:8 PS - 0:2; 66 kg GR: Dawid Ersetic - Christopher Kraemer Aufgabesieg beim Stande von 3:0 - 4:0; 71 kg FS: Niklas Dorn - Saba Bolaghi 0:8 PS - 0:3; 75 kgA GR: Wladimir Winter - Frank Stäbler SS - 0:4; 75 kgB FS: Timur Bizhoev - Avtandil Kentchadze 3:2 PS - 1:0; 80 kg GR: Burhan Akbudak - Pascal Eisele 10:6 PS - 2:0; 86 kg FS: Johannes Deml - Patryk Dublinowski 10:4 PS - 2:0; 98 kg GR: Tadeus Michalik - André Timofeev 15:0 TÜ - 4:0; 130 kg FS: Wladimir Remel - Taimuraz Friev 4:9 PS - 0:2.

 
 

Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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