Red-Devils-Fans träumen vom Deutschen Meistertitel

Heilbronn  Lange Schlange im VIP-Raum, heiser gesungene Fans voller Euphorie, Trommeln zum Anfeuern und ein früher Engpass beim Brötchenverkauf: Beobachtungen am Rande des Halbfinalfights der Red-Devils-Ringer.

Von Carsten Friese
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Als Weltmeister Frank Stäbler im letzten Kampf des Abends nach zwei spektakulären Überwürfen plötzlich mit 11:0 gegen seinen Gegner klar führt, kennen die Zuschauer kein Halten mehr. Die Römerhalle tobt, die Red-Devils-Ringer stehen im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft vor dem Sieg gegen den ASV Mainz, der Traum vom erstmaligen Finale wird größer. Nach Stäblers klarem Erfolg gewinnen die Heilbronner Ringerteufel den Hinkampf mit 15:10. "Leute, wir können stolz auf diese Mannschaft sein", sagt der Moderator ins Mikrofon.

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Die leuchtend roten Teufelshörner waren der Renner bei Jung und Alt, um die Red Devils zu unterstützen. Fotos: Mario Berger

Die Römerhalle ist ausverkauft

1500 Zuschauer, ausverkaufte Römerhalle, ein spannender, stimmungsvoller Ringerabend: Das haben die Neckargartacher hier so noch nie erlebt. Fast den ganzen Abend hat Markus Bertele im noch überschaubaren Fanblock der Devils seine große Trommel bearbeitet, hat lautstark die eigenen Ringer angefeuert. "Es war schon knapp. Jetzt bin ich absolut happy", sagt er mit heiserer Stimme. Und für ihn kann es nach der Leistung nur einen Deutschen Meister geben, "und der kommt aus Heilbronn".

Es war auch im Hintergrund ein Kraftakt für den Verein, das Spektakel zu organisieren. Über Stunden haben sie Zusatztribünen aufgebaut, damit die vielen Interessierten das Duell verfolgen können. 885 Karten sind im Vorfeld reserviert worden. In der kleinen VIP-Lounge werden sie ausgegeben. Gut eine Stunde vor dem Kampf wird die Schlange hier immer länger, Pressesprecher Ralf Scherlinzky muss mithelfen, um die Tickets zügig an die Zuschauer zu bringen.

Helfende Hände

In der Halle ist das Service-Team an Essens- und Getränkeständen von sonst zehn bis zwölf auf gut 40 Helfer aufgestockt worden. Mitglieder, Freunde packen mit an. Mit blinkenden Teufelshörnern auf dem Kopf schenken SVH-Ü30-Handballerinnen gleich am Eingang Bier, Wein und alkoholfreie Getränke aus. "Wir sind gefragt worden und sind gerne eingesprungen", sagt Andrea Trunk. Natürlich fiebere man mit den Ringern mit - und hoffe auf den Finaleinzug.

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Andrea Trunk und andere SVH-Ü30-Handballerinnen schenken am Eingang Bier, Wein und alkoholfreie Getränke aus.

Küchenteamleiter Markus Straußberger erzählt vor dem Kampf, wie es schon innerlich kribbele. Er hat früher selbst gerungen. Wenn der Kampf laufe, könnten die Helfer schon mal abwechselnd bei den Kämpfen durch eine große Glasscheibe zuschauen. Wäre ja sonst auch irgendwie ungerecht. Den Durst und Hunger der Fans hat er als groß eingestuft. Statt sonst 50 Kisten Bier sind jetzt an die 150 besorgt worden, zusätzlich zur "Ringerwurst" und belegten Brötchen gibt es außer der Reihe Fleischkäse- und Schnitzelbrötchen. Noch vor dem Kampfbeginn berichtet Vereinsmitglied und Security-Mitarbeiter Michael Grupp, dass Brötchen nachbestellt werden müssen. "Natürlich werden wir Deutscher Meister", sagt er voller Selbstbewusstsein.

Leuchtend rote Teufelshörner sind der Renner

In der Halle werden am Fanstand Schals, Mützen, Aufkleber, Feuerzeuge und Kalender der Red Devils verkauft, der Renner sind heute die leuchtenden roten Teufelshörner als Kopfschmuck. Daneben  steht eine gut drei Meter hohe, aufblasbare Teufelsfigur im Red-Devils-Outfit, die ein Mitglied in Hongkong hat anfertigen lassen - für vergleichsweise wenig Geld, wie Pressesprecher Ralf Scherlinzky erzählt.

 

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Dieser kleine Mann trommelt wie ein Großer und fiebert mit den Ringern mit.

Auf der Tribüne sitzt kurz vor dem Anpfiff Thomas Kleeberg in der ersten Reihe, vor sich eine Trommel, neben sich eine rote Feuerwehrsirene. Die Sirene hat er vor Jahren im Internet gekauft, jetzt setzt er sie zum Anfeuern ein. Er demonstriert die Technik - ein intensiver, lauter werdender Heultron schallt durch die Halle. Auch viele Kinder sind dabei, einige liegen hinter kleinen Werbebannern in direkter Mattennähe. Bereits zum sechsten Mal beim Ringen ist Ben (11) aus Neckarsulm. "Es macht Spaß zuzuschauen", findet er. Sein Lieblingsringer ist - na klar - Weltmeister Frank Stäbler.
 
FAZ-Redakteur lobt würdige Veranstaltung
 

Auch beim Medienandrang dringen die Devils in ungewohnte Sphären vor. Neben Stimme und Stimme TV sowie "Echo" sind ein Fernsehteam der "Hochschule der Medien" aus Stuttgart, die "Mainzer Allgemeine Zeitung" und sogar die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vertreten. FAZ-Sportredakteur Daniel Meuren lobt Atmospähre und Organisation. "Ich finde es gut hier, es ist eine runde Sache, auf jeden Fall würdig."

Am Ende kann sich auch das Devils-Maskottchen Ringo im Teufelskostüm über den Sieg freuen. Aber auch neutrale Zuschauer loben den Kampfabend. "Es war eine gute Veranstaltung, ein spannender Kampf. Fünf Punkte sind ein gutes Polster, das ist schon schwierig aufzuholen", fasst der Bönnigheimer Ringkampfinteressierte Willi Samstag zusammen.

Fankultur kann noch wachsen

Nur ein bisschen mehr Stimmung könnten die Devils-Fans in der Halle machen. Alles ist relativ - auch die Fankultur muss bei den erst im zweiten Jahr in der Bundesliga ringenden Teufeln noch wachsen. Der Leingartener Reinhard Benz, ein früherer Bundesliga-Mattenrichter, verfolgt die Kämpfe der Devils regelmäßig. "So eine gute Stimmung wie heute war hier noch nie in der Römerhalle", vergleicht er. "Das war absolut klasse."

 


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