Premiere mit Nachspiel

Ringen  Mainzer Ringer legen wegen einer Hautauffälligkeit bei Hammet Rüstem Protest ein. Der Rechtsausschuss des Deutschen Ringer-Bundes (DRB) entscheidet nun.

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Premiere mit Nachspiel

Sportlich ist das Duell zwischen Hammet Rüstem (rotes Trikot) und Dogus Ayazci dank dem Schultersieg des 32-Jährigen eine schnelle Sache.

Foto: Dennis Mugler

Die Zahlen sind nur über den Lautsprecher in der Römerhalle zu hören. Am Samstagabend wird inicht öffentlich gewogen. Bei Hammet Rüstem zeigt das geeichte Gerät 60,9 Kilogramm an. Eine Punktlandung. Denn Red-Devil-Cheftrainer Patric Nuding hat den gebürtigen Kasachen mit türkischem Pass auserkoren, im Viertelfinal-Hinkampf gegen den ASV Mainz 88 im Limit bis 61 Kilogramm gegen Dogus Ayazci anzutreten.

Eine Premiere mit Nachspiel. Auf der Waage monieren die Mainzer allerdings bei Hammet Rüstem Hautveränderungen. Der Mattenpräsident Karl Peter Schmitt, Kampfrichter Petar Stefanov und die Punktrichterin Maria Anselm begutachten die fragwürdige Stelle, die am Rücken sein soll, beanstanden diese allerdings nicht.

Es geht um Ansteckungsgefahr

Mit Dr. Leo Theilacker haben die Red Devils in der dritten Saison einen Mannschaftsarzt, der zugleich in der Ärztekommission des Deutschen Ringer-Bundes (DRB) sitzt. "Ich habe den Athleten auch in Augenschein genommen", sagt der Orthopäde und Unfallchirurg aus Benningen, "als Arzt des DRB ist das auch mein Recht. Es geht ja darum, ob die Hautauffälligkeit ansteckend ist und ob sie eine Gefahr für andere Ringer darstellt. Das ist in dem Fall aber nicht gegeben."

Ein schriftliches Attest für den 32-jährigen Rüstem hat seitens der Red Devils nicht vorgelegen. Eine Situation, aus der der Ringer-Bundesligist lernen wird, denn die Mainzer sehen darin einen Verfahrensfehler. Ihre Konsequenz: Sie haben Protest eingelegt. Dieser geht aller Voraussicht nach nun vor den Rechtsausschuss. "Das ist jetzt eine rein juristische Sache", sagt Red-Devils-Abteilungsleiter Jens Petzold.

Bei türkischen Meisterschaften voll wettkampffähig

Pikanterweise ist der langjährige Nationalmannschaftsringer Hammet Rüstem vor dieser Saison aus Mainz zu den Roten Teufeln gewechselt. Erst in der vergangenen Woche hat der Griechisch-Römisch-Spezialist noch bei den türkischen Meisterschaften gerungen. "Also ein großes Turnier, bei dem auch Ärzte vor Ort sind. Dort war er voll wettkampffähig", sagt Leo Theilacker. "Das sind Feinheiten, die in der Bundesliga nun mal ab den Playoffs laufen, da wird mit allen Mitteln gekämpft."

Wie schnell eine Entscheidung fällt, ist derzeit offen. In der Vergangenheit haben sich manche Fälle schon mächtig hingezogen. Der Rückkampf in Mainz ist allerdings für Samstag (19.30 Uhr) terminiert.

Petzold lässt sich Sieg nicht vermiesen

Würde dem Protest stattgegeben, verlören die Red Devils maximal die durch Hammet Rüstems Schultersieg errungenen vier Mannschaftspunkte - das Endergebnis würde dann statt 22:8 nur noch 18:12 lauten. Spekulationen, die Jens Petzold am Samstagabend allerdings nicht die Freude über den klaren Erfolg nehmen: "Durch so eine Spielerei der Mainzer lasse ich mir nicht den Sieg vermiesen oder mich gar aus der Ruhe bringen."

Der dreimalige Weltmeister und Deutschlands beliebtester Ringer Frank Stäbler meint: "Prinzipiell darf ein Gegner reklamieren, wenn etwas nicht passt. Andererseits stehen die Mainzer jetzt als schlechte Verlierer da, wenn man nach so einer Klatsche Protest einlegt. Da investiert man zu viel Energie in falsche Dinge."

Pascal Eisele, der einst das Trikot des ASV getragen hat, mag sich zu dem Vorgehen nichts äußern, sich stattdessen vielmehr aufs Sportliche konzentrieren. "Und da haben die Mainzer keine Chance gehabt. Über alles andere sollen sich die hohen Herren streiten."


Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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