"Mainz ist eine riesen Hausnummer"

Interview  Red Devil Christian Fetzer spricht im Stimme-Interview über den Viertelfinal-Gegner und seine persönliche Ringer-Bilanz.

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"Mainz ist eine riesen Hausnummer"

Kopf einziehen: In der Bundesliga zählt Christian Fetzer auch mit 35 Jahren noch immer zu den leistungsstarken Athleten und Liebling der Fans.

Foto: Alexander Bertok

Mit dem ASV Mainz 88 treffen die Red Devils Heilbronn im Playoff-Viertelfinale am 28. Dezember auf einen alten Bekannten. Vergangene Saison haben sie das Team aus Rheinland-Pfalz im Halbfinale bezwungen, doch: "Wir müssen sie sehr ernst nehmen", sagt Griechisch-Römisch-Ass Christian Fetzer vor dem Hinkampf am Samstag in der Römerhalle.

 

Herr Fetzer, der Gegner in den Playoffs heißt mal wieder ASV Mainz 88. Was sagen Sie zu der Auslosung?

Christian Fetzer: Insgesamt empfinde ich die Auslosung mit den zwei Ästen als sehr unausgeglichen, da hat es uns schon richtig hart erwischt. Die andere Seite mit Witten, Nackenheim, Freiburg und Köllerbach ist um einiges leichter. Mainz ist eine riesen Hausnummer, wir nehmen sie sehr ernst. Diesen Berg gilt es erst einmal zu erklimmen.

 

Ist es denn ein Vorteil, zunächst in der Römerhalle anzutreten?

Fetzer: Für mich ganz persönlich ist das schnuppe. Die Städte liegen nicht weit auseinander, in beiden Kämpfen kommen hoffentlich viele Fans mit. Ich hoffe, dass unsere Bude richtig voll sein wird. Mein Wunsch ist es, ein gutes Polster vorzulegen - und im Rückkampf die Emotionen gegen uns für uns zu verwerten. Ich sehe das immer als positiv an, in der Ferne ungeliebt zu sein. Das beflügelt mich.

 

Im Erfolgsfall wartet im Halbfinale mit hoher Wahrscheinlichkeit der deutsche Mannschaftsmeister Burghausen. Ist das die Endstation?

Fetzer: So pauschal sage ich das nicht, weil auch Burghausen immer mal schwächeln kann. Den Hinkampf würde ich als offen ansehen - und im Rückkampf, wo wir vielleicht etwas schwächer stehen, kann bei denen auch mal was passieren. Aber Burghausen sehe ich momentan als den absoluten Primus an. Sie sind variabel und flexibel ohne Ende, an denen führt kaum ein Weg vorbei.

 

Wie fällt denn Ihre persönliche Rundenbilanz aus?

Fetzer: Mit meiner Saison in 71 Kilo Griechisch-Römisch bin ich sehr zufrieden. Mich regt nur ein Kampf auf, und das ist jener gegen den Ungarn Mate Krasznai aus Aue. In den ersten Sekunden habe ich leider einen Armzug abgegeben, obwohl mich der Trainer noch gewarnt hat. Den Kampf gegen den Burghausener Matthias Maasch werte ich gar nicht, an dem Abend war alles so demotivierend, da war niemand auf der Höhe. Ansonsten habe ich sehr starke Leute besiegt.

 

Hat das daran gelegen, dass Sie wenige Blessuren zu verkraften hatten?

Fetzer: Es war die Quintessenz aus einer verletzungsfreien, starken Vorbereitung und meinem Training, das ich komplett umstrukturiert hatte - mit weniger Arbeit auf der Matte, dafür viel im Kraftbereich. Da habe ich sehr gut mit Patric Nuding zusammengearbeitet, der ja auch aus Aalen kommt. Das Mattentraining habe ich dann mit meinem langjährigen Trainer Anton Nuding gemacht, die glaube ich über sieben Ecken verwandt sind. Das lief gut Hand in Hand und hat sich alles prima ergänzt.

 

Sie sind ja auch erst fitte 35.

Fetzer: Na, von der Vorbereitung bis zu den Playoffs ist es jetzt schon ein extrem langer Zeitraum. Dazu bin ich einer, der immer kämpfen möchte - und in der Rückrunde bin ich nicht so im Einsatz gewesen. Da ist es mitunter schwierig, sich bei dem hohen Trainingseinsatz stetig zu motivieren. Aber ich weiß, dass ich ein sehr wichtiger Faktor für die Playoffs werden kann, da will ich mit meinem einen Punkt als Deutscher topfit sein. Es zeichnet mich glaube ich schon aus, dass ich mich auf den Punkt voll motivieren kann und ein Teamplayer bin. Solange ich gut mithalte, stecke ich auch nicht zurück.

 

Sie sind ein Publikumsliebling. Was bedeutet Ihnen das?

Fetzer: Das höre ich gerne, das ehrt mich und bedeutet mir auch etwas. Aber es gibt noch viele mehr, die das Publikum gern kämpfen sieht. Ich gebe mich einfach, wie ich bin. Mir macht es Spaß, deshalb gehe ich auch so emotional mit.

 

Es ist Ihre dritte Saison bei den Red Devils. Wie hat sich der Verein als Bundesligist denn entwickelt?

Fetzer: Wenn es rasant nach oben geht, muss man immer aufpassen, sich nicht zu übernehmen. Im ersten Bundesliga-Jahr waren die Red Devils gleich in den Playoffs und haben ein Ausrufezeichen gesetzt. Dass es im zweiten Jahr bis ins Finale geht, zeugt von einer guten Arbeit im Verein. In diesem Jahr sehe ich uns auf einem gleichen Level wie vergangene Saison - auf einzelnen Positionen haben wir uns sogar noch verstärkt. Schade ist, dass das Verletzungspech heftig zugeschlagen hat und wir in Heilbronn wenig Eigengewächse haben, die jetzt bereits Bundesliga-Niveau haben und mit minus zwei Punkten in das Handicap-System gehen. Dann wären wir noch viel flexibler.

 

Start am Samstag um 19.30 Uhr

In Riegelsberg sind am Samstagabend die Playoff-Viertelfinals ausgelost worden. Die Glücksfee hat Vizemeister Red Devils Heilbronn mit dem ASV Mainz 88 den Erstplatzierten der Staffel Nordwest beschert. "Sie stehen nicht umsonst auf Platz eins ihrer Gruppe. Beide Teams kennen sich von der vergangenen Saison her sehr gut und die Zuschauer dürfen sich auf zwei interessante Kämpfe freuen", sagt Red-Devil-Chefcoach Patric Nuding. Er hat die Mainzer einst trainiert.

Der Hinkampf findet am Samstag, 28. Dezember um 19.30 Uhr in der Neckargartacher Römerhalle statt. Für Samstag, 4. Januar 2020 ist der Rückkampf mit Stilartenwechsel in Mainz terminiert. Der Sieger trifft im Halbfinale auf den Gewinner zwischen TuS Adelhausen und dem Mannschaftsmeister SV Wacker Burghausen. Die weiteren Viertelfinals lauten KSV Witten - KSV Köllerbach und RKG Freiburg - SV Nackenheim. 

Zur Person

Christian Fetzer hat als Sechsjähriger mit dem Ringen begonnen, seine Eltern Marina und Walter unterstützen den Griechisch-Römisch-Spezialisten bis heute. Mit dem SVG Weingarten holt der Vize-Europameister von 2005 und mehrmalige nationale Meister, der mit Ehefrau Maike in Essingen wohnt und im Landratsamt Aalen arbeitet, den Team-Titel. Der 71-Kilo-Mann vertreibt nebenbei Ringerbedarf. 


Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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