Klatsche gegen den Meister

Ringen  Red Devils-Trainer Patric Nuding überrascht beim Kampf in Burghausen mit vier Umstellungen und lässt eine Klasse sogar unbesetzt. Nach der 0:23-Klatsche aber ist klar, dass die Taktik nicht aufging. Dennoch nehmen die Ringer auch Positives mit.

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Klatsche gegen den Meister

Auch George Bucur (hinten) punktete in Burghausen nicht. Es war seine erste Saison-Niederlage, nachdem er zuvor zwei Mal siegte.

Foto: Archiv/Mugler

Neun Kämpfe, neun Niederlagen und eine von den Red Devils unbesetzte Gewichtsklasse - der Bundesliga-Zweite der vergangenen Runde verlor beim Meister der zurückliegenden zwei Jahre, dem SV Wacker Burghausen, mit 0:23. In den beiden Finalkämpfen der Saison 2018/2019 hatten die Heilbronner zwei Mal nur hauchdünn mit 13:14 und 9:12 das Nachsehen. Knapp acht Monate später gab es am Samstagabend in Bayern eine deftige Klatsche, die das Team aus dem Unterland nach drei Wettbewerben mit 4:2 Punkten auf den vierten Platz abrutschen ließ.

"Wir haben drei Duelle mit nur einem Punkt Unterschied verloren, wobei Marius Braun bei seiner 2:3-Niederlage gegen Vize-Europameister Roland Schwarz erneut bewiesen hat, welch gute Form er aktuell hat", zieht Red-Devils-Ringerchef Jens Petzold das wenig Positive aus einem äußerst negativ verlaufenem Kampfabend. "Es gibt aber keine Entschuldigung, für uns war es ein rabenschwarzer Tag, ein Debakel und eine schallende Ohrfeige, aber auch eine Machtdemonstration von Burghausener Seite. Der Weg zur Meisterschaft geht erneut nur über den Titelverteidiger."

Nuding überrascht mit vier Umstellungen

Patric Nuding trat im rund 400 Kilometer entfernten Burghausen mit einer veränderten Aufstellung an. Ließ der Cheftrainer bei den Siegen in Hallbergmoos und gegen Greiz mit der identischen Aufstellung ringen, so überraschte Nuding beim abermaligen Titelfavoriten mit vier Umstellungen. Die WM-Teilnehmer Frank Stäbler (3. Platz) und Pascal Eisele waren erneut nicht dabei und mit Eigengewächs Eduard Popp fehlte diesmal ein weiterer Punktegarant aus der Griechisch-Römisch-Achse. Für den WM- und Olympia-Fünften im Schwergewicht kam Neuzugang Jan Zirn zum Einsatz. Mit Andre Timofeev (für Patrick Dublinowski), Levan Metreveli Vartanov (für Anatoli Buruian) und Sebastian Kolompar (für Dustin Scherf) kamen drei weitere Kadermitglieder zu ihrem ersten Einsatz.

Zu einem Sieg reichte es keinem der vier Premieren-Athleten. Aber auch George Bucur, Christian Fetzer, Haydar Yavuz, Fabian Fritz und Marius Braun schafften es nicht, die Null auf Seiten der Unterländer in einen positiven Wert umzuwandeln. Im Limit bis 80 Kilogramm kamen die Gastgeber im achten Duell kampflos zu vier Punkten, da die Roten Teufel aus der Römerhalle diese Gewichtsklasse aus taktischen Gründen unbesetzt ließen.

Der Aufstellungspoker geht nicht auf

Da jeder Ringer aufgrund seiner Erfolge, Nationalität und Verweildauer in Deutschland mit einem Punktewert versehen ist, der in der Addition aller Teammitglieder die Summe von 28 Zählern nicht überschreiten darf, verzichtete Nuding auf die Besetzung der 80er Klasse, da die restlichen neun Kämpfer bereits auf 28 Punkte kamen. Doch dieses Opfer im Aufstellungspoker, um andere Gewichtsklassen stärker besetzten zu können, verpuffte.

"Es war eine kalkulierte Niederlage, dass diese aber so deutlich ausfällt, hatten wir nicht erwartet", sagt Petzold. "Burghausen ist quasi in Bestbesetzung angetreten, wir haben dagegen mal etwas ausprobiert, auch um zu sehen, wie unsere Neuzugänge Zirn und Kolompar in Form sind und ihnen die Gelegenheit zu geben, eine Bindung zur Mannschaft aufzubauen." Auf einen Einsatz von Eduard Popp wurde bewusst verzichtet. "Nach einer anstrengende Weltmeisterschaft und zwei Bundesliga-Auftritten haben wir ihm ein paar Tage Ruhe zur Regeneration gegönnt."

Bei den Red Devils hofft man nun, dass die Mannschafts-Mitglieder ihre Lehren aus der deftigen Niederlage ziehen.

Lange Rückfahrt zum Nachdenken genutzt

"Jeder hat gesehen, dass eine Schippe draufgelegt werden muss, und das schon im Training, damit unter anderem die Kämpfe, die ganz knapp verloren wurden, beim nächsten Aufeinandertreffen positiv für uns gestaltet werden können", sagt Petzold. "Jeder hatte auf der längsten Rückfahrt der Bundesliga-Hauptrunde genügend Zeit, sich Gedanken zu machen, was er besser machen kann."


Schweigeminute

Am Donnerstag legten die Red Devils im Heimkampf gegen Greiz eine Schweigeminute für den verstorbenen ehemaligen Hausmeister der Albrecht-Dürer-Schule, Udo Heyd, ein. Die Sporthalle der Schule ist eine der Trainingsstätten der Ringer. "Er war ein großer Ringerfan und hat uns immer bestmöglich unterstützt", erzählt Red-Devils-Chef Jens Petzold. Heyd wurde am Freitag beerdigt. 


57 Freistil: Ahmet Peker - Levan Metreveli Vartanov 2:0 (PS 6:0), 61 Griechisch-Römisch: Andreas Maier - Sebastian Kolompar 1:0 (PS 3:2), 66 F: Cengizhan Erdogan - George Bucur 1:0 (PS 6:5), 71 GR: Matthias Maasch - Christian Fetzer 2:0 (PS 6:0), 75A F: Ali-Pasha Umarpashaev - Haydar Yavuz 3:0, (PS 12:3), 75B GR: Michael Widmayer - Fabian Fritz 3:0 (PS 8:0), 80 F, Kakhaber Khubezhty - Heilbronn ohne Vertreter, 4:0 (KL 0:0), 86 GR: Roland Schwarz, Marius Braun 1:0, (PS 3:2), 98 F: Erik Thiele - André Timofeev 4:0 (TÜ 16:0), 130 GR: Ramsin Azizsir - Jan Zirn 2:0 (PS 4:0).


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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