Frank Stäbler möchte zum EM-Start einen Schlussstrich ziehen

Ringen  Bei der Europameisterschaft in Rom möchte der Ausnahmeringer der Red Devils Heilbronn den zehrenden Dauerstreit mit seinem ehemaligen Verein aus Musberg vergessen.

Email

Frank Stäbler vor dem einstigen Hühnerstall auf dem elterlichen Hof. Das jetzige Worldcamp ist eine Reaktion auf den Streit um die Hallennutzung in Musberg.

Foto: dpa

Tausend Kilometer sind genug, um Abstand zu bekommen. Um Belastendes zu verdrängen. Gestern noch Musberg, heute Rom. Hier die Heimat mit dem Stuttgarter Flughafen in Sichtweite, dort der Ort, der für den nächsten sportlichen Erfolg stehen soll. Frank Stäbler zieht noch eine Einheit in der Kapitale durch, dann ist der 30-Jährige bereit für seine letzte Europameisterschaft. Ein Formtest auf dem Weg zu Olympia in Tokio, seinem ganz persönlichen Karriere-Finale auf internationalem Terrain. Der Griechisch-Römisch-Spezialist hat im Limit bis 72 Kilo gemeldet, der Kampf um Gold ist für Mittwoch angesetzt.

Stäbler ist stolz auf seine neue Trainingsstätte 

Vorbereitet hat sich Frank Stäbler mit der Nationalteam in Heidelberg. Parallel dazu werkeln die drei Musketiere, wie Stäbler seinen Vater Theo, Opa Klaus und den Familienfreund Uwe Krieg nennt, daheim. Auf dass die neue Trainingsstätte fertig wird. Ein Worldcamp für den dreimaligen Weltmeister und seine Ringerfreunde. Dort, wo in den Achtzigern noch hundert Hühner gackern. "Wir sind extrem stolz auf das, was wir hier geschaffen haben", sagt Stäbler über seine neue Trainingsstätte auf dem elterlichen Hof am Ortsrand des 5000-Seelen-Ortes.

Der Umbau des Hühnerstalls war nur Plan B

Dabei ist das alles gar nicht geplant. Zwar lässt sich Theo Stäbler schon vor vier Jahren den Umbau des Hühnerstalls genehmigen, doch das alles sei nur "Plan B gewesen", wie Frank Stäbler sagt.

Doch: Nach Jahren eines unschönen, zermürbenden und absurden Streits um Trainingszeiten in der städtischen Halle zwischen dem TSV Musberg und Frank Stäbler, der sich als KSV Musberg inzwischen mit einigen Ringern abgespalten hat, bleibt aus seiner Sicht nur dieser Weg. Weil es in dem bizarren Gezänke weiterhin keine Lösung gibt - aber mit Blick auf Olympia die Zeit immer knapper und damit wertvoller wird. Stäbler braucht Ruhe. Endlich. Für seine Seele. Und für die anstrengende Trainingsphase mit seinen Sparringspartnern, die er sich nach seinen Bedürfnissen weltweit sucht und zu sich einlädt.

Immer dicker werdende Dokumente des Zwists

Zu belastend sind für den Star der Red Devils Heilbronn inzwischen die hin- und hergehenden Vorwürfe, immer dicker werden die Dokumente des Zwists, die primär die Anwaltskosten in die Höhe treiben.

Was einst mit (finanziellen) Ungereimtheiten aus den Musberger Bundesligazeit beginnt, artet in eine unsägliche Fehde aus, in deren Fokus neben Frank Stäbler der Vorsitzende des TSV Musberg, Joachim Beckmann, steht. Ob anonyme Anzeigen, Beschuldigungen oder Unwahrheiten, "alle hatten die Schnauze voll", sagt Frank Stäbler. "Es geht um Macht und Geld." Daher hat er sich vor der EM von seiner alten Trainingsstätte verabschiedet. Ein emotionaler Gang.

Joachim Beckmann sei ein Alleinherrscher

"Ich war traurig, denn dort bin ich groß geworden", sagt Stäbler. Und doch hat er sich dort zuletzt wie ein Fremdkörper gefühlt, da nicht mehr erwünscht. "Ich hasse diesen Menschen nicht", sagt Frank Stäbler über Joachim Beckmann. Auch, weil dessen Frau in der Grundschule schließlich seine Lieblingslehrerin gewesen sei. Aber: "Er ist ein Alleinherrscher und hat etwa 60.000 Euro an Mitgliedsbeiträgen für einen persönlichen Kleinkrieg verwendet." Peng, das sitzt.

Joachim Beckmann erwidert auf Anfrage, nicht er würde die Regeln für die Hallennutzung festlegen, sondern die Stadt. Mehr noch meint der Funktionär gegenüber dpa: "Wir versuchen, eine sachliche Argumentation zu führen. Mir reicht es, beleidigt zu werden von allen möglichen Leuten." Frank Stäbler wird sich nicht mehr äußern. Sein Blick wandert voller Stolz durch sein neues Trainingsareal.

Stäbler spricht von einer Befreiung

Er zieht nun einen Schlussstrich unter das leidige Thema und sagt: "Dieser Tag ist eine Befreiung!"

Diese Woche werden noch die Kraft- und Fitnessgeräte wie die Wettkampfmatte geliefert. Kehrt er aus Rom zurück, steht ein Urlaub an - und dann die heiße Phase für Olympia. In seinem eigenen Reich.

 


Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

Kommentar hinzufügen