Ein Betzenberg-Teufel zieht in die Römerhölle

Ringen  Julian Reuter vom 1. FC Kaiserslautern übernimmt die Geschäftsstelle des Ringer-Bundesligisten Red Devils Heilbronn. Jens Petzold zieht sich langsam zurück.

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Staffelstab-Übergabe bei den Red Devils: Jens Petzold (links) zieht sich aus der Arbeit auf der Geschäftsstelle zurück. In der Verantwortung als hauptamtlicher Leiter steht ab sofort Julian Reuter.

Foto: Alexander Bertok

Das überraschende Aus im Playoff-Viertelfinale um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft gegen den ASV Mainz zu Jahresbeginn nagt noch immer an den Funktionären und Athleten der Red Devils Heilbronn. Es war eine geballte Ladung Pech, die den Siegeszug des letztjährigen Bundesliga-Vizemeisters jäh stoppte. Die Enttäuschung über den verpassten Halbfinaleinzug ist jedoch kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Im Gegenteil. Die Roten Teufel aus der Römerhölle, wie die Ringer ihre Kampfarena in der Neckargartacher Römerhalle liebevoll nennen, stecken bereits in den Personal-Planungen für die Saison 2020/2021. Auf der Führungsetage haben sich die Heilbronner bereits verstärkt.

Am Freitag wurde Julian Reuter als hauptamtlicher Leiter der Red-Devils-Geschäftsstelle vorgestellt. Dieser Arbeitsbereich wurde bisher von Ringer-Chef Jens Petzold mit verantwortet. Doch die zu bewältigenden Aufgaben werden mehr. Zu viel, um diese ehrenamtlich leisten zu können.

Petzold: Abteilung steht auf gesunden Füßen

"Ich habe in den vergangenen zehn Jahren versucht, die Ringer-Abteilung auf gesunde Füße zu stellen. Das ist mir gelungen", zieht Petzold eine positive Bilanz seiner Tätigkeit. "Wir stehen vor unserem vierten Jahr in der Bundesliga, die geschaffenen Strukturen müssen nun von einem professionellen Mitarbeiter übernommen werden. Ich selbst werde mich aus dem operativen Geschäft herausnehmen. Ich führe einen mittelständischen Handwerksbetrieb, um den gilt es sich künftig wieder verstärkt zu kümmern."

Julian Reuter bringt alle Voraussetzungen für das Amt mit. Und das nicht nur, weil seine berufliche Vergangenheit teuflisch gut zu seinem neuen Arbeitgeber passt. "Von den Roten Teufeln vom Betzenberg zu den Roten Teufeln aus der Römerhölle", grinst Petzold ob dieser passenden Wortspielerei. "Ich war in den vergangenen beiden Jahren beim 1. FC Kaiserslautern angestellt", erzählt Reuter. Beim ehemaligen deutschen Fußball-Meister und aktuellen Drittligisten war der 32-Jährige in der Abteilung Spielbetrieb und Sicherheit tätig.

Alles etwas kleiner als in Kaiserslautern

"Die Red Devils eröffnen mir die Chance, mich beruflich weiterzuentwickeln. Es macht Spaß, mit Leuten zu arbeiten, die ehrenamtlich ihr ganzes Herzblut in den Verein einbringen", erzählt Reuter. "Hier ist alles etwas kleiner im Vergleich zu Kaiserslautern. Aber es ist der familiäre Wohlfühlfaktor, der mich überzeugt hat. Die Region Heilbronn bietet sportlich wie wirtschaftlich viele Möglichkeiten." Den Sport und die heimische Wirtschaft zusammen zu bringen, ist eine der Aufgaben für den Geschäftsstellen-Leiter. Reuter unterliegt die Sponsoren-Gewinnung und -Betreuung. Er ist verantwortlich für die Ausrichtung der Heimkämpfe, die allgemeine Kostenplanung und soll zudem die Strukturen der Abteilung weiter optimieren.

"Wir hatten bisher mehr ein Gönner- als ein Sponsorentum. Das zu ändern, ist der Hauptjob von Julian. Er soll der Wirtschaft ein Bekenntnis zur Region und den Red Devils vermitteln, macht Petzold deutlich. "Dieses Ziel ist ambitioniert genug, da Ringen hinter Fußball, Handball oder Eishockey immer noch als Randsportart betrachtet wird."

Eigengewächs Eduard Popp ist ein Pfund

Und dabei haben die Red Devils viel zu bieten. "Vom Olympia-Fünften und Eigengewächs Eduard Popp bis hin zum dreimaligen Weltmeister Frank Stäbler", hebt Petzold hervor. "Wir haben Zuschauer, die ihre Familien mitbringen. Zu uns kommt der einfache Arbeiter wie auch der Unternehmer. Unsere Kampfabende haben schon etwas von einem gesellschaftlichen Highlight."

Seine Funktion als Abteilungsleiter der Ringer im SV Heilbronn am Leinbach führt Petzold weiter. "Aber nur noch ein Jahr, danach werde ich nur noch in beratender Funktion tätig sein, in einem noch zu gründenden Beirat", kündigt der Firmenchef weitere Veränderungen an. Diesen Beirat zu gründen, gehört ebenfalls zum Aufgabenbereich von Julian Reuter.

Die Red Devils stecken den Kopf nicht in den Sand. Der Blick in die Zukunft sorgt für Optimismus.


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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