Chancenloser Stäbler hofft zumindest auf WM-Bronze, Eisele klar geschlagen

Ringen  Bei den Weltmeisterschaften in Kasachstan scheitert Red-Devils-Punktegarant Pascal Eisele bereits in der Qualifikation, während Frank Stäbler nach einer Radikaldiät das ungewohnte Gefühl des Scheiterns verdauen muss. Eduard Popp startet an diesem Montag.

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Chancenloser Stäbler hofft zumindest auf WM-Bronze, Eisele klar geschlagen

Frank Stäblers leerer Blick lässt nach der klaren Niederlage gegen den Kubaner Ismael Borrero Molina nur erahnen, was ihm durch den Kopf schwirrt.

Fotos: dpa

Sein Blick geht ins Leere. Fassungslos hockt Frank Stäbler da. 0:11. Technische Unterlegenheit. Und das nach nur 1:38 Minuten. Chancenlos. Das ist er lange lange nicht mehr gewesen. Nicht er, der dreimalige Weltmeister vom KSV Musberg, der in der Bundesliga das Trikot der Red Devils trägt. Nach seiner bitteren Niederlage in der Klasse bis 67 Kilo gegen den agileren, clevereren und kaltschnäuzigeren Kubaner Ismael Borrero Molina schlurft Frank Stäbler tief enttäuscht von der Matte der Barys Arena in Nur-Sultan.

Dahin ist sein großer Traum vom vierten WM-Gold in Serie. Schon im Achtelfinale. "Es kann passieren, dass man so kalt erwischt wird", sagt Sportdirektor Jannis Zamanduridis. Bundestrainer Michael Carl meint: "Borrero ist schon eine Hausnummer in der Klasse." 2016 ist er Olympiasieger bis 59 Kilo geworden. Trost ist das für einen wie Frank Stäbler, der sich stets das Maximum abverlangt, nicht.

Kubaner ebnet Stäbler den Weg in die Hoffnungsrunde

Doch die Sache hat wenigstens ein Gutes: Der Kubaner steht an diesem Montag souverän im Finale. Das bedeutet, Frank Stäbler ist in die Hoffnungsrunde gerutscht. Erreicht er dort das Duell um Bronze, ist er bei Olympia in Tokio 2020 - sein letztes großes Ziel - dabei. Für sein Experiment ist Stäbler bereit, alles zu geben. Unvorstellbare Strapazen, die sich seit Wochen und Monaten hinziehen. Für eine extreme Diät hat sich der Vater der 16 Monate alten Alia Marie entschieden, da seine Gewichtsklasse aus dem olympischen Programm gestrichen worden ist. Weil Stäbler im Aufrücken in die nächst höhere Klasse keine Erfolgsaussichten sieht, hungert sich der Mann mit einem Körperfettanteil von nur acht Prozent herunter, nimmt knapp acht Kilo ab. Eine physische wie psychische Schinderei.

Für einen Kommentar ist FrankStäbler nach seiner Niederlage gegen Borrero Molina ob des tagelangen Nahrungs- und Wasserentzuges zu kaputt. Und weil er heute nochmals gewogen wird, darf er weiterhin nichts essen. "Das wird nochmal hart für ihn", sagt Jannis Zamanduridis mitfühlend.

Chancenloser Stäbler hofft zumindest auf WM-Bronze, Eisele klar geschlagen

Gezeichnet und geschlagen: In der Greco-Klasse bis 82 Kilo scheitert Pascal Eisele von den Red Devils im Qualifikationskampf fürs Hauptfeld am Russen Adlan Akiew.

Für Eisele ist die WM vorbei, noch ehe sie richtig begonnen hat

Für Pascal Eisele ist die WM zu Ende gewesen noch ehe sie richtig begonnen hat. Der für die Red Devils Heilbronn und für den SV Fahrenbach startende WM-Dritte von 2017 (bis 80 Kilo) scheitert am Samstag in der nichtolympischen Greco-Klasse bis 82 Kilo bereits in seinem Qualifikationskampf für das Hauptfeld. Der 26-jährige deutsche Meister unterliegt Adlan Akiew mit 0:7. Da der Russe im Viertelfinale Saeid Morad Abdvali (Iran) unterlliegt, bleibt Eisele auch der Umweg über die Hoffnungsrunde in die Medaillenränge verwehrt.

Spannend wird es an diesem Montag auch für das Red-Devils-Eigengewächs Eduard Popp. Der 28-jährige griechisch-römisch-Spezialist bestreitet im Schwergewicht seine Poolkämpfe. Minimalziel ist Platz fünf - und damit die direkte Olympia-Qualifikation. Doch das Mitglied der Bundeswehr-Sportfördergruppe in Bruchsal hofft auf mehr und will nach fünften Rängen bei der WM 2014 und 2018 wie bei Olympia 2016 endlich seine erste internationale Medaille gewinnen.

Popp geht ohne Verletzungen gestärkt auf die Matte

"Die WM ist mein erstes großes Turnier seit 2016, wo ich in der Vorbereitung nicht durch Verletzungen beeinträchtigt war", sagt Eduard Popp. "Die Zuversicht ist da. Akutell funktioniert viel, was in den vergangenen Jahren nicht funktioniert hat." Dass er bei der Generalprobe im August in Dortmund im Finale gegen den bis dahin fast unbekannten Finnen Konsta Mäenpää verloren hat, ist verarbeitet.

"Das war ein Unfall", meint Popp. Er sieht das Positive. "Ich habe die Erkenntnis gewonnen, jeden Gegner ernst zu nehmen und meine Körperspannung bis zum Schluss hochzuhalten."

 

Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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