Bogdan Eismont, Opfer eines Rechtsstreits

Ringen  Der Red-Devils-Veteran war in der DRB-Konkurrenzliga DRL für Ispringen im Einsatz und muss nun pausieren. Bis auf Weiteres verzichten die Heilbronner vorsichtshalber auf den 37-Jährigen.

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Bogdan Eismont, Opfer eines Rechtsstreits

Bogdan Eismont darf vorerst nicht mehr für die Red Devils Heilbronn auf die Matte.

Foto: Archiv/Berger

Bogdan Eismont war mit seinen Siegen in der vergangenen Saison einer der Punktelieferanten, die den Red Devils Heilbronn den Weg in das Finale um die deutsche Meisterschaft ebneten. In der Runde 2019/2020 gehört der Grecco-Spezialist erneut zum Kader der Bundesliga-Mannschaft, hilft aber auch bei der zweiten Mannschaft in der Landesklasse aus.

Bei nun aber weniger Einsatzmöglichkeiten auf höchster nationaler Ebene, entschloss sich Eismont, auch im DRB-Konkurrenzverband Deutsche Ringerliga für den KSV Ispringen an den Start zu gehen. Seine bisherigen zwei Einsätze für den KSV sind ihm nun im Rechtsstreit zwischen der DRL und dem Deutschen Ringer-Bund zum Verhängnis geworden. Bogdan Eismonts Sieg für die Red Devils II gegen Schorndorf II wurde aberkannt.

"Wir wussten um das Risiko, haben Bogdan gewarnt, es ihm aber nicht verboten", sagt Red-Devils-Chef Jens Petzold. Eismont wurde bewusst nur gegen Schorndorf eingesetzt, da gegen diesen Gegner eine Niederlage von vornherein eingeplant war. Aus einem 12:22 wurde so ein 8:26.

Juristischer Ringkampf zwischen den Verbänden

Der DRB wie auch der Ringer-Weltverband erkennen die 2016 gegründete Deutsche Ringerliga nicht an und drohten den Athleten, die im im DRB oder einer seiner Landesverbände sowie in der DRL an den Start gehen würden, mit Sanktionen. Die gerichtliche Auseinandersetzung der beiden Verbände hält bis heute an. Der Deutsche Ringer-Bund teilte am 28. Februar dieses Jahres mit, dass das Landgericht Nürnberg-Fürth in dem Rechtsstreit, den die DRL gegen den DRB und den Weltringerverband United World Wrestling (UWW) angestrengt hat, der Klage stattgegeben hat. Danach sind angedrohte oder ausgesprochene Verbands-Sanktionen des DRB wegen Teilnahme eines Ringers an Wettkämpfen der DRL unrechtmäßig. Aktuell wird vor dem Oberlandesgericht Nürnberg weiter verhandelt.

"Die Unsicherheit ist groß, wir befinden uns aktuell in einem rechtsleeren Raum", ärgert sich Jens Petzold. "Es fehlt eine aussagekräftige verbindliche Rechtsgrundlage." Die momentane Unklarheit nutzten deutschlandweit einige Athleten, um im Ligenbetrieb des Deutschen Ringerbundes wie auch in der Deutschen Ringerliga an den Start zu gehen. Trotz einer aktuell noch fehlenden Rechtsgrundlage setzt der DRB seine Androhung von Sanktionen in dieser Saison erstmals um. Die Vereine wurden im Vorfeld davon nicht unterrichtet. Vergangene Saison blieben die Doppelstarts noch ungesühnt.

Vorerst kein Einsatz mehr für Bogdan Eismont

In den Richtlinien des württembergischen Ringerverbands steht sinngemäß: Ein Doppelstartrecht im DRB oder der Landesorganisation sowie einem nicht genehmigten Sportbetrieb (wie die DRL) sei ausgeschlossen. Verstößt ein Ringer gegen diese Richtlinie, gilt der Kampf des Ringers im DRB oder in der Landesorganisation (in diesem Fall Württembergischer Ringerverband) als verloren. Der Athlet zählt in diesen Fällen nicht zur Mannschaft, alle vorangegangenen Kämpfe des Ringers aus der laufenden Saison werden gestrichen.

"Es herrscht ein heilloses Durcheinander", kritisiert Jens Petzold. "Wir werden Bogdan bis zu einer endgültigen Klärung nicht mehr einsetzen." Von Seiten des DRB war dahingehend keine verbindliche Aussage zu erhalten. "Es ist ein schwebendes Verfahren", teilte DRB-Vizepräsident Ralf Diener auf Nachfrage mit.

Ein Opfer der unklaren Rechtslage ist auch der AV Sulgen. Für den Regionalligisten ringt mit Valentin Lupu ein Athlet, der bis zur vergangenen Saison in Diensten der Red Devils stand. Auch die bisherigen Siege von Lupu in dieser Saison wurden Mitte vergangener Woche aus der Wertung genommen, da er für den ASV Nendingen in der DRL zum Einsatz kam.


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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