Bei der WM geht es für Eduard Popp nicht nur um Medaillen

Ringen  Eduard Popp von den Red Devils Heilbronn hofft bei der WM in Kasachstan mindestens auf Platz fünf. Das würde die Qualifikation für die olympischen Spiele 2020 bedeuten. Aussichtsreiche Konkurrenz ist allerdings reichlich vorhanden.

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Red-Devils-Eigengewächs Eduard Popp hat ein großes Ziel: Der deutsche Meister will sich bei der WM direkt für die Olympischen Spiele 2020 qualifizieren. Foto: Archiv/Veigel

Es ist der Höhepunkt des Sportjahres 2019. In Nur-Sultan (Kasachstan), dem ehemaligen Astana, kämpft die Weltelite der Ringer ab diesem Samstag um Weltmeisterschaftsehren. Mit dabei ist auch Schwergewichtler Eduard Popp.

Das Eigengewächs des Bundesligisten Red Devils Heilbronn hofft auf seine erste Medaille bei einer internationalen Meisterschaft. Doch es geht nicht nur um Gold, Silber oder Bronze. Die WM ist gleichzeitig die erste Qualifikations-Möglichkeit zu den Olympischen Spielen 2020 im japanischen Tokio.

Eduard Popp wäre eigentlich mal an der Reihe. Nach fünften Plätzen bei Olympia 2016, der EM 2016 und der Weltmeisterschaft 2018 stünde dem aktuellen deutschen Meister der Gewichtsklasse bis 130 Kilogramm im griechisch-römischen Stil eine Medaille gut zu Gesicht. "Ich würde mich diesmal aber auch über einen weiteren fünften Platz freuen", geht bei Popp der Blick schon längst nach Japan.

Die Athleten auf den WM-Rängen eins bis fünf sind automatisch für das Olympia-Spektakel in der japanischen Millionen-Metropole qualifiziert.

Vorolympisches Jahr verändert die Prioritäten

"Wir befinden uns in einem vorolympischen Jahr, da hat die Qualifikation zu den Spielen für mich persönlich den höheren Stellenwert", sagt Popp. "Aber ich bin natürlich auch auf eine Medaille fokussiert." Um das heiß begehrte Ticket zu ziehen, müsste Popp mindestens das Halbfinale oder über die Hoffnungsrunde den Kampf um Bronze erreichen. Edelmetall und Olympia-Nominierung, es wäre die perfekte Kombination und der bisher größte Erfolg in der Sportlerkarriere des 28-Jährigen.

Scheitert Popp, hat er nächstes Jahr im März und April auf zwei Qualifikationsturnieren nochmals die Chance, sich für sein zweites Olympia-Event zu qualifizieren. Eine Finalteilnahme wäre dann die Voraussetzung, um dieses ganz große Ziel erneut zu realisieren.

Schwergewichtler will beschwerlichen Umweg vermeiden

Diesen beschwerlichen Umweg will sich der Wahl-Neckarsulmer aber ersparen. "Das würde eine gezielte Olympia-Vorbereitung beeinträchtigen", sagt Popp. Auch will der Unterländer Vorzeigeringer den Druck vermeiden, den eine verpasste Direkt-Qualifikation bei der WM mit sich bringen würde.

"Es werden alle da sein, die Rang und Namen haben", erwartet "Eddi" in Nur-Sultan die komplette Weltelite. Der aktuelle Weltmeister Sergej Semenov aus Russland geht ebenso auf die Matte wie der dreimalige kubanische Weltmeister Mijan Lopez sowie Riza Kayaalb.

Der Türke ist mehrmaliger Europameister, gewann 2016 in Rio de Janeiro Olympia-Silber und war auch schon Weltmeister. "Was die Qualifikation für Japan betrifft, gibt es rund fünf weitere Konkurrenten, von denen jeder jeden besiegen kann", sagt Popp. "Aber meine Gewichtsklasse ist allgemein stärker geworden, es rücken einige talentierte Nachwuchsleute nach."

Auch Eisele und Stäbler sind dabei

Am Mittwochmittag ist Eduard Popp zusammen mit der Nationalmannschaft und seinen Red-Devils-Teamkollegen Pascal Eisele (80 Kilogramm) und Frank Stäbler (67 kg) von Frankfurt aus in die kasachische Hauptstadt geflogen. Die Poolkämpfe der rund 20 Schwergewichtler finden am Montag statt, die Medaillen werden am Dienstag vergeben. Die Zuversicht bei Popp auf ein erfolgreiches Abschneiden ist groß, auch weil im Vorfeld alles gepasst hat.

"Ich habe jetzt mehr als ein Jahr lang beschwerde- und verletzungsfrei trainieren können und bin so gut vorbereitet wie schon lange nicht mehr", ist bei dem Unterländer Sportler des Jahres 2016 die Vorfreude auf eine tolle Atmosphäre groß. "Wir ringen in einer großen Eishockey-Arena, und die wird mit Zuschauern voll besetzt sein, da Ringen in Osteuropa einen sehr hohen Stellenwert hat."

Ende des Monats startet dann die Bundesliga-Saison der Red Devils Heilbronn - vielleicht mit einem Olympia-Teilnehmer und bestenfalls WM-Medaillengewinner Eduard Popp.

 


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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