Red Devils kommen mit einem blauem Auge davon

Ringen  Zweiter der Ringer-Bundesliga ist beim 19:17-Erfolg in Greiz am Rande einer Niederlage. Teufel Dublinowski wird disqualifiziert und Ex-Europameister Pascal Eisele verliert erstmals seit Dezember 2017 wieder in der Liga.

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Red Devils kommen mit einem blauem Auge davon

Patryk Dublinowski wurde wegen Unsportlichkeit disqualifiziert.

Foto: Berger

Das hätte am Samstagabend für die Roten Teufel schiefgehen können. Im sechsten Mattenduell bescherte der Heilbronner Patryk Dublinowski dem RSV Rotation Greiz vier statt nur einen Mannschaftspunkt. Der Deutsch-Pole hatte gegen den Greizer EM-Zweiten von 2018, Martin Obst, 1:3 verloren, leistete sich aber eine Unsportlichkeit und wurde disqualifiziert. Statt 11:8 für den Vizemeister hieß es 11:11. So fiel erst im zehnten und letzten Kampf die Entscheidung zum 19:17 der Unterländer.

Ringrichterin den Vogel gezeigt

"Patryk hat der Ringrichterin den Vogel gezeigt, aber dabei mehr mit der Hand an die Stirn getippt. Das wurde als Unsportlichkeit gewertet und zieht eine Verhandlung nach sich. Ihm droht eine Sperre", klärt Heilbronns Ringer-Chef Jens Petzold auf. "Patryk hatte nicht erwartet dafür die Rote Karte zu sehen, das war etwas naiv. Er hat uns damit einen Bärendienst erwiesen." Der blieb in Greiz ohne Folgen, doch kann Dublinowski nächste Woche im Heimkampf gegen Meister Wacker Burghausen nicht eingesetzt werden. "Er könnte auch für zwei Kämpfe gesperrt werden", meint Petzold. "Schade, er hat gegen Obst richtig gut gerungen."

Trotz des Aussetzers von Dublinowski war es für die Heilbronner eine richtungsweisende Reise nach Thüringen. Der Dritte Greiz wurde auf fünf Punkte distanziert und der Vorsprung auf Schorndorf vergrößerte sich auf sechs Zähler, da der Aufsteiger bei Johannis Nürnberg mit 6:11 unterlag. Damit stehen die Red Devils vor den letzten fünf Kämpfen der Hauptrunde mit mehr als einem Bein in den Playoffs.

Bundesliga-Premiere für Macun

Die ersten fünf Duelle endeten in etwa, wie es zu erwarten war. Der erst 15-jährige Damian Macun feierte seine Bundesliga-Premiere, war gegen den georgischen WM-Teilnehmer Zurab Matcharshvili aber chancenlos und unterlag vorzeitig. Stefan Kehrer hatte gegen den WM-Dritten Magomedgadji Nurov mit 1:10 ebenfalls das Nachsehen. Greiz führte 7:0. Levan Metrevelli Vartanov, Jan Zirn und Christopher Kraemer drehten das Geschehen in eine Heilbronner 11:7-Pausenführung.

Nach Dublinowskis Disqualifikation brachte George Bucur die Devils per Überlegenheitssieg 15:11 in Front. Es folgte eine 2:6-Niederlage des deutschen Meisters Pascal Eisele gegen den moldawischen EM-Dritten Igor Besleaga. Für Eisele, der in der vergangenen Saison alle seine 13 Kämpe gewann und überragende 49 Mannschaftspunkte beisteuerte, war es die erste Niederlage seit dem 0:5 gegen den Ungarn Tamas Lörincz am 23. Dezember 2017. Neckargartach war da im Viertelfinale am späteren Meister Burghausen gescheitert.

Kämpfen wie die Steinböcke

"Besleaga hat so gerungen, wie es Pascal gar nicht mag", sagt Petzold. "Beide haben sechs Minuten gebolzt, sind aufeinander losgegangen wie Steinböcke. Pascal hat keine Mittel gefunden, den Gegner passiv zu stellen."

Beim Stand von 15:13 für Heilbronn gab nach Macun mit dem 18-jährigen Erik Obert ein weiteres Eigengewächs seine Bundesliga-Premiere für die Devils, unterlag jedoch vorzeitig 0:15 zum 17:15 der Gastgeber. Dass Haydar Yavuz im abschließenden Duell die Matte als Sieger verlassen würde, war klar. Es stellte sich nur die Frage, wie deutlich. Mit einem Mannschaftzähler zur 16:17-Niederlage, deren zwei zum Unentschieden oder mit drei, eventuell vier Punkten zum Sieg der Red Devils. Yavuz machte mit 16:1 vorzeitig alles klar und ließ die Heilbronner über einen 19:17-Erfolg jubeln.

"Wir gingen vor mehr als 1000 Fans durch die Hölle und sind mit einem blauen Auge davongekommen", sagt Petzold. "Dass es eng wird, war zu erwarten. Hätte mir nach dem Wiegen jemand erzählt, Heilbronn gewinnt mit einem Zähler oder zwei, hätte sich das sofort unterschrieben." Es ist nichts schiefgegangen, die Red Devils halten geradewegs Kurs auf die Playoffs.


57 kg GR: Z. Matcharashvili - Damian Macun 4:0 (TÜ 16:0), 61 kg F: Rasul Galamatov - Levan Metreveli Vartanov 0:4 (TÜ 0:15), 66 kg GR: Abdul Galamatov - Christopher Kraemer 0:4 (TÜ 4:19), 71 kg F: Joel Wrensch - George Bucur 0:4 (TÜ 0:15), 75kg A GR: Dawid Karecinski - Erik Obert 4:0 (TÜ 15:0), 75 kgB F: Daniel Sartakov - Haydar Yavuz (0:4) (TÜ 1:16), 80 kg GR: Igor Besleaga - Pascal Eisele 2:0 (PS 6:2), 86 kg F: Martin Obst - Patryk Dublinowski 4:0 (DQ 3:1), 98 kg GR: Thomas Leffler - Jan Zirn 0:3 (PS 2:12), 130 kg F: M. Nurov - Stefan Kehrer 3:0 (PS 10:1).


Alexander Bertok

Alexander Bertok

Autor

Alexander Bertok arbeitet seit 1980 bei der Heilbronner Stimme, ab 1996 in der Sportredaktion.

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