Olympioniken fahren heim - Japans Regierung in der Kritik

Tokio  Sayonara Japan. Die olympische Familie verlässt Tokio. Zurück bleiben die Sorgen der Gastgeber. Denn die zuletzt verschärfte Corona-Lage dauert an. Die Regierung steht kurz vor Wahlen in der Kritik. Doch zunächst warten die Paralympics.

Von Lars Nicolaysen, dpa
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Nach der Abschlussfeier geht es für die Athleten heim: Fahnenträger Ronald Rauhe (M) trägt die deutsche Fahne.

Nach Abschluss der Olympischen Spiele in Tokio haben Tausende Teilnehmer die Heimreise angetreten, während sich die Regierung des Gastgeber-Landes weiter vor gewaltigen Herausforderungen sieht.

Die japanische Tageszeitung «Asahi Shimbun», eine der Sponsoren der Spiele, verwies am Montag in einem Leitartikel auf die andauernde kritische Corona-Lage in Japan. Management-Fehler der Regierung von Regierungschef Yoshihide Suga und die «erzwungene Abhaltung der Olympischen Spiele markierten ein tiefes Misstrauen und eine Spaltung in der Gesellschaft». Dies zu beheben, sei «die größte Herausforderung, der sich die Politik stellen sollte».

Olympischer Orden auch für Premier Suga

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte nicht nur wie üblich Organisationschefin Seiko Hashimoto zum Ende mit dem olympischen Orden in Gold ausgezeichnet, sondern auch Premier Suga sowie Tokios Gouverneurin Yuriko Koike. In der Zeit der Corona-Pandemie habe das IOC die Unterstützung der japanischen Behörden benötigt und «immer darauf vertrauen» können, begründete IOC-Präsident Thomas Bach am Sonntag zum Abschluss der Spiele die Entscheidung.

Der Orden ist die höchste Auszeichnung der olympischen Bewegung. Während die japanischen Athletinnen und Athleten eine Rekordzahl an Gold-Medaillen eingefahren und für eine feierliche Stimmung angesichts der Pandemie gesorgt hätten, sei Suga weit von Gold entfernt, meinte dagegen die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

Kritik am Corona-Management der Regierung

Sugas politisches Schicksal stehe «auf dem Spiel». Letztlich hätten die Olympischen Spiele einen negativen Einfluss auf Suga gehabt, wurde Iwao Osaka, Professor für politische Kommunikation an der Komazawa-Universität, zitiert. Dass die Neuinfektionen während der Spiele sprunghaft angestiegen seien, sei für Sugas Regierung «politisch ein Misserfolg». Am Schlusstag der Spiele wurden 4066 Neuinfektionen in Tokio vermeldet und damit am fünften Tag in Folge mehr als 4000. Am Tag der Eröffnungsfeier waren es 1359 gewesen.

Proteste
Anti-Olympia-Demonstranten in der Nähe des Nationalstadions vor der Abschlussfeier.

Die eigentlich für 2020 geplanten Tokio-Spiele waren wegen der Corona-Krise um ein Jahr verschoben worden. Trotz großen Widerstands in der japanischen Bevölkerung und steigender Infektionszahlen hatten die Olympia-Macher an der Austragung des Spektakels festgehalten. Zuschauer blieben von den Wettkampfstätten in Tokio ausgeschlossen.

Viele Experten in Japan werfen der Regierung Suga vor, es versäumt zu haben, während der Olympischen Spiele der Bevölkerung ein Krisenbewusstsein zu vermitteln. Als Folge seien die Infektionszahlen angesichts der Ausbreitung der Delta-Variante des Virus rasant gestiegen. «Das Vertrauen der Menschen in die Regierung ist gesunken», sagte der Politologe Yu Uchiyama der Universität Tokio.

Paralympics mit Zuschauern?

Gespannt wird in Japan jetzt nach Abschluss der Spiele abgewartet, ob die Paralympics anders als die Olympischen Spiele mit Zuschauern stattfinden können - wenn sie denn überhaupt stattfinden können. Wie der Fernsehsender NHK am Montag berichtete, war ein Teilnehmer aus Ghana in der Nacht zum Montag am Flughafen positiv auf das Coronavirus getestet worden.

Sugas Amtszeit als Chef seiner Liberaldemokratischen Partei (LDP) endet am 30. September, also kurz nach den Paralympics. Spätestens am 21. Oktober stehen Wahlen zum mächtigen Unterhaus des nationalen Parlaments an. Politische Beobachter in Japan rechnen damit, dass die LDP bei der Wahl zwar Sitze einbüßen wird. Doch halten sie es angesichts der Zersplitterung der Opposition und der allgemeinen politischen Apathie bei den Wähler für unwahrscheinlich, dass sie die Mehrheit im Unterhaus zusammen mit ihrem kleineren buddhistischen Koalitionspartner Komeito einbüßen wird. Auch halten es manche für möglich, dass die LDP Suga aus Mangel an Alternativen im Amt lässt.

 

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