Daumendrücken hilft nicht

Ringen  Eduard Popp scheitert im Viertelfinale am viermaligen Weltmeister Kayaalp aus der Türkei. Auch die Chance auf die Hoffnungsrunde ist für den Ringer der Red Devils Heilbronn dahin.

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Mit 2:0 besiegt Schwergewichtler Eduard Popp (oben) der Nacht den unangenehmen Brasilianer Eduard Soghomonyan, der in Armenien geboren ist.

Foto: dpa

Zuzusehen ist grausam. Still auf der Tribüne der Makuhari-Messehalle zu sitzen und nichts tun zu dürfen. Außer hoffen. Denn verhindern geht nicht, einzig akzeptieren, was auf der Matte passiert. Schwergewichtiger als dort geht es nicht - im doppelten Sinne. Riza Kayaalp gegen Mijain Lopez Nunez. Zwei Ausnahmeringer. Zwei Größen in der Klasse bis 130 Kilo. Zwei Kraftprotze, die seit 15 Jahren die Szenerie im griechisch-römischen Stil dominieren. Der Türke und der Kubaner entscheiden über den olympischen Sonntag des Eduard Popp in Tokio.

Er endet mit einem 2:0-Erfolg des Kubaners, der sich auf sein Herz klopft und seinen Kontrahenten auf die Stirn küsst. Am Montag (13.30 Uhr) kann er Außergewöhnliches schaffen: seinen vierten Olympiasieg. Mit knapp 39 Jahren. Es wäre einzigartig in diesem Sport, noch nie hat ein Mann das geschafft. Riza Kayaalp steht in der Hoffnungsrunde. Die bittere Konsequenz für Eduard Popp: Er ist raus. Ausgeschieden im Viertelfinale.

In Tokio ist seine Chance auf die Hoffnungsrunde dahin

"Ich bin dabei, das zu verarbeiten", sagt Eduard Popp. Der 30-Jährige von den Red Devils Heilbronn hat es geahnt. Riza Kayaalp, dem er Stunden zuvor bei seiner 2:6-Niederlage aggressiv und agil weit näher auf den massigen Leib gerückt ist, als noch vor fünf Jahren bei seinem Olympia-Debüt in Rio. Dort unterliegt Popp ihm 0:8. In Tokio aber ist seine Chance auf die Hoffnungsrunde dahin. Endgültig. "Zu den Top acht der Welt zu gehören und überhaupt hier zu sein, ist etwas ganz Besonderes", sagt er. Der Ehrgeiz und Wunsch, doch mehr herauszuholen, schwingt in jedem seiner Worte mit.

Der Mann aus Möckmühl ist ein gläubiger Mensch, daher würde es ihm nie in den Sinn kommen, andere Mächte für diese ungünstige Konstellation verantwortlich zu machen. Fair erkennt er an, dass Auslosungen im Ringen ein unabänderlicher Fakt sind und sagt: "Es ist keine gute Ausgangslage gewesen, dass beide Topleute in meinem Pool waren. Das wünscht man sich nicht, aber man kann es sich nicht aussuchen. Nun ist es so. Es war ein gutes Turnier."

Die Vorbereitung, die Anpassung in Japan: alles passt

Die Bundesliga-Stütze der Heilbronner hat aus seinem Körper herausgeholt, was machbar ist. "Ich bin in Topform aufgelaufen, fühle mich auch jetzt noch gut", sagt Eduard Popp. Die Vorbereitung, die Anpassung in Japan, alles passt. Auch das Ergebnis zum Auftakt gegen den unangenehmen Brasilianer Eduard Soghomonyan: 2:0 gegen den 31-Jährigen, der in Armenien geboren ist und wie in Rio in Runde eins rausfliegt. "Das ist sicher gewesen", sagt Popp und hat zu diesem Zeitpunkt schon einen anderen Namen im Hinterkopf: Riza Kayaalp.

Taktisch ist der Sportsoldat von Bundestrainer Michael Carle auf diese dynamische Kraftmaschine gut eingestellt. Beide kennen diesen bulligen Türken, der in London Silber bejubelt, in Rio Bronze gewinnt und neun EM-Titel feiert. Eduard Popp stellt sich mutig gegen ihn - und wird dann doch in der Bodenlage von dem 31-Jährigen erwischt. "Er hat den Durchdreher auf eine Seite gemacht, auf die ich weniger geachtet habe." Doch auch der EM-Dritte Popp nimmt Kayaalp eine Wertung ab, aus der gut und gerne hätte mehr werden können. Bis hin zum Schultersieg. Doch der Kontrahent flüchtet sich clever ins Aus.

Es war ein starker und offener Kampf

Das Fazit des Eduard Popp, der seit Jahren von der Sporthilfe Unterland gefördert wird: "Es war ein starker und offener Kampf, auch im Stand, wo Riza Kayaalp keine Punkte gemacht hat. Das hat er sich sicher auch etwas anders vorgestellt."

Am Sonntagabend in Tokio beäugt Eduard Popp intensiv zwei "bewundernswerte Athleten". Seine innige Hoffnung aber, noch einmal in das olympische Turnier eingreifen zu dürfen, platzt. Meinung "Weitermachen"

Viel Verzicht

In der letzten Phase vor den Olympischen Spielen in Tokio hat Eduard Popp immer wieder gemerkt, wie schwer es seinen Kindern Jakob und Lilien fällt auf ihren Papa zu verzichten. Ständig ist er weg. Im Trainingslager. Beim internationalen Turnier. Oder über Nacht im Stützpunkt in Heidelberg. "Für sie ist es hart, vor allem Jakob kommt in ein Alter, wo er es immer mehr realisiert." Dieses eine Jahr längere Vorbereitung, das durch die Verschiebung der Spiele entsteht, "das war schon viel". Für alle. Daher ist nach Popps Rückkehr Zeit für eine Pause. Der Familienurlaub ist schon gebucht. 

 

Stefanie Wahl

Stefanie Wahl

Leiterin der Sportredaktion

Sport bedeutet mehr als Sieg und Niederlage: Seit 2005 leitet Stefanie Wahl das Ressort bei der Stimme. Die ehemalige Leichtathletin beschäftigt sich mit Wintersport und fungiert seit 2007 als Geschäftsführerin der Sporthilfe Unterland e.V.

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