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London (dpa)
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Veteran Jowtschew mit fast 40 im Ringe-Finale

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Die Zuschauer tobten auf den Rängen, die Turn-Kameraden rannten auf ihn zu und feierten ihn wie einen Olympiasieger. Jordan Jowtschew hat in London Turngeschichte geschrieben. Mit fast 40 Jahren qualifizierte sich der Bulgare für das Ringefinale am kommenden Montag.

Von Frank Thomas, dpa
Für Jordan Jowtschew ist es bereits die sechste Olympia-Teilnahme. Foto: Andrew Gombert
Für Jordan Jowtschew ist es bereits die sechste Olympia-Teilnahme. Foto: Andrew Gombert

«Das ist der Wahnsinn. Wie er das körperlich noch in die Reihe bekommt, ist wirklich unfassbar. Ich habe größte Hochachtung vor ihm», meinte Ex-Weltmeister Sylvio Kroll, der 1988 mit dem Team der DDR die letzte Mannschaftsmedaille deutschen Turner miterkämpfte und dabei noch selbst gegen Jowtschew antrat. Mit der Teilnahme an seinen sechsten Olympischen Spielen hat der Bulgare genau wie Oksana Chusovitina einen Turn-Rekord aufgestellt.

«Ich turne weiter, weil ich dem bulgarischen Verband helfen will», sagte der Mann mit dem Kurzhaarschnitt, nachdem er durch viele Verletzungen gehandicapt schon mehrfach den Abschied verkündet hatte. Doch seit 2009 ist er Präsident des bulgarischen Verbandes, und so sieht er die Dinge auch aus Sicht des Funktionärs. «Ich helfe, dem Verband das Überleben zu sichern. So lange wir einen Turner bei Olympia dabei haben, bekommen wir Geld für einen Cheftrainer, Doktoren und Physiotherapeuten. Bleiben die Erfolge aus, gibt es kaum noch Geld», meint der turnende Präsident, der für die größten Schlagzeilen in der Weltpresse allerdings außerhalb der Turnhallen sorgte. Nach den Spielen 1996 in Atlanta blieb er in den USA und schlug sich mehrere Jahre als Honorar-Trainer durch.

Um sich in London seine Hoffnung an den Ringen erfüllen zu können, musste er sich im hohen Alter noch einmal richtig quälen. Bei der zweiten Olympia-Qualifikation im Januar musste er einen kompletten Sechskampf bestreiten - vielleicht den letzten in seiner nun schon 35 Jahre währenden Sportlerlaufbahn, in der er alles gewann, nur kein Olympia-Gold. «Es tut weh, dass ich nie bei Olympia ganz vorn war. Und trotz des Finaleinzugs tendieren meine Chancen auch im sechsten Anlauf gegen Null. Aber ich bin ja auch nicht hier, um Gold zu gewinnen, sondern um Spaß zu haben», sagte Jowtschew.

Silber an den Ringen 2004 und insgesamt drei Bronzemedaillen in Sydney und Athen waren bislang seine olympischen Highlights. Insgesamt sammelte er 26 internationale Plaketten, darunter je zwei WM-Titel an den Ringen und am Boden. Nicht weniger als 13 WM-Medaillen stehen für den Veteran der Turnszene zu Buche.

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