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Peking (dpa)

Zoff zwischen Pfeilschifter und Bundestrainer

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Nach der erneuten Olympia-Pleite von Sonja Pfeilschifter gibt es Zoff mit Bundestrainer Claus-Dieter Roth. Der enttäuschende 17. Platz für die Weltrekordlerin und Weltranglisten-Erste im KK-Dreistellungskampf verhagelte dem Coach die Stimmung.

Von Uwe Jentzsch, dpa
Sonja Pfeilschifter entspannt zwischen den Schüssen.
Sonja Pfeilschifter entspannt zwischen den Schüssen.

Roth mahnte ein Ende der separaten Vorbereitung abseits der Mannschaft an. «Die Strategie, sich abzukapseln, war wohl nicht so gut. Ihr Ergebnis nach guten Trainingsleistungen war unter der Gürtellinie. Es gab jetzt genug Extrawürste. Die letzte ist verbrannt», sagte er. Wenn es nach ihm gehe, müsse auch die Weltranglisten-Erste einen Weg zurück ins Team finden.

In der Vorbereitung auf Peking hatte Pfeilschifter mit ihrem Münchner Heimtrainer Hubert Bichler abseits der Mannschaft gearbeitet. Mit dem Deutschen Schützenbund war abgestimmt, dass Bichler eine Vereinbarung mit den österreichischen Schützen als Olympia-Trainer traf - so war das «Team Pfeilschifter» auch in Peking zusammen.

«Der Bundestrainer hat hier fünf Tage lang kein Wort mit mir gesprochen. Der kann sagen, was er will. Dass er jetzt die Schuld auf andere abwälzt, ist genau das, was ich erwartet habe. Es ist das Letzte, dass er jetzt seinen Frust an uns ablässt, weil sein Stuhl wackelt», sagte Pfeilschifter, wie ein Häufchen Unglück auf der Treppe hockend, unter Tränen zu Roths Aussagen. Sie wisse, woran ihr erneutes Olympia-Versagen liege. Sie bekäme bei den Spielen einfach nicht den Kopf frei. Nur das sei der Grund.

«Da braucht der Bundestrainer keinen Sprüche 'rüberwachsen zu lassen. Wenn es wie zuletzt bei meinen vier Weltcupsiegen klappt, sonnt er sich im Erfolg. Doch die Siege sind auf den Rücken anderer Leute gewachsen», bemerkte sie. Die Arbeit würden die Heimtrainer machen, die dann nicht mal erwähnt oder dafür honoriert würden. «Er ist doch nur auf Meisterschaften mit uns zusammen», kritisierte die bayerische Sportsoldatin und legte sich danach selbst einen Maulkorb an.

Sie fände das alles «zum Kotzen» und meinte: «Ich darf nicht mehr sagen, auch wenn ich es so gern täte, weil auch andere so denken. Da kann mir wenigstens niemand ans Bein pinkeln», meinte die gefrustete Rand-Münchnerin. Die Frage, ob sie einen anderen Bundestrainer fordere, ließ sie unbeantwortet. Eines sei ihr aber klar: Jetzt wolle sie auf jeden Fall Olympia 2012 in London angehen. «Nach den Vorwürfen erst Recht. Das motiviert mich», kündigte sie an.

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