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Peking (dpa)
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Die Auferstehung des Marcus Thätner

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Der Einzug ins olympische Dorf kam ihm wie ein Geburtstag vor, sein erster olympischer Ringkampf wird der Höhepunkt der Karriere von Marcus Thätner. Denn noch vor vier Monaten war Peking für ihn kein Thema.

Von Gerald Fritsche, dpa
Marcus Thätner jubelt bei den Europameisterschaften 2007 in Sofia.
Marcus Thätner jubelt bei den Europameisterschaften 2007 in Sofia.

Viel wahrscheinlicher schien das frühe Karriereende für den 22-Jährigen aus Frankfurt/Oder. Bei den Europameisterschaften im finnischen Tampere Anfang April erlitt Thätner gleich in seinem Auftaktkampf im griechisch-römischen Stil gegen den WM-Zweiten Steve Guinot (Frankreich) das überaus gefährliche und heimtückische Compartment-Syndrom. «Der Muskel läuft dabei voller Flüssigkeit, die nicht mehr abtransportiert werden kann. Muskelzellen und Gefäße werden quasi zerdrückt», beschreibt Bundestrainer Maik Bullmann das Geschehen. Thätners Unterschenkel konnte nur durch eine Notoperation in der Universitätsklinik Tampere gerettet werden. Zwei lange Narben zieren seither das Bein des Sportsoldaten, die er, wenn möglich, unter langen Kniestrümpfen zu verbergen versucht. «Meine Gegner wissen doch, dass ich verletzt war, da muss ich die Wade schon etwas schützen.»

Dass Thätner nur sechs Wochen später im serbischen Novi Sad um die Olympia-Tickets ringen konnte, grenzte an ein Wunder. Gegen Weltklasse-Athleten kämpfte er sich durch und holte den Startplatz für den Deutschen Ringerbund (DRB). «Es ist alles gut gegangen, es haben sehr viele Freunde, Ärzte, Trainer, Physiotherapeuten, aber auch meine Familie und Trainingskameraden mitgeholfen, dass ich in Novi Sad überhaupt an den Start gehen konnte», bedankte sich Thätner bei seinem Umfeld. Er selbst kämpfte täglich mindestens acht Stunden, um wieder seinen Fitnesszustand herzustellen. Am Mittwoch will er nun mit starken Leistungen auf der Matte das Geschehen von Tampere endgültig vergessen machen.

Unterstützt wird er dabei von Konstantin Schneider. Der Köllerbacher hofft, dass sein Auftritt in Peking kein Glücksspiel wird. Von Beruf ist Schneider Croupier in der Spielbank Saarbrücken. Er war in den vergangenen Monaten aber zu 75 Prozent freigestellt, um bestens vorbereitet zu den Olympischen Spielen zu reisen. Dass er dort den Schulanfang seines Sohnes verpasst, ist für den Familienmenschen bedauerlich. Andererseits dürfte es für den 33- Jährigen die letzte Chance sein, seine Karriere mit olympischem Edelmetall zu krönen. «Ich bin gut vorbereitet und kann jeden besiegen», sagte der «Klassiker» zuversichtlich.

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