Schlecht wie 1928: Springreiter enttäuschen

London (dpa)  Als der Schweizer Springreiter Steve Guerdat in London sein Gold mit einer Ehrenrunde auf Nino feierte, sahen die Deutschen mit versteinerten Mienen erneut nur zu. Platz zwölf für Marcus Ehning im Einzel nach Rang zehn mit der Mannschaft wirkten niederschmetternd.

Von Michael Rossmann, dpa
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Auch Marcus Ehning konnte keine weitere Medaille für die deutschen Reiter holen. Foto: Jochen Luebke

«Das ist bitter und hart für uns», kommentierte Bundestrainer Otto Becker das schlechteste deutsche Olympia-Ergebnis seit 84 Jahren. «Die große Hoffnung ist leider zerplatzt», sagte Verbands-Präsident Breido Graf zu Rantzau: «Heute bin ich nur traurig.»

Bis zum vorletzten Ritt der zweiten Runde des Einzel-Finales durfte im Greenwich Park das deutsche Team noch auf eine Medaille hoffen, sogar Gold war möglich. Aber dann fielen bei Ehnings Ritt mit Plot Blue die Stangen, ein Zeitfehler kam dazu. Meredith Michaels-Beerbaum aus Thedinghausen war auf Bella Donna schon nach dem ersten Umlauf mit acht Strafpunkten ausgeschieden.

«Das ist verdammt ärgerlich. So nah kommt man selten dran. Das werde ich wohl erst in einigen Tagen richtig realisieren», sagte der Mannschafts-Olympiasieger von 2000. «Nach dem ersten Fehler war klar, dass es nichts mehr wird, da habe ich den Kopf ein bisschen hängen lassen», erklärte der 38-Jährige aus Borken. «Da war die Konzentration dann weg.»

Dabei hatte das frühe Ausscheiden im Mannschaftswettbewerb schon vor dem Einzel-Finale für schlechte Stimmung gesorgt. «Wut wäre das falsche Wort», sagte Ehning zu dem zehnten Platz nach dem Aus in der ersten Runde: «Da ist einfach einiges schlecht gelaufen.» Ähnlich schwach war die Bilanz zuletzt 1928 in Amsterdam.

Während die Deutschen nach Erklärungen sichten, bejubelte der 30-jährige Schweizer Steve Guerdat Gold, der mit Nino als einziger Starter zwei fehlerfreie Runden ritt. Silber sicherte sich im Stechen der Niederländer Gerco Schröder mit London gegen den Iren Cian O'Connor auf Blue Loyd.

«Das war schade», sagte Bundestrainer Becker, nachdem auch mit Ehnings Schluss-Ritt die letzte Medaillen-Hoffnung gestorben war. Zum zweiten Mal nacheinander blieben die zuletzt bei Welt- und Europameisterschaften so erfolgreichen deutschen Springreiter ohne olympisches Edelmetall. «Insgesamt war das sehr enttäuschend», meinte Becker. «Wir hatten uns ganz klar mehr erhofft.»

Seine Zukunft als Bundestrainer ließ der 53-Jährige aus Sendenhorst nach dem zweiten Tiefschlag innerhalb von drei Tagen weiter offen. «Davon mache ich das nicht abhängig», sagte Becker. Der Verband will trotzdem mit ihm weitermachen. «Die Trainer haben trotzdem gute Arbeit gemacht», sagte der Verbands-Präsident.

Eine Generalkritik hält Rantzau nicht für notwendig. «Unser Pferde sind hier nicht schlecht gegangen», sagte der FN-Präsident: «Wir haben inzwischen einfach immer mehr Konkurrenz, und wir haben hier auch kein Glück gehabt.»

Dabei hatte es am Mittwoch nach dem ersten Teil des Einzel-Finals noch gut ausgesehen für Ehning. «Das war eine Super-Runde», lobte Becker den fehlerfreien Ritt.

Bereits in der ersten Runde des Einzels war Meredith Michaels-Beerbaum aus Thedinghausen ausgeschieden, die mit Bella Donna acht Strafpunkte kassierte. Sie war dennoch nicht unzufrieden mit ihrer Stute. «Sie ist erst neun. Der Tank war nicht total leer, aber sie hatte nicht mehr die letzte Frische.» Die Reiterin hatte ursprünglich gar nicht mit Olympia geplant und war erst nach mehreren Ausfällen im letzten Moment in die Mannschaft gerutscht.


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