Neckarsulm belohnt sich nicht für fulminante Aufholjagd

Handball  Dämpfer in Leverkusen: Sport-Union verpasst den erhofften fünften Bundesliga-Sieg in Serie und fällt auf den sechsten Tabellenplatz zurück.

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Unsanft gestoppt: Die Leverkusenerinnen um Jennifer Kämpf (links) machten Chantal Wick und den Neckarsulmerinnen das Leben im Angriff schwer.

Foto: imago-images/Beautiful Sports

Am Ende ging der Kopf dann doch nach unten. Mit gesenktem, leerem Blick trotteten die Neckarsulmerinnen durch die Ostermann-Arena. Abgekämpft. Unglücklich. Geschlagen.

"Wenn du aus minus sechs plus eins machst - das Spiel drehst und trotzdem verlierst, dann ist das einfach bitter. Das kostet unglaublich viel Kraft", sagte NSU-Trainerin Tanja Logvin am Sonntagabend auf der Heimfahrt von Leverkusen.

Die erhofften Bundesliga-Punkte waren nach einem 28:30 (13:16) nicht im Gepäck. Weil "wir es in der ersten Hälfte selbst verkackt haben", fand Logvin klare Worte und war "trotzdem positiv".

Ein Pfostentreffer und seine Folgen

Denn zumindest einen beachtlichen moralischen Erfolg hatte ihre Mannschaft errungen. Wieder einmal. Mit einer aufopferungsvollen Aufholjagd. Als die überragende NSU-Spielmacherin Lynn Knippenborg in der 44. Minute zum 22:21 traf und damit erstmals seit dem 3:2 wieder für eine Führung ihrer Sport-Union gesorgt hatte, schien alles in die Richtung des Gastes zu laufen. Bayer verlor Ball um Ball, die Neckarsulmerinnen machten Tor um Tor. Doch dann knallte es.

Statt in den Leverkusener Kasten zum 23:21 traf Kreisläuferin Jill Kooij nur das Gehäuse. Für ihre Trainerin die entscheidenden Zentimeter: "Wenn der reingeht, kommt Leverkusen nicht mehr zurück."

Kretzschmars unglückliche Schlussminuten

Doch der Zwei-Tore-Vorsprung wollte den Neckarsulmerinnen in der Schlussviertelstunde einfach nicht gelingen. Stattdessen schaffte Bayer immer wieder den Ausgleich. Und ging in der 57. Minute mit dem 28:27 erstmals wieder in Front. Auch als Tanja Logvin 100 Sekunden vor der Schlusssirene zur Auszeit griff, lagen die Leverkusenerinnen mit einem Treffer vorn. Der besprochene Weg zum Ausgleich misslang, Lucie-Marie Kretzschmars Wurf landete im Bayer-Block statt im Tor.

Auch als der Neckarsulmer Youngster direkt im Anschluss nach einem Leverkusener Stolperer erneut am Ball war, fand ihr Gegenstoß-Pass keine Mit- sondern eine Gegenspielerin. Nach einer Bayer-Auszeit machten die Leverkusenerinnen den Sack dann zu.

Kritik an Kretzschmar ließ Logvin aber nicht zu: "Es gibt gar keinen Vorwurf. Klar waren das am Ende zwei Fehler wegen Müdigkeit. Aber sie hat ein verflucht gutes Spiel gemacht und die Mannschaft vorher absolut mitgerissen."

Ganz schwache erste 30 Minuten der Gäste

Tatsächlich war es die 20-Jährige gewesen, die eine mäßige erste NSU-Hälfte letztlich noch recht versöhnlich enden ließ. Nach 16 Minuten und einem 5:11-Rückstand bremste sie als Spitze der umformierten 5:1-Deckung den Leverkusener Offensiv-Fluss. Auch im Neckarsulmer Angriff war sie neben Regisseurin Knippenborg mit hundertprozentiger Wurfquote bei fünf Treffern treibende Kraft.

Ansonsten gab es über den Großteil von Neckarsulms ersten 30 Minuten nur wenig Positives zu sagen. Kein Tempo, kein Feuer - keine Chance. Bayer war besser. Und Neckarsulm mit dem 13:16-Pausenrückstand noch bestens bedient. Die etatmäßigen Halben Carmen Moser und Irene Espinola Perez waren in der Abteilung Attacke nahe an der Kapitulation. Kooij kam am Kreis kaum ins Spiel und die Außen waren ebenfalls abgemeldet. Es ging nahezu nichts bei den Gästen.

Favoritenrolle ist manchmal noch ungewohnt

Allein dem Neckarsulmer Unvermögen waren die Zwischenstände 3:6 (10.), 8:14 (23.) und 11:16 (28.) aber nicht geschuldet. Leverkusen hielt hinten von Anfang an knüppelhart dagegen und war bestens auf den erstarkten Gast eingestellt, der erstmals überhaupt als Favorit angereist war.

"Es ist ein Lernprozess. Und wir müssen lernen, immer von Anfang an da zu sein. Denn die Gegner sind es jetzt, sehen uns als Favorit und sind sofort bereit zu kämpfen", betonte Logvin und monierte: "Wir sind zuerst nur mitgelaufen und haben gedacht, es wird schon irgendwie klappen. Natürlich haben wir jetzt ein gewisses Niveau erreicht, aber das müssen wir jedes Mal bestätigen."

Des starken Willens wegen, fiel es aber zumindest der NSU-Trainerin nicht allzu schwer, denn Kopf trotz des bitteren Abends und dem verpassten Lohn für eine aufopferungsvoller Aufholjagd schnell wieder nach oben zu nehmen.

 

Stenogramm:
Neckarsulmer SU: Gois (2 Paraden), Wachter (12) - Kalmbach (2 Tore), Senvald, Hendrikse (3), Knippenborg (10/3), Wick, Espinola Perez (3), Kooij (2), Nieuwenweg (1), Kretzschmar (6), Moser (1).
Beste Schützinnen TSV Bayer Leverkusen: Huber (8/4), Sprengers (5).
Siebenmeter: TSV 4/4, NSU 3/3.
Zeitstrafen: 1/2.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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