Wie viel Heimvorteil hat Neckarsulm beim ersten Spiel in der Ballei?

Handball  Das erste Bundesliga-Heimspiel zu Corona-Zeiten gegen Göppingen muss für die Neckarsulmer Handballerinnen nicht nur sportlich anders laufen. Die Blaue Wand als Unterstützung gibt es nur bruchstückhaft.

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Ein ungewohntes Bild: Der B-Block während der Generalprobe beim Testspiel gegen Waiblingen mit Mindestabstand und Maske.

Foto: Mario Berger

Gegen ein kleines Déjà-vu hätte Lynn Knippenborg an diesem Samstag sicher nichts. Der erste Heimauftritt der Bundesliga-Saison - im Vorjahr war das für die Neckarsulmer Spielmacherin bei ihrer Pflichtspiel-Premiere für die Sport-Union eine recht runde Sache. Nicht nur wegen des 30:21-Erfolgs gegen Mainz. "Es ist schön, die Blaue Wand jetzt hinter sich zu haben. Es hat mich wirklich gefreut, dass so viele Leute gekommen sind. Richtig geil, wenn man das erste Heimspiel so gewinnen kann. Das tut gut", sagte die Niederländerin damals beschwingt.

748 Zuschauer werden am Samstag ab 18 Uhr allerdings nicht in der Ballei sein, wenn die Neckarsulmerinnen gegen FrischAuf Göppingen erstmals ein Ligaspiel vor ihren Fans bestreiten dürfen. Die Coronavirus-Pandemie hat den Heimvorteil wegen der erforderlichen Hygiene-Maßnahmen stark minimiert und dafür gesorgt, dass der Sport anno 2020 ganz anders aussieht.

Immerhin - die Blaue Wand wird auch diesmal da sein. Zumindest in Bruchstücken. Zwar können die treusten Neckarsulmer Fans nicht im blauen B-Block geballt nebeneinander stehen. Als Dauerkarteninhaber sind sie aber dennoch mit gebührendem Abstand in Neckarsulmer Blau vor Ort. Genau wie insgesamt etwa 150 andere Stammzuschauer auch.

Die Sport-Union hat Dauerkarten-Besitzer und Sponsoren des Vorjahres angeschrieben und Interessierte für ihren Besuch allesamt registriert. So können Angehörige in kleinen Gruppen beieinander sitzen, für alle anderen gilt 1,50 Meter Mindestabstand. Zudem gingen etwas weniger als einhundert Tickets in den freien Verkauf. Bis zu 300 Fans könnten also in der Halle dabei sein.

Es gibt keine Abendkasse an der Ballei

Wie viel Heimvorteil hat Neckarsulm noch zum Handball-Saisonstart?

Daumen hoch für die Fans: Lynn Knippenborg war in der vergangenen Saison beeindruckt vom Neckarsulmer Publikum.

Foto: Andreas Veigel

"Die genaue Anzahl lässt sich noch nicht sagen. Je mehr Paare und Familien kommen, desto höher wird die Zahl natürlich. Würden alle einzeln sitzen, dürften wir 200 Leute reinlassen. Jede Person, die in der Halle ist, hat ein personalisiertes Ticket. Eine Abendkasse gibt es nicht", erklärt NSU-Geschäftsführer Kai Stettner. Da trifft es sich ganz gut, dass die Sport-Union bei ausbleibenden Eintrittsgeldern eine große Familie ist. Und keine externen Securitys zur Beaufsichtigung der Regeln bezahlen braucht. "Wir haben Unterstützung von unserer Boxabteilung, die das übernehmen", sagt Stettner. Schlagkräftiger Beistand sei aber sicher nicht nötig, winkt er schmunzelnd ab: "Das war Zufall, sie haben einfach Interesse und Lust bekundet."

Bei aller Lust auf Live-Handball setzt die Sport-Union im Lauf der Runde auf keine allzu große Steigerung der Zuschauerzahl in der Ballei. Beim aktuellen Corona-Stand werde man die 400-Zuschauer-Marke - unabhängig von Grüppchen-Bildung - nicht überspringen können, betont der Geschäftsführer: "Laut der aktuellen Verordnung geht nicht mehr. Unser Testlauf war gut, wir sind gewappnet - von daher kann jetzt das Sportliche im Vordergrund stehen, dass wir die zwei Punkte holen." Denn auch die wenigen Fans würden schließlich ganz gerne wieder eine Sieg beim ersten Neckarsulmer Heimspiel sehen. Und deutlich mehr als beim fahrigen 26:28-Auftakt in Buxtehude.

Was den Spielstil der Sport-Union betrifft, möchte Trainerin Tanja Logvin allerdings nicht unbedingt Altbekanntes zeigen. Erneut setzt sie gegen die Göppingerinnen auf frisches, aggressives Tempo-Spiel. Diesmal soll das Gaspedal aber deutlich feiner eingestellt sein.

Motivationsprobleme darf es für die Trainerin nicht geben

Für Logvin hatte die Auftakt-Niederlage zumindest einen Vorteil: "Ich musste absolut niemanden mehr für das Heimspiel motivieren. Jede weiß - so wie beim Auftakt geht es nicht." Zu viel auf den Derby-Kontrahenten aus Göppingen will die 46-Jährige ohnehin nicht blicken: "Wir konzentrieren uns auf unsere Stärken, nicht zu viel auf den Gegner." Sie erwartet eine Begegnung auf Augenhöhe und schiebt den Druck gerne zu FrischAuf: "Wir haben jetzt ein ganz anderes Konzept, müssen noch zusammenfinden und von null auf hundert beschleunigen. Göppingen macht schon seit Jahren immer dasselbe und Coach Aleksandar Knezevic formt dazu jedes Jahr eine gute Mannschaft."

Dennoch gesteht Tanja Logvin, dass eine weitere Niederlage "natürlich eine Enttäuschung wäre". Das erste Heimspiel soll wieder ein Erfolg werden. Doch dafür brauche es "einen klaren Kopf und die Unterstützung der Zuschauer". Auch die Wenigen müssen voll da sein.

 

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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