Verspäteter NSU-Express

Handball  Neckarsulm rattert nach leichten Problemen zu 35:30-Pflichtsieg

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Carmen Moser (links) und die Neckarsulmerinnen bekamen von Halle-Neustadt zunächst unangenehme Gegenwehr zu spüren. Mit einer Steigerung in der zweiten Hälfte sorgte die Sport-Union aber für die frühe Entscheidung.

Foto: Andreas Veigel

Und dann rollte er doch, der NSU-Express. Erst hatte ihm ein fehlendes Schiedsrichtergespann die Abfahrt verweigert. Dann bremsten die giftige Gäste des SV Union Halle-Neustadt den Neckarsulmer Siegeszug am Mittwochabend 30 Minuten lang aus. Doch nach einer hart erkämpften 17:14-Pausenführung ratterte das Spiel der Sport-Union über weite Strecken wie auf Schienen zum erklärten Ziel: einem ungefährdeten 35:30-Pflichtsieg.

"Kedeng, Kedeng", hallte Neckarsulms Erfolgslied durch die Ballei, als die Spielerinnen in Zug-Formation auf dem Hallenboden saßen und die beiden fest eingeplanten Bundesliga-Punkte mit Schaffner-Jubel feierten. "Es war sicher nicht perfekt, aber wir haben Moral bewiesen. Das ist unsere Stärke in dieser Saison", sagte NSU-Urgestein Selina Kalmbach nach der Partie mit rotem Kopf. Dass die wilde Fahrt überhaupt steigen konnte, war wenige Stunden zuvor noch ungewiss gewesen.

Schiedsrichter-Gespann steckte im Stau, Anwurf musste verschoben werden

Denn um 19.30 Uhr lief in der Neckarsulmer Ballei die Bundesliga-Partie HSG Blomberg-Lippe gegen den Thüringer HC. Nicht auf dem Feld, sondern als Übertragung auf der Videowand. Während der 21. Spieltag andernorts in vollem Gange war, ging bei der Sport-Union erstmal gar nichts. Obwohl das Heimteam genauso bereit für den Anwurf war wie Gast SV Union Halle-Neustadt.

Doch das Schiedsrichter-Gespann stand nicht in der Halle, es steckte in einer Vollsperrung auf der A6 fest. Während die anwesenden Aktiven also erstmal ganz entspannt der Konkurrenz beim Spielen zuschauten, rätselte das Team hinterm Team. Abwarten? Absagen? Per Telefon bekam NSU-Teammanagerin Jutta Perger nach reichlichem Grübeln grünes Licht von der Autobahn: Geplante Ankunft der Schiedsrichter: 19.55 Uhr. Aktualisierter Anwurf mit einer Stunde Verspätung: 20.30 Uhr.

Ganz schwacher Start der Sport-Union

Anders als auf der A6 lief es auf dem Parkett direkt 1A - für Außenseiter Halle-Neustadt. Während der Neckarsulmer Motor beim Start gewaltig stotterte, tankte sich der Gast mit mächtig Gas zum 4:0. NSU-Trainerin Tanja Logvin legte mit einer frühen Auszeit sofort eine Vollbremsung hin. So richtig in Fahrt kam ihr Team aber auch danach nicht. "Wir haben hinten gar nichts zu packen bekommen, die Aggressivität hat gefehlt und vorne haben wir kaum klare Chancen herausgespielt", sagte Kalmbach. Erst nach dem 2:7 (10. Minute) drückte die Sport-Union aufs Tempo und verkürzte auf 6:7 (14.). Auch ein Timeout der Gäste stoppte den Neckarsulmer Lauf nicht. Gestützt auf eine gute Sarah Wachter im Kasten und eine verbesserte NSU-Abwehr ging es über ein 8:8 (17.) zur 11:9-Führung (22.).

Der giftige Gast blieb aber dran, glich - angeführt von Helena Mikkelsen - zum 13:13 aus. Erst eine Neckarsulmer Abwehrumstellung zur offensiveren 5:1-Deckung sicherte letztlich den 17:14-Pausenstand.

Nach dem Seitenwechsel sorgt Neckarsulm schnell für die Vorentscheidung

Zu Beginn der zweiten Hälfte sorgte die Sport-Union dann schnell für klare Verhältnisse. Bereits fünf Minuten nach Wiederanpfiff war erneut Pause, als Gäste-Coach Jan-Henning Himborn verärgert zur Auszeit griff. Ein Angriff nach dem anderen hatte er auf das Tor seines Teams zurollen sehen. Ein eigentlich schon vorentscheidendes 21:15 leuchtete von der Anzeigetafel. "Es gab klare Ansagen in der Kabine. Wir haben in der Abwehr nochmal zugelegt und Mikkelsen deutlich besser in den Griff bekommen", erklärte Selina Kalmbach den Zwischenspurt.

Zwar kam der tapfere Gast zwischenzeitlich noch mal ran, gefährlich wurde er den Neckarsulmerinnen aber nicht mehr. Logvin konnte es sich leisten, der einen oder anderen Stammkraft in der Endphase etwas Verschnaufpause für das Sonntagsspiel gegen Mainz zu gönnen. So tuckerte der NSU-Express denn auch eher ins Ziel, statt kraftvoll zu rattern. Erst beim Siegesjubel kam der Zug wieder voll in Fahrt.

Neckarsulmer SU: Gois, Wachter (Tor) - Kalmbach (5 Tore), Senvald (2), Hendrikse (7), Knippenborg (4/2), Wick, Mann, Espinola Perez (8), Kooij (3), Nieuwenweg (1), Kretzschmar (3), Moser (2).

Beste Schützinnen SV: Funke (9),Mikkelsen (7).

Siebenmeter: NSU 2/2, SV 4/4. Zeitstr.: 2/1.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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