Neckarsulmer Sport-Union wird auf großer Bühne vorgeführt

Handball  Beim ersten Free-TV-Spiel sind die Neckarsulmerinnen gegen ein bärenstarkes Blomberg-Lippe mit 26:34 nur nervöse Nebendarsteller.

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Unsanft ausgebremst: Lucia-Marie Kretzschmar und die Neckarsulmerinnen fanden gegen Blomberg-Lippe keine Lösungswege und rannten sich immer wieder fest.

Foto: Mario Berger

Ein richtig gutes Bild für Neckarsulm gaben nur zwei ab. Die beiden blauen Aufsteller, die an den Ecken des Spielfelds die stolzen 1250 Jahre Bestehen der Stadt in die TV-Kameras von Eurosport sendeten. Für die Bundesliga-Spielerinnen des Sport-Union war die allererste Free-TV-Partie am Freitagabend aber über weite Strecken eine Vorführung.

Schnelle Flucht in die Kabine

Mit 26:34 zeigte ihnen der bärenstarke Dritte der HSG Blomberg-Lippe klar die Grenzen auf und machte den Verfolger in eigener Halle zum Nebendarsteller. Als die Schlusssirene durch die Ballei geschrillt war, winkten die geschlagenen Neckarsulmerinnen noch einmal tapfer in die Kameras, dann waren sie auch schon zügig in der Kabine verschwunden.

Der eigens für die Fernsehübertragung verlegte blaue TV-Boden war schon zur Hälfte wieder abgebaut, da weilte NSU-Trainerin Tanja Logvin noch immer mit der Mannschaft in den Katakomben. "Das war ja grottenschlecht von uns", war das einzige, was der konsternierte NSU-Vorsitzende Rolf Härdtner über die Lippen brachte, während er den Kopf schüttelte. Für Logvin war es das „allererste Spiel, in dem ich gerne selbst aufs Feld gegangen wäre – ich habe alles versucht, aber konnte die Mädels nicht erreichen, habe sie heute nicht wiedererkannt“.

Frühe Auszeit von Tanja Logvin bleibt wirkungslos

Die Hauptrolle in der Partie hatte von Anfang an der Gast gespielt. Die Neckarsulmerinnen wirkten neben der deutlich präsenteren HSG oft wie nervöse Statisten. Bereits nach fünf Minuten hatte Logvin genug gesehen. Ihr Cut kam nach dem 1:4 prompt per Auszeit. Vor allem an ihrer wichtigen Regisseurin Lynn Knippenborg war das Intro vorbeigezogen. Die NSU-Trainerin musste im Rückraum früh umbesetzen, weil auch die Halben wenig zeigten.

In Logvins Drehbuch hatte außerdem das Tempospiel als wichtiger Handlungsstrang gestanden. Doch statt der Sport-Union lief Blomberg-Lippe einen Gegenstoß nach dem anderen. Die Neckarsulmerinnen liefen auch nach dem frühen Timeout hinterher. Gegen den stehenden HSG-Angriff waren sie in der 6:0-Deckung ebenfalls immer wieder zu langsam. Unnötige Siebenmeter und Zeitstrafen waren die Folge.

Neckarsulm bewegte sich nur phasenweise auf Augenhöhe

Erst nach dem 5:10 (14.) zeigte die Sport-Union endlich, warum die Partie zurecht als Spitzenspiel bei Eurosport lief. Lucie-Marie Kretschmar legte ein sehenswertes Solo zum 6:10 aufs Parkett, Sarah Wachter glänzte mit einer starken Parade und Chantal Wick setzte Neckarsulm mit dem 7:10 wieder etwas in Szene. Eine filmreife erste Hälfte sollte es aber trotzdem nicht werden. Nach Wicks 10:13 (20.) fing sich ihr Team fiel zu schnell wieder drei Gegentreffer in Folge.

"Kommt jetzt", brüllte Logvin die Mannschaft an, als HSG-Trainer Steffen Birkner nach dem Neckarsulmer 11:16 zur Auszeit gegriffen hatte. Doch die Neckarsulmerinnen kamen nicht wirklich. Die Fünf-Tore-Hypothek war auch beim 13:18-Pausenstand noch da. Nach feuriger NSU-Abwehrarbeit hatte man hingegen vergeblich Ausschau gehalten.

Kurze Deckung gegen Nele Franz brachte auch keine Wende

Den zweiten Durchgang begannen die Neckarsulmerinnen mit einer Manndeckung gegen die gute Blombergerin Nele Franz in der Abwehr und dem etatmäßigen NSU-Rückraum beim eigenen Angriff auf der Bank. Besserung brachte aber auch das nicht.

Beim 16:23 glich das erste Free-TV-Spiel der Sport-Union acht Minuten nach Wiederanpfiff immer mehr einer Tragödie. Mit der HSG als erbarmungslosem Widersacher. Mit einer Auszeit predigte Tanja Logvin aber dennoch den Glauben an ein Happy End.

Vergeblich. Bereits eine Viertelstunde vor der Schlusssirene schien die Partie beim Blomberger 28:19 entschieden. Neckarsulm zog aber noch nicht den Stecker.

Kapitänin Nathalie Hendrikse ging voran. Nach einem 4:1-Lauf und drei Treffern der flinken NSU-Außen zum 23:29 bekam die einseitige Partie noch einmal einen etwas anderen Dreh. Am unausweichlichen Ausgang aber ließ sich nichts mehr ändern.

Als die Neckarsulmerinnen nach dem 23:30 in doppelter Unterzahl auf dem Feld standen, ballte Birkner schon einmal die Siegerfaust. Seine HSG machte aber noch nicht Schluss. Eine bittere Vorführung für Neckarsulm.


Neckarsulmer SU: Gois, Wachter - Kalmbach, Senvald, Hendrikse (7), Knippenborg (1), Wick (5/2), Espinola Perez (1), Kooij (3), Nieuwenweg (4), Kretzschmar (3), Moser (1).

Beste Schützinnen HSG: Franz (9/5).

Siebenmeter: NSU 2/3, HSG 5/8.

Zeitstrafen: 6/2.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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