Sport-Union besteht Stresstest gegen Mainz

Handball  Vier Punkte in 46 Stunden: Neckarsulm erfüllt auch die Pflichtaufgabe gegen Mainz, die die eigene Trainerin erschwert.

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Die Neckarsulmerinne um Carmen Moser mussten gegen die Mainzerinnen mächtig kämpfen. Letztlich reichte der Sport-Union aber ein starker Schlussspurt für den standesgemäßen Sieg.

Foto: Mario Berger

Sie kannte keine Gnade. Nicht in der Vorbereitung. Nicht während des zähen Bundesliga-Spiels. "Ich habe den Mädels absichtlich etwas Stress gemacht", sagte Tanja Logvin. Dann grinste die Neckarsulmer Trainerin. Hinter ihr leuchtete ein 34:29 von der Anzeigetafel der Ballei. Die Sport-Union hatte am Ende nicht nur Außenseiter FSV Mainz 05 besiegt, sondern letztlich auch ein bisschen die eigenen Selbstzweifel.

Dieses Mal ganz ohne Videoanalyse

Als wäre so ein Doppelspieltag, zwei Spiele innerhalb von nur 46 Stunden, nicht schon anstrengend genug, setzte Logvin ganz bewusst Zusatzreize. Nicht für den Körper, sondern vor allem für den Kopf. Nach dem recht mühevollen 35:30-Erfolg gegen Halle-Neustadt am Freitagabend verzichtete sie samstags komplett auf die Vorbereitung: "Ich habe absichtlich keine Videoanalyse gemacht, sie hatten gar nichts an der Hand. Ich wollte, dass sie von null auf hundert gehen, einfach nur an ihre Stärke glauben. Das hat geklappt - aber man hat ein bisschen Unsicherheit gesehen."

Mentale Schwierigkeiten

Natürlich waren nach der kurzen Pause auch die Neckarsulmer Beine müde. Doch vor allem mental hatte der Favorit zunächst Schwierigkeiten mit dem Stresstest der Trainerin. In der Neckarsulmer 5:1-Deckung, an der Tanja Logvin bis zur 50. Minute gnadenlos festhielt, fehlte die nötige Bewegung, im NSU-Angriff der letzte Druck. Die Mainzerinnen spielten frischer, frecher. Und führten nach fünf Minuten verdient mit 5:2. Überhaupt nicht ins Spiel fand Kreis- und Mittelblock-Stammkraft Jill Kooij, die Logvin früh komplett durch Sara Senvald ersetze. Allgemein probierte Tanja Logvin viel aus. Coachte an der Seitenlinie unaufhörlich nach fast jedem Spielzug, den sie regelmäßig variierte.

Gute Gois gibt Halt

"Sie waren ein bisschen frustriert, aber das ist so", gestand sie schulterzuckend. Trotzdem drehte die Sport-Union die Partie bis zur 27. Minute zum 15:14 und schaffte es, bis zur Pause eine knappe 17:16-Führung über die Zeit zu retten. Auch, weil Keeperin Isabel Gois einen ganz starken Tag erwischt hatte und als eine der wenigen Neckarsulmerinnen viel Sicherheit ausstrahlte. Sehr verunsichert präsentierte sich NSU-Kapitänin Nathalie Hendrikse. Bei elf Abschlüssen traf sie nur fünfmal ins Mainzer Tor und ließ mehrere Gegenstöße komplett frei liegen.

"Wir müssen zusammen lernen, gegen solche Mannschaften den Killerinstinkt zu haben und unsere Platzierung unterstreichen", betonte Tanja Logvin, die sich in der zweiten Hälfte dann umso mehr über den Neckarsulmer Schlussspurt freute, nachdem sie ihr Team endlich anders verteidigen ließ: "Ich habe die Abwehr absichtlich bis zur 50. Minute in der 5:1 gehalten, obwohl ich viel früher hätte wechseln können. Die letzten zehn Minuten sind dann genügend für diese Mannschaft, um noch richtigen Handball zu zeigen und das war es dann."

Trainerin bleibt ganz gelassen

Tatsächlich hatte die Sport-Union beim 24:23 in der 44. Minute immer wieder bedenklich gezittert. Die Trainerin aber blieb gelassen, auch bei ihrer Auszeit fünf Minuten vor der Schlusssirene und einer schmalen 28:26-Führung.

Statt weiter zu wackeln, fuhr ihr Team die beiden Punkte letztlich sehr souverän nach Hause. Und hatte dazu noch reichlich Erkenntnis gewonnen. "Wir haben uns das Leben lange selbst schwer gemacht und das ist scheiße. Wir wollten viel laufen - und das haben wir nicht gemacht. Dabei ist das eigentlich unsere Stärke", sagte NSU-Spielmacherin Lynn Knippenborg: "Am Ende haben wir uns dann doch noch an die Absprachen gehalten."

Neckarsulmer SU: Gois, Wachter (Tor) - Kalmbach (6), Senvald (3), Hendrikse (6), Knippenborg (6), Wick, Mann, Espinola Perez (4/1), Kooij, Nieuwenweg (2), Kretzschmar (5), Moser (2).

Beste Schützin FSV: Burkholder (6). Siebenmeter: NSU 1/2, FSV 5/9. Zeitstr.: 2/1.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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