Spielabsage des THC sorgt in Neckarsulm für bitteren Nachgeschmack

Handball  Thüringer HC befindet sich nach der Spielabsage vom Mittwoch bereits wieder im Trainingsbetrieb. Ein negativer PCR-Test widerlegte den positiven Schnelltest. Neckarsulm empfängt am Sonntag Bad Wildungen.

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Nach einer Woche mit viel Wirbel wünscht sich NSU-Trainerin Tanja Logvin einen versöhnlichen Abschluss gegen Bad Wildungen.

Foto: Andreas Veigel

An diesem Sonntag wollen die Spielerinnen der Neckarsulmer Sport-Union in der Ballei endlich wieder aufs Bundesliga-Parkett schreiten. Ab 17 Uhr sollen gegen die Vipers aus Bad Wildungen wieder Punkte her. Nach mehr als drei Wochen ohne Pflichtspiel. Eine Pause, die eigentlich etwas kürzer hätte ausfallen müssen. Und aus der die Sport-Union mit einem gewissen Grummeln im Magen geht.

Auf Positiv-Test folgt Negativ-Test

Denn das Vorspiel war von Wirrungen geprägt. Bis zum Mittwochvormittag hatte Neckarsulm nach der Länderspielunterbrechung noch mit einer Englischen Woche geplant, ehe die angesetzte Partie am Abend wegen eines positiven Corona-Schnelltests beim Thüringer HC kurzfristig abgesagt werden musste. Die Sport-Union blieb unverrichteter Ding vor dem Mannschaftsbus zurück.

Als der personell arg angeschlagene THC dann am Donnerstag vermeldete, der Trainings- und Spielbetrieb könne nach negativem PCR-Test bei der betroffenen Spielerin wieder normal weitergehen, war die gebrauchte Woche für Neckarsulm perfekt. Am Sonntag soll zumindest noch der versöhnliche Abschluss gelingen.

Sport-Union hat Regeländerung vorgeschlagen

"Dass für uns erstmal ein Geschmäckle dabei ist, ist ganz klar", sagt NSU-Geschäftsführer Kai Stettner. "Wir haben am Donnerstag auch mit der HBF telefoniert und angeregt, das Prozedere zukünftig zu verändern - das ist beim Geschäftsführer auf Zuspruch gestoßen. Die werden das besprechen und uns eine Rückmeldung geben. Wir haben unseren Unmut dort kundgetan, viel mehr können wir nicht tun. Wir haben auch gewisse Kosten mit so einem Spiel. PCR-Testung, Bus - das hätten wir uns alles sparen können."

THC-Teammanager weist Vorwürfe zurück

Vorwürfe, Thüringen habe das unwillkommene Spiel absichtlich platzen lassen, empfindet THC-Teammanager Maik Schenk als befremdlich: "Die spielleitende Stelle hat sofort von unserem Mannschaftsarzt eine unterschriebene Liste, auch mit entsprechendem Test und Bebilderung, bekommen. Das ist ganz transparent, die Testung ist nicht im Verborgenen passiert. Anschuldigungen finde ich in der aktuellen Situation nicht zielführend."

Auch Uwe Stemberg von der spielleitenden Stelle der Handball Bundesliga Frauen (HBF) tritt Kritik am Testverfahren auf Stimme-Nachfrage entschieden entgegen: "Der THC hat sich an alle Hygiene-Vorschriften gehalten, die wir aufgestellt haben. Es ist wirklich alles erfüllt, was zu erfüllen war. Und wie das erfüllt ist, ist unsere Sache. Das habe ich Neckarsulm auch gesagt, und für alles andere müssen sie vors Sportgericht gehen."

NSU-Trainerin Logvin kennt THC-Coach Müller sehr gut

Von juristischen Schritten ist Neckarsulm aber weit entfernt, winkt Kai Stettner ab. Er will an das unglückliche Thema schnell einen Haken machen. Dass die Sache für NSU-Trainerin Tanja Logvin deutlich emotionaler ist, kann er dennoch verstehen. Die 46-Jährige trägt ihr Herz auf der Zunge, kennt THC-Trainer Herbert Müller schon lange. Und scheute sich nicht davor, den sich für sie aufdrängenden Verdacht offen anzusprechen: "Sie waren mit der Spielansetzung absolut nicht glücklich, nicht einverstanden. Für mich ist das ein absoluter Zirkus." Trotz allem Argwohn soll die verlängerte Zwangspause nun Ansporn für einen Neckarsulmer Heimsieg sein.

Wie schon die geplante Partie gegen den Thüringer HC hat auch das Duell mit Bad Wildungen besondere Vorzeichen für Neckarsulms Halbrechte Anouk Nieuwenweg. Denn es ist ihr zweiter, sehr viel bedeutsamerer Ex-Verein. "Ich war ja nicht so lange in Thüringen, aber ich war vier Jahre in Bad Wildungen - ich finde es schön, die Mädels wiederzusehen."

Die Vipers von Trainerin Tessa Bremmer hatten ebenfalls 23 Tage lang kein Pflichtspiel. "Wir freuen uns unheimlich, dass wir im Moment überhaupt spielen dürfen", sagt Bremmer. Genau das will auch Neckarsulm endlich wieder.

Am besten erfolgreich.

Der Fall Luzumova

Der schnell aufkommende Beigeschmack in der Beziehung zwischen Neckarsulmer Sport-Union und Thüringer Handballclub hat eine Vorgeschichte. Sie trägt die Überschrift: Iveta Luzumova. Hatte die tschechische Spitzenspielmacherin, die heute Koreová heißt und noch viele Jahre beim THC spielte, 2017 bei Neckarsulm schon einen Arbeitsvertrag unterschrieben, wollte sie doch lieber in Thüringen bleiben und sprang der Sport-Union trotz Kontrakt wieder ab. Neckarsulm hat damals nach hitzigen Telefonaten und juristischen Schritten zwar eine Zahlung zur Kompensation vom THC erhalten, trotzdem hat der geplatzte Königstransfer für großen Unmut gesorgt und wird bei der Sport-Union wohl nie vergessen sein. 


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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