Selten schön, aber erfolgreich: NSU-Frauen gewinnen in Mainz

Handball  Neckarsulmer Sport-Union kommt zu glanzlosem 27:21 bei Bundesliga-Kellerkind Mainz: Die Torfrauen Wachter und Gois dienen beim Auswärtssieg als verlässlicher Rückhalt für fahrige NSU-Offensive.

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Abklatschen und weiter geht"s: NSU-Trainerin Tanja Logvin (links) und die Neckarsulmerinnen konnten sich auf ihre Torhüterinnen Isabel Gois (rechts) und Sarah Wachter verlassen. Der Angriff war hingegen weniger stabil.

Foto: Archiv/Berger

Der Neckarsulmer Sieges-Jubel fiel analog zum Spiel aus: Das Nötigste, viel mehr nicht. Verhalten klatschten sich die Spielerinnen der Sport-Union am Sonntagabend ab, als sie aneinander vorbei schritten. Kein freudiges Tänzchen inmitten der Mainzer Halle, kein großes Gebrüll ob des Auswärtserfolges. 27:21 (15:10). Zwei weitere Bundesliga-Punkte. Pflicht erfüllt. Haken dran.

Ein maximal mittelmäßiger Auftritt gestützt auf zwei souveräne Torhüterinnen genügte den Neckarsulmerinnen beim nervösen 1. FSV, der immer wieder zeigte, warum er auch nach sechs Spieltagen weiter auf die ersten Zähler warten muss. Bei einem Ergebnis erreichten die Mainzerinnen im Duell mit Neckarsulm aber immerhin Gleichstand. Beide Teams leisteten sich satte 15 technische Fehler. Und so sah die Partie auf sehr überschaubarem Niveau auch aus. Die Wurfquote war auf beiden Seiten ebenfalls gleichermaßen schwach.

Die Hektik der Gastgeberinnen wirkt ansteckend für Neckarsulm

Die Sport-Union hatte es kaum geschafft, das eigene Spiel konsequent durchzuziehen, sondern sich über weite Strecken von der Mainzer Hektik anstecken lassen. In echte Gefahr geriet der favorisierte Gast aber dennoch nicht, auch wenn er in der zweiten Hälfte zwischenzeitlich kurz wackelte.

Als NSU-Trainerin Tanja Logvin bei einer Mainzer Auszeit vier Minuten vor der Schlusssirene ihr Team vor sich versammelt hatte, genügten der 46-Jährigen bei der 23:19-Führung ein paar Sekunden für ihre Ansprache. Fröhliche Worte waren es nicht. Als der Pflichtsieg in der Tasche war, stimmte Logvin aber schon wieder versöhnlichere Töne an: "Es war ein komisches Spiel, klar. Wir haben trotzdem gewonnen und zwei Punkte mehr. Außerdem war ich sehr zufrieden mit meinen Torfrauen. Von den Fehlern lernen wir und gewinnen Erfahrung. In der Favoritenrolle ist es nicht einfach für uns."

Immer wieder an die Latte statt ins Tor

Dabei gelang den Neckarsulmerinnen ein guter Beginn. Die auffälligste Gegenwehr aus Mainz kam in der Anfangsphase vom Gehäuse. Nach einem soliden 3:1-Start der Sport-Union zitterte in der ersten Viertelstunde gleich viermal die Latte mit dem FSV um die Wette. Auch neben dem Mainzer Tor schlugen immer wieder Neckarsulmer Würfe ein. "Nach der ersten Halbzeit müssen wir eigentlich schon mit mindestens zehn Toren führen", kommentierte Tanja Logvin, die allerdings auch munter durchwechselte: "Wenn nicht in einem solchen Spiel, wann dann?"

Anders als auf dem Feld war die Leistung im Neckarsulmer Tor unabhängig von der Spielerin stark. Sarah Wachter hatte maßgeblichen Anteil daran, dass die Halbzeitführung mit 15:10 noch so komfortabel ausfiel. Auch auf Neckarsulms Routiniers Irene Espinola Perez und Lynn Knippenborg war Verlass.

Ein schöner Schluss ziert alles für Neckarsulm

Doch selbst Topscorerin Perez ließ sich in der zweiten Hälfte etwas von der allgemeinen Hektik anstecken. Als Logvin in der 45. Minute beim 18:14 ihres Teams zur Auszeit griff, hatten die Zuschauer außer Rumpelhandball nicht viel gesehen. Weil aber auch Isabel Gois im NSU-Tor einen guten Tag erwischte, kam Mainz nie näher als auf zwei Tore heran. "Ich war mir zu hundert Prozent sicher, dass wir gewinnen", gab sich die Neckarsulmer Trainerin selbstbewusst. Zurecht. Denn als es in den Schlussminuten zählte, gab sich ihre Mannschaft ziemlich abgezockt und brachte ein etwas zu hohes 27:21 nach Hause. Zwei weitere Bundesliga-Punkte. Pflicht erfüllt. Haken dran.

Neckarsulmer Sport-Union: Wachter (10 Paraden), Gois (8 Paraden) - Kalmbach, Wolf, Senvald, (1), Hendrikse (3), Knippenborg (4), Wick (4/3), Perez (8), Kooij (2), Kretzschmar (1), Rode (2), Moser (2). Beste Schützin FSV: Adeberg (10/6). Siebenmeter: FSV 6/7, NSU 3/5. Zeitstrafen: 5/6.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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