Selina Kalmbachs großer Sprung in den deutschen A-Kader

Handball  Die Neckarsulmer Linksaußen Selina Kalmbach hat es ins endgültige Aufgebot des DHB-Teams geschafft und freut sich auf die zwei anstehenden WM-Qualifikationsspiele.

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NSU-Linksaußen Selina Kalmbach hat nicht nur das Tor, sondern auch ihr erstes A-Länderspiel vor Augen.

Foto: imago-images/wolf-sportfoto

Der Deutsche Handballbund hatte die Fährte schon früh gelegt. "Wer verbirgt sich hinter diesem Gewicht?", lautete ein kleines Bilder-Rätsel , das der Verband den Fans Anfang der Woche während der Vorbereitung auf die beiden WM-Playoff-Spiele gegen Portugal in den sozialen Medien stellte. Das durch eine Zehn-Kilo-Scheibe verdeckte Gesicht von Selina Kalmbach dürften nur die wenigstens an der Langhantelstange vermutet haben.

Kalmbach will Chance nutzen und Spiele genießen

Denn auf der großen DHB-Bildfläche ist die Neckarsulmer Bundesligaspielerin bislang noch nicht in Erscheinung getreten. Ein Regionallehrgang hier, eine Berufung in Deutschlands Perspektivkader dort. Das war es gewesen. Bis jetzt. Nun hat die Frau aus Abstatt erstmals den großen Sprung in den A-Kader geschafft. An diesem Freitag sitzt sie mit dem Adler auf der Brust im Flieger Richtung Portugal, wo die Linksaußen am Samstagabend (21.30 Uhr/Sportdeutschland.tv) in Luso vor ihrem ersten Länderspiel steht, ehe am Dienstag (17.30 Uhr/Sport1) das Rückspiel in Hamm/Westfalen wartet.

"Das ist eine große Ehre für mich, dabei zu sein", betont die 23 Jahre alte Debütantin. "Ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich nicht angespannt wäre. Das gehört aber sicher dazu und ein bisschen braucht es das ja auch im Leistungssport. Ich versuche, diese Anspannung in positive Energie umzuwandeln und frei aufzuspielen. Ich will die Chance nutzen und einfach genießen."

Viele prominente pandemiebedingte Ausfälle

Dass Selina Kalmbach in den Genuss der ersten Länderspiele kommt, hat aber auch einen unschönen Hintergrund für Deutschland. Gleich sieben Spielerinnen der Topteams Bietigheim und Dortmund fehlten Bundestrainer Henk Groener bei der Vorbereitung in Frankfurt, weil sie sich nach Corona-Fällen bis einschließlich Mittwoch in Mannschaftsquarantäne begeben mussten. Darunter gleich zwei Konkurrentinnen von Kalmbach auf Linksaußen.

"Auch wenn wir ziemlich zusammengewürfelt sind, sind wir ein tolles Team. Ich freue mich auf die Herausforderung und die Erfahrung, die mich erwartet", sagt Selina Kalmbach zur speziellen Situation, die nichts an der deutschen Favoritenrolle gegen Portugal ändert. "Wir Neuen sind alle sehr, sehr gut von der Mannschaft aufgenommen worden. Es sind optimale Bedingungen, um jetzt auch zwei gute Spiele abzuliefern."

Dass sie dabei helfen wird, darüber hatte sie der Bundestrainer bereits Anfang der Woche informiert. "Ich habe es mit Fassung aufgenommen. Es ist ja etwas, auf das man schon seit vielen Jahren hinarbeitet - ein Traum von uns allen, einmal in der A-Nationalmannschaft zu spielen. Dafür hat man so hart gearbeitet, so hart trainiert. Über die Belohnung freue ich mich natürlich enorm."

Ein zufälliges Geschenk ist es nicht: "Das Feedback des Bundestrainers war schon positiv - sonst wäre ich jetzt wahrscheinlich nicht dabei und dürfte meine Länderspiele bestreiten."

Der Traum von einer WM-Teilnahme im Dezember

Wie viel Vertrauen Groener der Neuen aus Neckarsulm dabei geben wird, ist für sie selbst kein großes Thema: "Über Einsatzzeit will ich gar nicht spekulieren. Oberste Priorität hat, die beiden Spiele zu gewinnen. Wenn es dabei zu Einsatzzeiten für mich kommt, freue ich mich natürlich riesig. Aber das wichtigste ist die Mannschaft, das Wir dominiert. Wir wollen die Quali schaffen und am Ende des Jahres nach Spanien - das gilt es umzusetzen."

Gerne wäre Kalmbach natürlich auch bei der WM im Dezember noch Teil des Teams. Kampfansagen gibt es von ihr aber keine: "Was in ein paar Monaten sein wird, weiß niemand. Ich werde mein Bestes, 120 Prozent geben und dann werden wir Ende des Jahres sehen, wo wir alle stehen."

Dass ihr Weg zu Hause genau verfolgt wird, dessen ist sich Selina Kalmbach sicher: "Ich denke, dass ganz, ganz viele in Neckarsulm und der Region mitfiebern werden und mir die Daumen drücken. Das gibt mir auch enorm viel Kraft und ich freue mich über jede Nachricht, jeden Anruf. Das versuche ich ein kleines Stück mitzunehmen."

Neckarsulmer Vereinsduell in Portugal

Das erste Länderspiel ist für Selina Kalmbach natürlich etwas besonderes. Und es hat mit Portugal als Gegner auch eine besondere Randgeschichte. Im Kasten der Portugiesinnen steht mit Isabel Gois schließlich ihre Neckarsulmer Vereinskollegin. Das Debüt-Tor gegen Gois? "Wir haben vergangene Woche im Training natürlich schon ein bisschen rumgescherzt und das mögliche Duell angesprochen", verrät Kalmbach. "Ich freue mich, sie zu sehen und winke ihr sicher auch mal rüber - im Spiel sind wir dann aber 60 Minuten Feinde. Und danach auch wieder Freunde." 


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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