Sechs gewinnt

Handball  Die Bundesliga-Handballerinnen der Neckarsulmer Sport-Union lösen das Oldenburger Überzahl-Spielchen mit 34:29 erfolgreich.

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Bis an die Schmerzgrenze: Der VfL verlangte Jill Kooij (re.) und Selina Kalmbach viel ab. Vor allem in der Defensive, auf die ständig sieben Oldenburgerinnen prallten.

Nur einer Neckarsulmerin fiel es richtig schwer, das Spiel gegen Oldenburg mit anzusehen. "Puh, ich hasse das", sagte Lynn Knippenborg nach dem 34:29 (18:15) schmunzelnd. Mit steifer Nackenpartie hatte die NSU-Regisseurin, der Dreh- und Angelpunkt des formstarken Angriffsspiels der Sport-Union, am Samstagabend über 60 Minuten nur zugesehen. Nach einem heftigen Zusammenstoß im Training mit Irene Espinola Perez unfähig, selbst einzugreifen: "Es ist gefühlt wie ein Schleudertrauma - Irene ist hart wie Stein, eine spanische Mauer eben."

Mit dieser Härte in der Abwehr knackten Espinola Perez und Co. letztlich auch den VfL Oldenburg. Denn entscheidend für den vierten Neckarsulmer Bundesliga-Erfolg in Serie war neben der Kompensation des Knippenborg-Ausfalls die Lösung eines ausgefallenen Oldenburger Überzahl-Spielchens. Beinahe die komplette Partie über agierte der Außenseiter in der Ballei offensiv mit einer siebten Feldspielerin und setzte damit drei Angreiferinnen am Kreis ein. "Ich und die Mädels, wir haben das gelöst", sagte eine zufriedene Tanja Logvin.

Neckarsulms Trainerin ist überrascht

Die Neckarsulmer Trainerin war durchaus überrascht, als der VfL von Anfang an ohne Torhüterin und dafür mit einer zusätzlichen Offensivspielerin agierte: "Wir haben das nicht erwartet. Oldenburg hat das zwar schon so gespielt, zuletzt aber eigentlich nicht mehr." Logvin nahm es als Kompliment: "Wenn sie gegen uns kein sechs gegen sechs leisten können, dann ist die Qualität unserer Mannschaft viel höher."

Es dauerte allerdings bis zur 35. Minute, ehe sich ein solcher Qualitätsunterschied auch ganz klar auf dem Feld abzeichnete. Und es brauchte eine weitere Auszeit von Tanja Logvin nur vier Minuten nach Wiederanpfiff, in denen offensiv gar nichts funktioniert hatte. Dann aber verwandelte Neckarsulm eine knappe 18:16-Führung in ein vorentscheidendes 23:16 (40.).

Die Halben in der Abwehr standen extrem offensiv

Bereits vor der 18:15-Pausenführung hatten die Neckarsulmerinnen in der Deckung das Prinzip für Sechs gewinnt gefunden: Die Halben der Abwehr standen extrem offensiv und setzten die beiden VfL-Rückraumspielerinnen unter starken Druck. Pässe an den Kreis oder auf Außen kamen so gegen eine sehr bewegliche NSU-Defensive kaum mehr durch. "Sie wussten nicht mehr, wo sie hin sollen und wir konnten viele Bälle klauen und Gegenstöße laufen", sagte Jill Kooij.

Obwohl die Neckarsulmer Kreisläuferin bereits in der 17. Minute einen starken Schlag abbekommen hatte, der eine Rote Karte für Oldenburg zur Folge hatte, kämpfte sie sich durch. Nicht nur deshalb war die Partie recht kräftezehrend, gestand Kooij: "Am Anfang haben wir uns erst einmal an das viele Verschieben gewöhnen müssen."

Das Spiel der NSU in den Schlussminuten ist zu schläfrig

Sechs gewinnt

Irene Espinola Perez und die Neckarsulmerinnen zeigten gegen Oldenburg kämpferisch eine starke Leistung.

Fotos: Mario Berger

Auch nach dem starken 5:0-Spurt zum 23:16 nahmen die Neckarsulmerinnen merklich das Tempo aus der Partie. Als Offensivmotor Irene Espinola Perez ihren neunten Treffer zum 32:25 ins Oldenburger Tor gefeuerte hatte, wurde das Spiel der Sport-Union in den fünf Schlussminuten dann deutlich zu schläfrig. Nach einem 0:3-Lauf hatte Tanja Logvin beim 29:33 des VfL genug gesehen und griff noch einmal zu einer finalen Auszeit. Ihr Weckruf wirkte.

NSU-Youngster Lucie-Marie Kretzschmar, die ihre Angriffs-Chance auf halblinks in der zweiten Hälfte mit sieben Fehlwürfen nur bedingt nutzen konnte, erzielte immerhin den 34:29-Endstand. Darüber, dass Sara Senvald noch eine unnötige Rote Karte sah, wollte sich Logvin ebenso wenig ärgern wie über die schludrige Endphase: "Ich kann es schon verstehen, dass sie da ein bisschen müde waren, mit einer so kleinen Anzahl an Spielerinnen. Aber sie haben ihre Qualitäten und sie wissen, worum es geht." Gegen Oldenburg ging es vor allem darum, defensiv zu bestehen. Und das schaffte die Sport-Union. Ein verdientes Sechs gewinnt.

Neckarsulmer SU: Gois (2 Paraden), Wachter (6, 1 Tor) - Kalmbach (4 Tore), Senvald (1), Hendrikse (3), Wick (6/4), Espinola Perez (9), Kooij (4), Nieuwenweg, Kretzschmar (4), Moser (2).

Beste Schützinnen Oldenburg: Reinemann (6/1), Carstensen (7/3), Behrend (5).

Siebenmeter: NSU 4/4, VfL 4/5.

Zeitstrafen: 2/1.

Rote Karte: Senvald (60.)/Buhl (17.).

Länderspiel-Pause

Die meisten Neckarsulmerinnen können erstmal ein bisschen durchschnaufen, ehe es am 28. März in Leverkusen mit der Bundesliga weitergeht. Ein NSU-Quartett ist während der Länderspiel-Pause allerdings bei der Nationalmannschaft aktiv. Irene Espinola Perez kämpft mit Spanien um die Olympia-Qualifikation und Chantal Wick spielt mit der Schweiz die WM-Quali. Zusätzlich sind Selina Kalmbach und Sarah Wachter beim Lehrgang der deutschen Nationalmannschaft, die sich in Bensheim auf die anstehenden WM-Playoffs vorbereitet. red

 

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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