NSU-Handballerinnen sind ungewohnt nah dran am großen Nachbarn Bietigheim

Handball  Die Sport-Union ist zu einer Spitzenmannschaft in der Handball-Bundesliga der Frauen geworden. In Bietigheim geht es für Neckarsulm am Samstagabend deshalb längst nicht mehr nur um Schadensbegrenzung.

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Bietigheims Nele Reimer (am Ball) empfängt mit Neckarsulm ihren Ex-Club um Freundinnen wie Lucie-Marie Kretzschmar (2. v.r.).

Foto: imago-images/wolf-sportfoto

Nein, das hätte Nele Reimer "ehrlich nicht erwartet". Zumindest nicht zu Beginn dieser Bundesliga-Saison. Doch wenn die 24-jährige Bietigheimerin an diesem Samstag um 19 Uhr ihren Ex-Club Neckarsulm in der Sporthalle am Viadukt empfängt, ist es für sie mit ihrer SG BBM "ganz klar ein Spitzenspiel".

Die Sport-Union hat es geschafft, sich ungewohnt nahe an den großen Nachbarn heranzuarbeiten. Was die Pluspunkte betrifft, liegen die Neckarsulmerinnen mit 25 gar gleichauf - haben allerdings bereits drei Partien mehr absolviert. Für Reimer, die in der vergangenen Runde noch Neckarsulms Topscorerin war, eine schöne Entwicklung: "Es ist cool, dass das Derby jetzt auch noch ein Topspiel ist." Ohnehin freut sie sich auf das zweite Wiedersehen mit dem Verein, für den sie drei Jahre lang auf dem Feld stand: "Ich habe noch immer Kontakt nach Neckarsulm, mit Corona ist es aber gerade recht schwierig, sich zu sehen."

Neckarsulmer Chance, etwas gut zu machen

Besonders mit NSU-Youngster Lucie-Marie Kretzschmar verbindet Nele Reimer eine Freundschaft. Die wird am Samstag allerdings für 60 Minuten ruhen. "Es ist immer schön, wenn man sich wenigstens zu Spielen sehen kann. Davor und danach freue ich mich auf Nele", sagt Kretzschmar schmunzelnd. Viel wichtiger ist für Neckarsulms Nummer 33 aber "die Chance, etwas gut zu machen".

Denn die bittere 29:30-Niederlage der Sport-Union am Mittwochabend im Verfolger-Duell bei der HSG Blomberg-Lippe ist natürlich noch nicht gänzlich verdaut. "Direkt wieder zu spielen, ist etwas Gutes. Wir gehen mit Wut im Bauch nach Bietigheim", betont Lucie-Marie Kretzschmar. Und längst nicht mehr, um beim internationalen Topteam lediglich Schadensbegrenzung zu betreiben: "Eine Überraschung wären Punkte schon noch, aber nicht mehr utopisch."

Bietigheim ist in der Bringschuld

Kretzschmar sieht ihre Sport-Union in Sachen Ausgangslage klar im Vorteil: "Bietigheim ist in der Bringschuld. Für uns gilt: Alles kann, nichts muss. Wir fahren aber sicher nicht nur für einen schönen Abend da hin. Wir haben einen ganz anderen Anspruch und wollen uns endlich auch mal in solchen Spielen belohnen." Schon gegen Spitzenreiter Dortmund waren die Neckarsulmerinnen Mitte Januar beim 29:31 nah dran an einem Favoritensturz. Gegen den einst so schillernden THC glückte er zwei Wochen später mit einem 38:32.

Die Bietigheimerinnen schafften den Sieg gegen Thüringen bei ihrem jüngsten Bundesliga-Auftritt hingegen nicht und verloren etwas überraschend 30:33. Es folgten zwei weitere Niederlagen in der Champions League. Zumindest der Bietigheimer Einzug ins Final Four des DHB-Pokals glückte mit einem 34:22 gegen Bad Wildungen standesgemäß.

Neckarsulm hat sich Respekt verdient

Vor der Favoritenrolle gegen die Sport-Union will sich Nele Reimer mit der SG BBM unabhängig von den jüngsten Ergebnissen nicht drücken: "Wir gehen als Favorit an die Sache rein. Bei einem Derby und Heimspiel sowieso. Wir wollen die zwei Punkte in Bietigheim behalten, haben aber den nötigen Respekt vor Neckarsulm."

Diesen hat sich die Sport-Union als Fünfter redlich verdient. "Wenn wir unsere Leistung bringen, können wir viel erreichen. Wir müssen einfach unser eigenes Spiel machen, unser Tempo gehen", weiß Lucie-Marie Kretzschmar. Ihr ist allerdings genauso bewusst, dass es mehr als zuletzt bei Blomberg-Lippe braucht, um in Bietigheim bestehen zu können: "Wir müssen unsere Fehlwürfe und technischen Fehler deutlich minimieren."

Heute erfolgt in Bietigheim die Video-Analyse, verrät Nele Reimer: "Da werden sicher auch ein, zwei Fragen an mich gestellt." Als große Informantin wie noch vor dem Bietigheimer 24:17-Hinspielerfolg sieht sie sich nicht mehr: "Die Neckarsulmer Spielweise hat sich unter Tanja mittlerweile stark verändert."

Und sie hat die Sport-Union ungewohnt nah an den großen Nachbarn aus Bietigheim gebracht.

Nächster NSU-Transfer: Lütke ist bestens bekannt

Bei diesem Transfer weiß Neckarsulms Trainerin Tanja Logvin genau, was sie bekommt. Mit Sophie Lütke stößt in der neuen Saison schließlich eine alte Wegbegleiterin von Logvin zur Sport-Union. Die beiden kennen sich aus der gemeinsamen Zeit bei Halle-Neustadt bestens. "Ich bewundere sie extrem. Sie arbeitet in Vollzeit, ist im Team

dennoch von A bis Z ein Profi sowie ein sehr disziplinierter Mensch und hat vor allem einen extrem starken Willen. Ich bin mir sicher, dass sie sich selbst durch diesen Wechsel nochmals weiterentwickeln wird und sie vor allem auch unser Team weiterentwickeln kann", sagt Logvin, die mit Lütke künftig noch variabler im Rückraum und der Defensive ist. Die 30-Jährige hat für zwei Jahre bei der Sport-Union unterschrieben: "Ich wollte für mich nochmal eine sportliche Herausforderung haben, die ich in Neckarsulm mit der neuen Mannschaft und dem neuen Umfeld mit Sicherheit bekommen werde. Das Ziel, international zu spielen, war für mich ein Grund, warum ich nach Neckarsulm gewechselt bin, aber vor allem auch das Gesamtkonzept des Vereins gefällt mir." Lütke möchte ihre "Erfahrung, die ich bis jetzt gesammelt habe, mit ins Team bringen und hoffe, dass ich noch jüngeren Spielerinnen viel davon mitgeben kann".


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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