NSU-Handballerinnen müssen sich gegen Bietigheim geschlagen geben

Handball  Bietigheim bestraft die schlappe zweite Hälfte der Sport-Union Neckcarsulm gnadenlos und gewinnt das Derby mit 36:24 klar. NSU-Trainerin Tanja Logvin findet angesichts der Leistung nach der Pause deutliche Worte.

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NSU-Trainerin Tanja Logvin hatte wieder viele Varianten auf der Taktiktafel.

Lynn Knippenborg verdrehte genervt die Augen. Den Rhythmus, den die Taktgeberin der Sport-Union in der 56. Minute anschlug, war das restliche Team längst nicht mehr bereit mit der NSU-Spielmacherin zu gehen.

Also landete ihr strammer Aufbau-Pass in den Lauf statt bei der gemächlich trabenden Irene Espinola Perez im Seitenaus der Bietigheimer Sporthalle am Viadukt. Ungefähr in Blickrichtung der hängenden Neckarsulmer Köpfe. Stolz und aufrecht hatte sich der formstarke Gast dem Topteam der SG BBM am Samstagabend stellen wollen. Doch letztlich wurde er im Derby mit 24:36 einfach überrollt. Trotz einer ersten Hälfte auf Augenhöhe.

"Jede einzelne Spielerin soll auf sich selbst schauen"

Die ansprechenden Bilder zum 13:16-Pausenstand mit zahlreichen sehenswerten Paraden von Sarah Wachter wird NSU-Trainerin Tanja Logvin ihrer Mannschaft bei der Nachbereitung vorenthalten. "Ich werde ihnen in der Video-Analyse nur die zweite Halbzeit zeigen. Jede einzelne Spielerin soll auf sich selbst schauen, auf ihre Körpersprache, ihr Gesicht. Nicht mehr. Das reicht."

Favorit Bietigheim reichten zehn ganz schwache Neckarsulmer Minuten, um aus einer 19:16-Führung (36.) mit einem Gegenstoß nach dem anderen die 27:17-Vorentscheidung zu machen. "Ich will am Ende nur noch Minus drei sehen", forderte Logvin danach in ihrer zweiten Auszeit innerhalb von nur etwas mehr als hundert Sekunden. Es sollte ein frommer Wunsch bleiben.

Tanja Logvins klare Forderung für die Zukunft

Nur 35 Minuten auf Augenhöhe

Bei Neckarsulms Spielmacherin Lynn Knippenborg (am Ball) stimmte der Einsatz bis zum Schluss. Ihr Team ließ sie aber alleine.

Fotos: Andreas Veigel

Nach dem "Blackout" ihrer Mannschaft gingen bei keiner Neckarsulmerin außer Knippenborg nochmal so richtig die Lampen an. "Man kann immer verlieren. Die Frage ist aber wie. Wenn man nicht kämpft, nicht zurückläuft - das geht nicht, das dürfen wir nicht zeigen. Und das habe ich in der Kabine auch gesagt", betonte die NSU-Einzelkämpferin.

Ihre Trainerin schlug in dieselbe Kerbe: "Mit solch einer Attitüde - da kann man nicht Handball spielen und das werde ich auch nicht erlauben." Tanja Logvins klare Forderung für die Zukunft: "Das war das letzte Mal, dass ich so eine Körpersprache gesehen habe. Kein Selbstwert haben - das geht nicht."

Lobende Worte für die Neckarsulmerinnen hatte immerhin Bietigheim-Coach Markus Gaugisch: "Sie haben am Anfang ein paar Sachen anders gespielt, als ich gedacht habe und uns damit überrascht. Das ist wirklich eine gute Mannschaft, ihre Entwicklung ist klasse."

Gar nicht klasse war es für ihn und seine Mannschaft, als die Sport-Union die 6:3-Führung der SG mit einem Lauf zum 7:6 (14. Minute) beantwortete und bis zum 10:9 (19.) stets mit einem Tor vorlegte. Es brauchte schon eine Verschnaufpause für die beste Neckarsulmerin Lynn Knippenborg und die gestandenen Bietigheimerinnen Kräfte wie Anna Loerper und Karolina Kudlacz-Gloc auf dem Feld, um den erstarkten Nachbarn bis zur Pause etwas in die Schranken zu weisen. "Wir haben gerade in der ersten Halbzeit sehr viele Bälle liegen lassen. Auch, weil die Neckarsulmer Torhüter sehr gut drauf waren", sagte Routinier Loerper.

Nele Reimers keine Hauptrolle
Zum Bietigheimer Erfolg trug auch die ehemalige Neckarsulmerin Nele Reimer ihren Teil bei. Als sie nach drei Minuten aufs Feld kam, erzielte sie auf halblinks mit dem ersten Wurf direkt ein Tor und sorgte für Druck. Mit lediglich einem weiteren Treffer war es allerdings keine Hauptrolle, die Reimer im Derby spielte. Als die Sport-Union in der ersten Hälfte zwischenzeitlich führte, musste sie im Rückraum mit einer mäßigen 40-Prozent-Wurfquote für die etablierten Kräfte Xenia Smits, Karolina Kudlacz-Gloc und Kim Naidzinavicius weichen.

Nach fünf weiteren Minuten auf Augenhöhe im zweiten Durchgang konnte aber auch das einmal mehr starke NSU-Gespann im Kasten nur noch bedingt helfen, "wenn du vorne die Bälle wegwirfst - das bestraft eine Mannschaft wie Bietigheim gnadenlos. Die sind so schnell im Umschaltverhalten, da haben wir uns noch nicht mal umgedreht und die haben schon das Tor gemacht", gestand NSU-Youngster Lucie-Marie Kretzschmar.

Ehrfurcht vor dem Gegner  

Da konnte Tanja Logvin in den Schlussminuten noch so oft "ihr lauft nicht zurück" aufs Feld brüllen. Auch die Neckarsulmer Trainerin wusste natürlich: "Gegen solche Mannschaften wie Bietigheim kommst du mit Minus fünf, Minus sechs nie mehr nach vorne." Vor allem nicht mit dem Ballast einer bitteren 29:30-Pleite aus dem Mittwochsspiel bei Blomberg-Lippe im Rücken.

Das gab auch Markus Gaugisch dem deutlich geschlagenen Gast versöhnlich mit auf den kurzen Heimweg: "Für Neckarsulm ist es etwas anderes, diesen Drei-Tage-Rhythmus zu spielen - wir sind das gewohnt. Das hat man am Ende gesehen und da haben wir auch die tiefere Bank und sind dann körperlich in der Lage, drüber zu rennen."

Mehr Infos zum Spiel

Neckarsulmer SU: Gois (3 Paraden), Wachter (11) - Kalmbach (2 Tore), Senvald, Hendrikse (4), Knippenborg (4/1), Wick, Mann, Espinola Perez (6), Kooij (2), Nieuwenweg, Kretzschmar (1), Moser (5).

Beste Schützinnen SG BBM: Naidzinavicius (8/4), Berger (6).

Siebenmeter: BBM 4/4, NSU 1/2.

Zeitstrafen: 3/2.

 

 

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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