NSU-Handballerinnen ärgern Topfavoriten - verlieren aber am Ende

Handball  Couragierte Neckarsulmer Sport-Union ärgert das Topteam aus Bietigheim in der zweiten Spielhälfte und kommt noch einmal nah ran. Am Ende nimmt der Favorit ein 24:17 mit aus der Ballei.

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Carmen Moser in Aktion. Foto: Mario Berger

Zehn Minuten durfte am Mittwochabend in der Ballei von der Sensation geträumt werden. Solange schienen für die Neckarsulmer Handballfrauen die ersten Bundesliga-Zähler gegen den großen Nachbarn SG BBM Bietigheim in Reichweite. Doch am Ende riss sich der Favorit zusammen und fuhr die fest eingeplanten zwei Punkte mit 17:24 (10:15) ein.

"Wir haben nie aufgegeben, haben bis zur letzten Sekunde gekämpft und wir hatten keinen Respekt. Das gefällt mir an meiner Mannschaft. Die paar kleinen Fehler zu viel, die hat Bietigheim am Ende bestraft", sagte Neckarsulms Trainerin Tanja Logvin. Gäste-Coach Markus Gaugisch war "mit der Konstanz im Spiel nicht zufrieden": "Die Schlussphase haben wir dann positiver gestaltet."

Defensiv hatten die Neckarsulmerinnen alles lange im Griff

Mit Handball von einem anderen Stern warteten die Gäste zu Beginn wahrlich nicht auf. Obwohl da praktisch nur gestandene, international erfahrene Nationalspielerinnen im roten Trikot auf dem Feld standen, hatte die offensive und aggressive Neckarsulmer Abwehr fast alles im Griff, zwang die Bietigheimerinnen zu Fehler und gewann einige Bälle.

Das Problem war nur: die Würfe, die aufs Tor kamen, waren alle drin. Die sonst so zuverlässige Sarah Wachter brachte keine Hand an den Ball. Nach einer Viertelstunde reagierte NSU-Trainerin Tanja Logvin auf die Letzte-Frau-Misere und beorderte Isabel Gois in den Kasten. Es dauerte aber noch bis zur 19. Minute, bis die Null bei gehaltenen Bällen auf Neckarsulmer Seite verschwand. Immerhin: In der Schlussphase der ersten Hälfte kam die Portugiesin noch auf fünf Paraden.

Das zweite Problem der Sport-Union war die mangelnde Chancenauswertung und der ein oder andere technische Fehler zu viel. So landeten beim Stand von 2:5 gleich zwei Würfe hintereinander am Pfosten, neun Mal in den ersten 30 Minuten verhinderte Bietigheims Keeperin Emily Sando ein Gegentor. Dadurch bewegte sich die Neckarsulmer Wurfquote unterhalb von 40 Prozent, die der Gäste kratzte an den 70 Prozent. Zu hoch, um auf Augenhöhe zu bleiben. Zur Halbzeit stand es 10:15. Zwei der Gästetreffer gingen aufs Konto der Ex-Neckarsulmerin Nele Reimer, die in der 19. Minute für Julia Maidhof auf halbrechts randurfte.

Vor Spielbeginn war die 24-Jährige noch kurz offiziell verabschiedet worden. Das konnte aufgrund des coronabedingten Saisonabbruchs 2019/20 bis dahin nicht geschehen. Die Gastgeberinnen hatten das Duell gegen den großen Meisterschaftsfavoriten allerdings trotz des Fünf-Tore-Rückstands noch längst nicht aufgegeben. Dieses Mal von Beginn an mit Torhüterin, weiter konzentriert in der Abwehr und mit etwas verbesserter Wurfquote war die Sport-Union beim 15:18 (42.) plötzlich wieder in Reichweite. Gäste-Coach Markus Gaugisch nahm eine Auszeit, doch die Sport-Union blieb am Drücker. Natalie Hendrikse verkürzte gar auf 16:18 (44.).

Wankte der Favorit? Sollte in dieser doch eigentlich aussichtslosen Partie tatsächlich etwas möglich sein? Es schien so. Auch noch beim 17:19 von Kreisläuferin Jill Kooij (47.).

Am Schluss drücken die Gäste kräftig aufs Gaspedal

Doch ein Spitzenteam zeichnet eben aus, dass es in kritischen Situationen vergleichsweise abgebrüht bleibt und es versteht, auch an einem eher durchwachsenen Tag zwei Pflichtpunkte einzufahren. Das gilt im Zweifelsfall auch in Unterzahl, wie Maidhof und Antje Lauenroth mit den Toren zum 20:17 und 21:17 bewiesen. Die Kreisläuferin stellte in der 52. Minute auch wieder den Pausen-Vorsprung her und beendete damit alle hochfliegenden Neckarsulmer Träume.

Bis zur Schlusssirene gelang den Gastgeberinnen kein einziger Treffer mehr. "Wir waren heute nicht so souverän, aber Neckarsulm hat auch stark gekämpft - wie immer in der Ballei", sagte Reimer, bevor es im Bus auf die kurze Rückreise ging.


Neckarsulmer SU: Wachter (0 Paraden), Gois (10 Paraden) - Kalmbach, Wolf, Senvald (1), Hendrikse (4), Knippenborg (1), Wick (1/1), Perez (1), Kooij (4), Kretzschmar (1), Rode (1), Moser (3/1).

Beste Schützin der SG BBM: Laurenroth (7).

Siebenmeter: NSU 3/2; SG BBM 2/2.

Zeitstrafen: 2/3. Schiedsrichter: Thomas Kern, Thorsten Kuschel. Zuschauer: 335.

 


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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