NSU-Frauen sind aus dem Pokal raus und doch ein bisschen weiter

Handball  Die Neckarsulmer Sport-Union scheitert beim 24:27 im Pokal nur knapp an Bayer Leverkusen und dem eigenen Kopf. Die Sport-Union schaffte es dennoch, das zu spät gefundene Vertrauen mit in die zweite Hälfte zu nehmen.

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Weil gestandene Neckarsulmer Kräfte gegen Leverkusen wackelten, konnte sich Spielerinnen wie Zugang Anouk Nieuwenweg (links) und Youngster Lucie-Marie Kretzschmar (beim Wurf) beweisen.

Fotos: Ralf Seidel

Auch am Samstag schrie Tanja Logvin die sechs Buchstaben immer wieder durch die leere Ballei. Ein Wort, das die Neckarsulmer Trainerin während der Spiele ihrer Sport-Union zumeist gleich zweimal im Stakkato wiederholt: "Weiter, weiter, weiter." Doch nach der Schlusssirene waren es nicht die Neckarsulmerinnen, die weiter waren, sondern der TSV Bayer 04 Leverkusen. Und zwar eine Runde im DHB-Pokal. Die Sport-Union scheiterte beim 24:27 (14:18) dagegen mit dem klar artikulierten Vorhaben, ins Viertelfinale einzuziehen.

Ein bisschen weiter sah Logvin ihre Mannschaft aber trotz des Ausscheidens: "Sie werden dadurch etwas für den Kopf lernen." Denn geschlagen hatte sich die Sport-Union in erster Linie selbst. Bereits in der ersten Hälfte. "Das Problem liegt in der Vergangenheit. Wenn man sich nicht traut, dann wird es schwer", kommentierte die NSU-Trainerin das statische Abwehrverhalten und die vielen Fehlwürfe vor dem Pausenpfiff.

Anfangs geradezu ehrfürchtig erstarrt

Besonders vor Bayers besten und prominentesten Spielerinnen, Mia Zschocke und Svenja Huber, erstarrte die Sport-Union anfangs geradezu ehrfürchtig. Auch im Angriff zitterte der Neckarsulmer Wurfarm gewaltig. Irene Espinola Perez" Selbstvertrauen aus den konstant starken Leistungen der Liga schien wie weggeblasen. Bei fünf Versuchen traf sie nur ein einziges Mal. Auch Carmen Moser erwischte auf der anderen Neckarsulmer Halbposition einen schwachen Tag. "Wir haben die einfachen Tore, die wir eigentlich machen, einfach nicht gemacht", monierte NSU-Kapitänin Nathalie Hendrikse. Nach 18 Minute lag Neckarsulm so bereits mit 7:13 hinten. Ein Debakel drohte.

NSU-Frauen sind aus dem Pokal raus und doch ein bisschen weiter

Die Neckarsulmerinnen waren gegen Bayer vor allem mental blockiert. Erst in der zweiten Hälfte fanden sie einen besseren Weg.

Leverkusen sollte es aber nicht gelingen, Neckarsulm bis zur Halbzeitpause final zu überrollen. Zum einen, weil Tanja Logvin die gefährlichste Bayer-Waffe, Mia Zschocke, schon früh durch eine kurze Deckung von Nathalie Hendrikse entschärfte. Zum anderen, weil die Neckarsulmer Trainerin durch konsequente Auswechselungen und klare Ansprachen langsam mehr Leben in ihre gelähmte Mannschaft brachte. "Es ist uns ja eigentlich am Anfang zu leicht gefallen. Es war schon klar, dass da nochmal Gegenwehr kommt", sagte der Leverkusener Coach Michael Biegler. Bei Hendrikse 11:14 (23. Minute) war die Sport-Union wieder in Schlagdistanz, und Biegler griff zur Auszeit. Nach dem 13:16 (25.) waren es dann aber zwei Zeitstrafen, die die Neckarsulmerinnen einbremsten. Leverkusen rettete ein zu hohes 14:18 in die Kabine.

In der Abwehr richtig beherzt gearbeitet

Die Sport-Union schaffte es dennoch, das zu spät gefundene Vertrauen mit in die zweite Hälfte zu nehmen. Besonders in der Deckung wurde nun richtig beherzt gearbeitet. Leverkusen fand kaum Lösungen für die Manndeckung gegen Zschocke. Beim 19:20 griff Biegler acht Minuten nach Wiederanpfiff genervt zur Auszeit. Allerdings zeigten auch die Neckarsulmerinnen immer wieder Nerven, wenn sie drauf und dran waren, die Partie zu drehen. "Wir haben in der zweiten Halbzeit gut und auch schön gespielt, waren immer dran - dann war Leverkusen aber auch immer wieder weg - wieder ein Problem im Kopf", sagte Tanja Logvin und forderte: "Diese mentale Blockade müssen wir überwinden." Gegen Leverkusen gelang ihrer Mannschaft das nicht, obwohl sie immer wieder auf ein Tor aufschließen konnte. Der allerletzte Schritt fehlte aber.

"Wir haben gekämpft, aber nicht über 60 Minuten gezeigt, was wir können", gestand Hendrikse. Ihre Trainerin war letztlich trotzdem nicht unzufrieden mit dem Auftritt. Sie sah die Mannschaft mental einen Schritt weiter - trotz des Ausscheidens.

Neckarsulmer Sport-Union: Gois (2/1 Paraden), Wachter (7) - Kalmbach (1 Tor), Wolf, Senvald, Hendrikse (9/5), Knippenborg (2), Wick, Espinola Perez (3), Kooij (6), Nieuwenweg (1), Kretzschmar (1), Moser (1). Beste Schützinnen Leverkusen: Zschocke (5), Huber (7/3). Siebenmeter: NSU 5/5, LEV 5/7. Zeitstrafen: 3/0. Zuschauer: keine.

 

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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