NSU-Express vor verwaister Endstation

Handball  Nie waren die Bundesliga-Handballerinnen der Neckarsulmer Sport-Union in der Ballei besser: Schlägt die NSU trotz Ausfällen zum Heim-Abschluss auch Metzingen? Im bisherigen Saisonverlauf jubelten sie in eigener Halle bereits über elf Siege.

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So sieht er aus, der Neckarsulmer Heimsieg-Jubel. Stolze elf mal durfte ihn die Sport-Union in dieser Bundesliga-Saison auf dem Boden der Ballei schon vorführen.

Foto: Andreas Veigel

Wenn die Neckarsulmerinnen an diesem Samstag kurz vor dem Anwurf um 18 Uhr ein letztes Mal in dieser Bundesliga-Saison zu Hause einlaufen, dann müsste die Ballei beben. Eigentlich.

Derby. Topspiel. Heimabschluss. Die Halle wäre wahrscheinlich voll - gäbe es kein Coronavirus. Doch auch beim finalen Auftritt in Neckarsulm darf es beim Duell gegen Metzingen keine Zuschauer geben. "Das ist schon schlimm. Zum Glück dürfen die Fans, die aufbauen, mit dabei sein. So haben wir trotzdem das Gefühl, dass wir Unterstützung haben. Natürlich ist die Stimmung aber nicht die gleiche", sagt Nathalie Hendrikse.

Kapitänin muss im letzten Heimspiel wohl passen

Auch die Neckarsulmer Kapitänin wird sich beim letzten Heimspiel aller Voraussicht nach in der Zuschauerrolle befinden. Zuletzt zog sie sich beim Sieg gegen Bad Wildungen eine Stauchung der Halswirbelsäule zu. Ein Einsatz dürfte zu früh kommen.

"Ich weiß noch nicht, wann ich wieder Handball spielen kann. Ich hatte schon noch auf das letzte Heimspiel gehofft, aber ich denke nicht, dass es klappt", sagt Hendrikse. "Ich will natürlich immer selbst mitmachen. Aber wenn es nicht geht, muss ich von der Seite anführen und probieren, das Team zusammen zu halten - wahrscheinlich werde ich viel schreien. Was ich machen kann, das mache ich."

Elf Heimsiege sind eine satte Bilanz

Beachtliches getan hat sich bei der Neckarsulmer Heimbilanz. Satte elf Siege durfte die Sport-Union in der Ballei bereits bejubeln. Nur das Bundesliga-Spitzenduo BVB und Bietigheim war zu Hause bislang noch erfolgreicher. Allein diese beiden und Blomberg-Lippe waren es auch, die die einzigen sechs Zähler aus Neckarsulm entführen konnten. "Ich bin stolz auf mein Team", sagt Kapitänin Hendrikse mit Blick auf die Top-Statistik.

Selbst Metzingen liegt in diesem Bereich hinter der Sport-Union. Im Gesamtklassement steht der große Nachbar jedoch als Vierter mit drei Zählern knapp vor den Neckarsulmerinnen. Allerdings auch mit einem Spiel mehr auf dem Konto. Soll der NSU-Traum vom unverhofften Sprung nach Europa nicht platzen, wären Punkte gegen die Metzinger von enormer Bedeutung. Nah dran war Neckarsulm bereits beim 22:24 im Hinspiel. Da standen Hendrikse und die schwer verletzte Carmen Moser allerdings auch noch mit im Neckarsulmer Kader.

Wegen der Neckarsulmer Ausfälle ist Metzingen in der Favoritenrolle

"In Normalbesetzung wäre die Rechnung für mich absolut offen, so sehe ich Metzingen schon in der Favoritenrolle - einfach wegen des deutlich größeren Kaders. Es wird nicht einfacher", gesteht Trainerin Tanja Logvin und betont: "Wir müssen unsere Kräfte gut verteilen. Jede einzelne Spielerin zählt, alle müssen ihr Bestes zeigen. Der Wille wird bei uns das Wichtigste sein."

Mit Blick auf ihre angeschlagene Kapitänin möchte Logvin in keinem Fall ein Risiko eingehen: "Bei so einer Verletzung muss man vorsichtig sein und ich habe ja noch immer zwei Linkshänderinnen im Kader." Zwar sind Irene Espinola Perez und Anouk Nieuwenweg eher im Rückraum zu Hause, "aber wir haben es auf Außen schon oft probiert".

"Es ist das wichtigste Spiel des Restprogramms", betont Nathalie Hendrikse. Ein letztes Mal in dieser Runde möchte sie das Lied ihres niederländischen Landsmanns Guus Meeuwis "Per Spoor (Kedeng Kedeng)" durch die Ballei hallen hören. Dieser Siegersong ist nach elffachem Abspielen längst im Ohr der Neckarsulmer Anhänger angekommen.

In Holland kennt den Klassiker ohnehin jedes Kind, erklärt Hendrikse. Die Neckarsulmer Oranje-Fraktion hat ihn irgendwann während der Vorbereitung bei Neckarsulm importiert. Tanja Logvin legte das flotte Lied prompt als Hymne für Heimsiege fest, zudem sich ihre Sport-Union dem Text entsprechend hintereinander sitzend zu einem Zug formiert.

Zwar ist die Endstation für den NSU-Express in dieser Saison erneut verwaist. Nathalie Hendrikse hat aber schon Pläne für die nächste Runde, wenn hoffentlich wieder Zuschauer in die Ballei dabei sein dürfen: "Die Idee dahinter war ja von Anfang an, dass die Fans mitmachen und sich einreihen können. Es wäre schön, wenn das in Zukunft dann endlich geht."

Wick verlässt die NSU nach zwei Jahren

Nach zwei Jahren wird Chantal Wick Neckarsulm zum Saisonende verlassen. Die Schweizer Nationalspielerin hat mit dem Schritt zur Sport-Union erstmals ihr Heimatland für den Handball verlassen. "Ich bin sehr froh, dass ich in Neckarsulm erstmals die Chance bekommen habe, um im Ausland professionell Handball zu spielen. Ich bin sehr dankbar für all die tollen Leute, die ich während meiner Zeit in Neckarsulm kennenlernen durfte und bin mir sicher, dass mich diese Freundschaften auch weiter begleiten werden", sagt die Spielmacherin.

Wohin es die 27-Jährige ziehen wird, ist noch nicht geklärt. "Ich kann ihr in unserem Kader für die kommende Saison nicht garantieren, dass sie mehr Einsätze als in der aktuellen Saison bekommen wird. In einem gemeinsamen Gespräch sind wir daher zu dem Entschluss gekommen, dass sie für mehr Spielanteile nach einer neuen Herausforderung sucht", sagt NSU-Trainerin Tanja Logvin.

Verabschiedet wird nach dem letzten Heimspiel aber weder Wick, noch die anderen Abgänge. Erst nach dem letzten Saisonspiel plant die Sport-Union eine Onlineveranstaltung mit den Fans.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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