Niederländisches NSU-Quartett spielt für Bundesliga-Punkte und die Augen des Bondscoach

Handball  Niederländer Sport-Union: Vier holländische NSU-Handballerinnen spielen in Oldenburg auch um einen Platz im EM-Aufgebot des Weltmeisters. Allzu große Hoffnung haben sie trotz der Berfufung in den erweiterten Kader nicht.

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Anouk Nieuwenweg grüßt wieder vom Bundesliga-Spielfeld.

Foto: Berger

In Oldenburg könnte es an diesem Sonntag soweit sein. Dann könnte es erstmals eine Neckarsulmer Angriffsformation geben, die zu zwei Dritteln aus Niederländerinnen besteht. Mit Zugang Anouk Nieuwenweg ist die Oranje-Fraktion der Sport-Union auf ein stattliches Quartett angewachsen. Nieuwenweg, Lynn Knippenborg, Jill Kooij und Nathalie Hendrikse kämpfen gegen den VfL ab 16.30 Uhr um die nächsten Bundesliga-Punkte für Neckarsulm. Ein bisschen fighten sie aber auch für eine Chance im niederländischen EM-Kader.

Vergangene Woche hat Bondscoach Emmanuel Mayonnade sein erweitertes 35er-Aufgebot verkündet - alle vier Neckarsulmerinnen stehen auf der langen Liste. Bereits am 9. November will Mayonnade dann bekannt geben, welche 18 Spielerinnen er im Dezember mit zur Europameisterschaft in Norwegen und Dänemark nimmt. NSU-Kapitänin Hendrikse ist genau wie Kreisläuferin Kooij erstmals überhaupt in den erlesenen Zirkel vorgedrungen und war "genauso erstaunt wie Jill - eigentlich eine Überraschung". Blickt man auf die konstant starken Liga-Leistungen des Duos, kommt die neue Begehrtheit im Heimatland so überraschend aber nicht.

Konkurrenz im Kader des amtierenden Weltmeisters ist groß

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Nathalie Hendrikse war noch nie für die Niederlande am Ball.

Foto: Veigel

Die Konkurrenz im Kader des amtierenden Weltmeisters ist jedoch gerade auf Rechtsaußen und am Kreis enorm. Der Traum vom ersten Großturnier in Oranje ist für Flügelflitzern Nathalie Hendrikse deshalb ein eher verwegener.

Mit der Ex-Bietigheimerin und 135-fachen Nationalspielerin Angela Malenstein, drei weiteren Bundesliga-Legionärinnen sowie Debbie Bont, die der Bondscoach als Vereinstrainer bei Metz selbst betreut, hat die 25-jährige Hendrikse einen sehr schweren Stand auf außen - trotz ihrer aktuellen Hochform. "Bei Verletzungen und durch positive Corona-Tests kann es schon noch Verschiebungen geben, die Chance ist immer da.

Das einzige, was ich machen kann, ist in allen Spielen weiterhin 100 Prozent geben - aber das mache ich sowieso." Die Wahrscheinlichkeit liege "vielleicht bei zehn, 20 Prozent - der Kader ist eigentlich schon seit langer Zeit ziemlich gleich".

Lynn Knippenborg mit schmerzhaften Erinnerungen

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Für Lynn Knippenborg soll sich der Daumen nicht wieder senken.

Foto: Veigel

Eine schmerzhafte Veränderung gab es vor der Weltmeisterschaft 2019 dennoch. Zumindest für Lynn Knippenborg. Als gestandene Nationalspielerin wurde sie nach EM-Silber 2016 und WM-Bronze 2017 vor dem Gold-Coup von Emmanuel Mayonnade aus dem Aufgebot gestrichen. Nun hat er die Frau aus dem 28.000-Einwohner-Städtchen Winterswijk zumindest wieder in den erweiterten EM-Kader berufen.

Die 28-jährige Spielmacherin ist dennoch eher zurückhalten mit ihrer Freude: "Ich war sechs Jahre lang bei jedem großen Turnier dabei und dann letztes Jahr nicht mit im Kader, als wir Weltmeister wurden - das war schon enttäuschend und schwer für mich."

Eine positive Überraschung in diesem Jahr ist allerdings nicht unwahrscheinlich. Schließlich fehlen den Niederlanden mit Estavana Polman und Delaila Amega (beide Kreuzbandriss) wichtige Routiniers. Knippenborgs Erfahrung könnte sie deshalb bei Oranje zurück ins endgültige Team bringen. Zu sehr darauf hoffen mag sie ob er schmerzhaften Erfahrung des Vorjahres aber nicht.

Nieuwenweg konnte sich kaum zeigen

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Für Jill Kooij ist der Kampf ums Nationalteam ein schwerer.

Foto: Berger

Auch Anouk Nieuwenweg hat bereits sieben Länderspiele absolviert. Die Halbrechte konnte sich während ihrer Zeit beim Thüringer HC aber so gut wie gar nicht zeigen. Gerade für sie zählt jetzt mit Neckarsulm jede Bundesliga-Minute, um Bondscoach Emmanuel Mayonnade möglichst wieder auf sich aufmerksam zu machen.

Vor der WM-Pause im Dezember ist die Zielsetzung für Nathalie Hendrikse jedenfalls klar: "Wir wollen eigentlich alle Spiele gewinnen, das wäre super." Gerade in Oldenburg sind die Chancen dabei deutlich höher als auf einen Platz in der niederländischen Nationalmannschaft: "Wenn wir so spielen wie letztes Wochenende, haben wir sehr gute Chancen. Wenn wir 60 Minuten Gas geben, dann müssen wir auf jeden Fall zwei Punkte mit nach Neckarsulm nehmen."

Und vielleicht ja auch das eine oder andere Argument für eine Berücksichtigung beim Bondscoach.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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