Neckarsulmerinnen sind noch zu fahrig für Bundesliga-Punkte

Handball  Die Sport-Union scheitert bei einem zähem 26:28-Auftakt in Buxtehude vor allem an sich selbst. Von der rechten Angriffs-Seite kommt viel zu wenig.

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Wieder aufstehen, auch wenn es weh tut: Lucie-Marie Kretzschmar (am Boden) und die Neckarsulmerinnen müssen den Auftakt schnell abschütteln.

Tanja Logvin hatte es geahnt. Zumindest bis zu einem gewissen Grad. Der Neckarsulmer Trainerin war bereits vor dem Bundesliga-Auftakt ihres Teams beim Buxtehuder SV bewusst: "Perfekten Handball kann man da noch nicht erwarten." Etwas mehr als die Sport-Union am Samstag dann beim 26:28 (15:16) letztlich zeigte, hatte sich die 46-Jährige aber doch erhofft. "Mit so vielen technischen Fehlern werden wir kein Spiel gewinnen können", sagte sie direkt nach der Begegnung mit eher mäßigem Niveau in ihrer knappen, ehrlichen Analyse.

Besonders die letzten fünf Minuten der zähen Partie waren da noch in unangenehm frischer Erinnerung. Mit einer Auszeit hatte Logvin ihre Neckarsulmerinnen beim 24:26 noch einmal auf den Endspurt eingeschworen, ihnen aber keine finale Ruhe vermitteln können. Trotz zweiminütiger Überzahl und strauchelnden Buxtehuderinnen reichte es nicht zur Wende. Weil der Gast auch weiter verehrende Hektik statt starkem Tempo-Spiel zeigte.

NSU-Trainer: Zu viel gewollt und dann drüber

"Wenn du zu viel willst, dann kann es eben auch passieren, dass du drüber bist", sagte die NSU-Chefin. Schon beim hitzigen Aufwärmen in der Buxtehuder Halle Nord vor 366 Zuschauern hatte sie ihre Mannschaft immer wieder zu mehr Ruhe gemahnt: "Ich habe versucht, sie etwas runter zu bringen." Vergeblich. Die große Vorfreude nach beinahe einem halben Jahr ohne Pflichtspiel schlug schnell in nervösen Aktionismus auf dem Feld um. Bereits nach fünf Minuten und dem 1:4 versuchte Tanja Logvin, mit einem Time Out auf die Bremse zu treten. Nach 13 Minuten musste sie erneut zur Auszeit greifen. Denn auch auf dem Weg zum 7:11 hatte die Sport-Union nicht in die Spur gefunden. Das Angriffsspiel war völlig fahrig. Von der rechten NSU-Seite kam gar nichts.

In der Vorbereitung noch großer Aktivposten, hatten die beiden einzigen Linkshänderinnen im Neckarsulmer Kader, Nathalie Hendrikse und Irene Espinola Perez, überhaupt keinen guten Tag erwischt. Dafür war Regisseurin Lynn Knippenborg an alter Wirkungsstätte in Form und führte ihre Sport-Union auf 11:11 (19.) heran. Richtig Ruhe gab aber auch das dem Neckarsulmer Spiel nicht. Bei einem hektischen, fehlerhaften Hin und Her behielt Buxtehude bis zur Pause mit 16:15 knapp die Oberhand.

Neckarsulmerinnen sind noch zu fahrig für Bundesliga-Punkte

Neckarsulms Trainerin Tanja Logvin konnte ihr Team an der Seitenlinie nicht in die richtige Richtung dirigieren.

Fotos: imago images /Beautiful Sports

Buxtehude gespiegelt, statt das eigene Tempo zu gehen

Auch die zweite Hälfte war weitestgehend ein Spiegelbild der ersten. "Wir haben Buxtehude gespiegelt, statt unser eigenes Tempo zu gehen", sagte Tanja Logvin. Ein kleiner Lichtblick auf Neckarsulmer Seite war Chantal Wick, die ihre Chance nutzte und den rechten Rückraum zumindest ein bisschen belebte. Espinola Perez fand hingegen auch auf ungewohnter Rechtsaußen-Position nicht ins Spiel. Die neue Neckarsulmer Kapitänin Hendrikse saß zurecht auf der Bank.

Weil auch Buxtehude wahrlich kein gutes Spiel zeigte, blieb die Sport-Union aber trotz einer Schwächephase mit nur zwei Toren in 15 Minuten und einem zwischenzeitlichen 19:23-Rückstand im Spiel. Doch auch nach einer Neckarsulmer Leistungssteigerung und dem 23:23-Ausgleich fehlte in den entscheidenden Momenten Sicherheit und Selbstverständnis. Auf dem Weg zur 25:24-Führung verspielten Carmen Moser und Joanna Rode einen Gegenstoß mit umständlichem Hin- und Her-Passen in der 52. Minute. Es sollte nicht der letzte Fehler bleiben. Und so scheiterte die Sport-Union letztlich an sich selbst.

Immer wieder zurückgekommen

Zu hart wollte Tanja Logvin gerade deshalb nicht mit ihrem Team sein: "Das Positive war, dass wir immer wieder zurückgekommen sind und gekämpft haben." Und für das erste Heimspiel am Samstag hat die NSU-Trainerin wieder eine Ahnung: "Wir können nicht zweimal hintereinander schlecht spielen."

Neckarsulmer SU: Gois (1), Wachter - Kalmbach, Wolf, Senvald, Hendrikse (1), Knippenborg (5), Wick (1), Espinola Perez (1), Kooij (3), Kretzschmar (2), Rode (7/3), Moser (5/2). Beste Werferinnen BSV: Müller-Korn (8/5), Lott (6). Siebenmeter: BSV 8/7, NSU 7/5. Zeitstrafen: 5/4; Zuschauer: 366.

 

Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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