Neckarsulmer Zittersieg dank stabiler Deckung und festem Willen

Handball  Dank einer verbesserten Abwehr und einer abgezockten Endphase wird der Neckarsulmer Chancenwucher beim 24:22-Sieg in der Nordheide nicht bestraft. Trainerin Tanja Logvin tadelt nur wenig.

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Erleichterung pur: Neckarsulm erwischte bei Buchholz-Rosengarten einen gebrauchten Tag im Angriff und durfte dennoch jubeln.

Foto: Imago Images/ Beautiful Sports

Wenigstens eine Neckarsulmer Rückraum-Shooterin durfte sich nach dem 24:22 (14:13)-Sieg feiern lassen. Als das gesamte Team Carmen Moser gratulierte, lag die Nordheidehalle am Samstagabend allerdings schon weit hinter der Sport-Union. Im Mannschaftsbus gab es um Mitternacht auf dem langen Heimweg Glückwünsche zum 26. Geburtstag.

Moser konnte sie mit einem Lächeln entgegennehmen. Schließlich waren die fest eingeplanten Bundesliga-Punkte im Gepäck. Auch, wenn Neckarsulms Nummer 77, genau wie die restlichen NSU-Halben, bei HL Buchholz-Rosengarten einen äußerst unglücklichen Auftritt hingelegt hatte.

Miserable Wurfquote aus der Distanz

Von 27 Neckarsulmer Würfen aus neun Metern landeten gerade einmal acht im Tor. Und alleine fünf davon gingen auf das Konto der besten NSU-Angreiferin, Spielmacherin Lynn Knippenborg. Zudem ließ die Sport-Union je drei Gegenstöße und Siebenmeter liegen.

Trainerin Tanja Logvin wollte dennoch nicht zu viel tadeln: "Klar, die Weitwürfe haben gar nicht funktioniert. Dazu hatten wir auch noch oft Pech mit Latte und Pfosten. Es gibt solche Tage. Wenn du dann aber trotzdem gewinnst, ist das einfach eine Erleichterung. Solche Spiele machen Freude, daran wächst du als Mannschaft."

Matchwinner war neben Knippenborg vor allem die gesamte Neckarsulmer Abwehr. In der Rückrunde bislang das Sorgenkind der Sport-Union, kompensierte sie die schwache Ausbeute im Angriff. "22 Gegentore sind hervorragend, damit haben 24 Treffer gereicht", betonte Logvin, die auch Keeperin Sarah Wachter ein Sonderlob aussprach: "Sie hat uns sehr geholfen."

Neckarsulm ist in der Schlussphase abgezockter

Hilfreich war in einer äußerst umkämpften Partie gegen einen tapfer fightenden Viertletzten auch das neue Neckarsulmer Selbstbewusstsein. Die NSU-Trainerin sprach von "Routine - wir haben gespielt wie ein Tabellenfünfter, als es darauf angekommen ist."

Als die Neckarsulmerinnen nach einer knappen 14:13-Pausenführung auf einmal mit 17:19 (44. Minute) hinten lagen, blieb der Kopf oben. Mit festen Willen und angetrieben von Lynn Knippenborg, der Tanja Logvin "Weltklasse" bescheinigte, schlug die Sport-Union zurück. Per Schlagwurf besorgte die Neckarsulmer Spielmacherin erst selbst den Anschlusstreffer, um danach in der Abwehr direkt im Gegenzug ein Offensiv-Foul von Buchholz-Rosengarten zu provozieren.

Während der Außenseiter immer hektischer wurde, spielte der Gast in der entscheidenden Phase trotz zwei weiterer Würfen gegen das HL-Gehäuse auffallend abgeklärt.

Auch als Buchholz-Rosengarten nach dem Neckarsulmer 20:19 (48.) und fast zehn Minuten ohne Treffer der Ausgleich gelang, blieb der Favorit das deutlich abgezocktere Team. Erneut Knippenborg und Selina Kalmbach von der Siebenmeter-Linie sorgten fünf Minuten vor der Schlusssirene für das beruhigende 22:20. Buchholz-Rosengarten kämpfte weiterhin wacker, doch Neckarsulm behielt die Führung und die Nerven.

Der ausgelassene Siegerjubel zeigte dann aber doch, wie groß die Anspannung bei der Sport-Union auf dem Weg zum verdienten Zittersieg gewesen war.

Neckarsulmer SU: Gois (2 Paraden), Wachter (8/1) - Kalmbach (2/1 Tore), Senvald (1), Hendrikse (3/1), Knippenborg (7), Wick (2/1), Espinola Perez (4), Nieuwenweg (3), Kooij (2), Kretzschmar, Moser.

Beste Schützinnen HLR: Kücükyildiz (7), Hauf (7). Siebenmeter: HLR 1/2, NSU 3/6. Zeitstrafen: 2/2.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

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