Neckarsulmer Party-Zug jederzeit abfahrbereit

Handball  Die Neckarsulmer Sport-Union geht selbstbewusst in das Duell mit dem Bundesliga-Topfavoriten Bietigheim. Dabei kommt es zum Wiedersehen mit Nele Reimer.

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Die Kapitänin in Aktion: Nathalie Hendrikse ist Neckarsulms Dauerläuferin auf Rechtsaußen.

Foto: Mario Berger

Nathalie Hendrikse ließ sich auf den Boden plumpsen und war gleich etwas ungehalten. Denn die Teamkolleginnen standen noch, winkten den Zuschauern, umarmten sich und ließen ihre Kapitänin alleine sitzen. "Hej", rief die Holländerin und klopfte auf den Hallenboden. Alle müssen sitzen, damit der Neckarsulmer Siegeszug mit Lokführerin Hendrikse losrollen kann. "Kedeng, Kedeng" - tönten schon die ersten Fahrgeräusche aus den Boxen in der Ballei. Bereits in voller Fahrt sprang sogar noch Co-Trainerin Maike Daniels auf, die alberne Feierlichkeiten sonst gerne auslässt.

Dass der ausgelassene Party-Zug auch am Mittwochabend zu den Klängen von Guus Meeuwis" "Per spoor" durch die Ballei rattert, ist eher unwahrscheinlich. Schließlich ist ab 19.30 Uhr mit der SG BBM Bietigheim das deutsche Top-Team zu Gast. Sieben Bundesliga-Duelle gab es zwischen den beiden Teams bisher, alle sieben gingen teils sehr deutlich an die SG. Zuletzt gab es zu Beginn der Vorbereitung Ende Juli ein Trainingsspiel in der Pichterichhalle, das Bietigheim mit 34:29 für sich entschied.

 

"Das sind auch nur Menschen. Alles ist möglich", sagte Neckarsulms Kreisläuferin Jill Kooij selbstbewusst nach dem 34:24-Sieg gegen Ketsch mit Blick auf die Partie gegen den Meisterschaftsfavoriten. Trainerin Tanja Logvin wies ebenfalls auf die humanoide Gestalt des nächsten Gegners: "Sie haben zwei Hände, zwei Beine und einen Kopf. Ich weiß also wirklich nicht, warum wir dann keine Chance haben sollten."

So wirklich übermenschliche Auftritte legten die Bietigheimerinnen unter dem neuen Trainer Markus Gaugisch in dieser Saison bisher nicht hin. In der Champions League setzte es bereits zwei heftige Auswärtsniederlagen beim dänischen Meister Esbjerg und am Sonntag beim französischen Pendant in Metz.

Neckarsulm ist nur eine Pflichtaufgabe

In der Bundesliga ließ die SG beim 29:29 gegen den Thüringer HC ebenfalls bereits einen Punkt liegen. Die Pflichtaufgaben - zu denen auch das Spiel gegen Neckarsulm zählt - gegen Bad Wildungen und die HSG Blomberg-Lippe lösten die Bietigheimerinnen allerdings souverän. Mit Anna Loerper und Karolina Kudlacz-Gloc fehlen der SG verletzungsbedingt zwar derzeit zwei erfahrene Spielerinnen, doch in dem mit Hochkaräterinnen gespickten Kader fällt das eigentlich nicht ins Gewicht.

"Wir brauchen natürlich eine Topleistung, um sie ärgern zu können. So viele technische Fehler wie gegen Ketsch können wir uns nicht erlauben", machte Logvin deutlich. Ihre Kreisläuferin sah es ähnlich: "Wir müssen aggressiv spielen und Vollgas geben. Wenn wir alles geben, können wir selbst bei einer Niederlage nicht verlieren", sagte Kooij, die beim Sieg gegen Ketsch zur besten Spielerin des Tages gekürt worden war und als Präsent ein Fläschchen Gin erhielt. "Den trinke ich nach einem Sieg gegen Bietigheim noch hier in der Halle", versprach die Holländerin. Vermutlich dann in einem Siegeszug. Kedeng, Kedeng, Kedeng!

 

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Bensheim-Auerbach steht überraschend an der Spitze

Die HSG Bensheim/Auerbach hätten vor Saisonbeginn wahrscheinlich nicht mal Experten nach drei Spieltagen als Tabellenführer der Bundesliga erwartet. Nach dem 28:23-Sieg im ersten von Eurosport live im Free-TV übertragenen Spiel beim VfL Oldenburg steht das Team von Trainerin Heike Ahlgrimm an der Spitze. Von einem Wachwechsel im deutschen Handball kann aber noch keine Rede sein. Zum einen, weil das Auftaktprogramm der HSG mit Mainz, Rosengarten-Buchholz und Oldenburg dankbar war und weil die Partie der ebenfalls noch verlustpunktfreien Dortmunderinnen in Leverkusen auf den Januar verlegt wurde. Bei den Flames bleibt man daher auf dem Teppich, spricht von einer Momentaufnahme und dem weiterhin geltenden Saisonziel eines einstelligen Tabellenplatzes. Dafür sei zumindest schon mal eine gute Grundlage geschaffen. 


Stephan Sonntag

Stephan Sonntag

Autor

Stephan Sonntag arbeitet seit Oktober 2008 für die Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat wurde der gebürtige Westerwälder in die Sportredaktion übernommen. Dort ist er für Handball, Eishockey, Boxen und Rugby zuständig.

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