Neckarsulmer Handballerinnen sind schon in Form

Handball  Die neue NSU-Trainerin Logvin forciert schnelles, aggressives Spiel. Damit gelingt den Neckarsulmer Handballerinnen ein erstes, kleines 29:28-Ausrufezeichen im Test gegen TuS Metzingen. Neckarsulm setzt auf Laufstärke.

Email

NSU-Trainerin Tanja Logvin (links) treibt ihr Team mit Nachdruck nach vorn. Für das von ihr gewünschte Tempospiel wurde in der Vorbereitung kräftig an der Kondition gearbeitet.

Foto: Ralf Seidel

Tanja Logvin kannte keine Gnade. Trotz der tropischen Temperaturen in der Pichterichhalle. Immer wieder schnellte der erhobene Zeigefinger der neuen Neckarsulmer Trainerin durch die schwüle Luft Richtung Metzinger Tor. "Tempo, Tempo", dirigierte sie ihr Team elanvoll nach vorn. Tatsächlich spurtete die Sport-Union gestern gegen den Bundesliga-Kontrahenten am Ende zu einem 29:28 (14:15)-Testspiel-Erfolg. Und setze gegen die favorisierte TuS gestützt auf eine stabile, aggressive 5:1-Deckung ein erstes, kleines Ausrufezeichen.

Die neue Trainerin ist ehrlich und direkt

"Das ist sicher gut fürs Selbstvertrauen der Mädels. Sie machen das gut, auch wenn es noch viel zu tun gibt", gab sich Logvin ob einer unnötig engen Schlussphase nach 29:26-Führung (57.) aber direkt wieder kritisch. Die 45-Jährige ist ehrlich, direkt. In ihrer Analyse wie in ihren Ansprachen. Das kommt an bei der Mannschaft. "Wir machen ganz große Schritte. Was wir jetzt im Training zeigen, zeigen wir auch im Spiel - das war letztes Jahr eigentlich nie so", betonte NSU-Regisseurin Lynn Knippenborg: "Und die Stimmung in der Mannschaft ist richtig gut."

Obwohl Tanja Logvin das Team hart rannimmt. "So viel wie in den letzten eineinhalb Monaten sind die wahrscheinlich noch nie gelaufen", sagt die Chefin schmunzelnd. Noch am Tag vor dem Test gegen TuS Metzingen wurden zehnmal 800 Meter auf Zeit gelaufen, wie Knippenborg verrät: "Jetzt haben wir gesehen, was die Arbeit an der Kondition bringt. Wir laufen extrem viel und überlaufen jetzt auch mal Mannschaften wie Metzingen und Bietigheim. Das gibt Selbstvertrauen."

Die zentrale Oranje-Achse soll es richten

Viel Vertrauen scheinen die Neckarsulmerinnen auch ins neue 5:1-Abwehrsystem zu haben. Die bewegliche NSU-Defensive mit Joanna Rode, Selina Kalmbach oder Louisa Wolf als Spitze brachte den Metzinger Angriff immer wieder in die Bredouille. Nur das wurfgewaltige TuS-Toptalent Laetitia Quist war aus der Distanz immer wieder gefährlich. In Neckarsulms Offensive wusste besonders die wuchtige Kreisläuferin Jill Kooij zu gefallen, die bestens mit ihrer holländischen Landsfrau Knippenborg harmonieret. "Wir sind wie eine Einheit. Und wenn wir Tempo machen, dann sind wir echt gut", sagte Kooij zur zentralen Oranje-Achse. Auch die dritte Holländerin, Nathalie Hendrikse, setzte Lynn Knippenborg auf Rechtsaußen immer wieder gut in Szene. Auf der anderen Seite machte Zugang Rode auf sich aufmerksam.

Ebenfalls auffällig: Die beiden einzigen NSU-Linkshänderinnen im Kader, Hendrikse und Irene Espinoal Perez auf halbrechts, spielten hinten wie vorne 60 Minuten durch. "Sie werden fast immer komplett durchgehen - hoffentlich", kommentierte Tanja Logvin die Soll-Bruchstelle auf links lapidar. Die Kondition dafür sei schließlich da. Ein gewagtes Konzept mit Blick auf die lange Neckarsulmer Verletzungshistorie.

Wie schnell es gehen kann, zeigte sich nach dem 14:15-Pausenstand in der 45. Minute, als Neckarsulm mit 19:21 hinten lag. Espinoal Perez und Lucie-Marie Kretzschmar sprangen nach schnellem Sput beide nach einem langen Metzinger Gegenstoß-Pass - und stießen dabei unglücklich zusammen. Für Kretzschmar ging es danach nicht mehr weiter. Mit bandagiertem rechtem Knie sah sie zu, wie ihre Sport-Union einen Lauf zum 22:21 (47.) hinlegte. Einen Wackler in der Endphase konnte sich die Neckarsulmerinnen nach dem 27:24 (54.) und 29:26 (57.) dann erlauben. Auch weil das umformierte Metzingen noch weit weg von alter Spitzenklasse war.

Trotz Hitze geben sie Gas

Für die Neckarsulmerinnen scheint es hingegen ziemlich nach vorn zu gehen. Und zwar mit kräftigem Tempo. "Wir geben auch Gas, wenn es heiß ist", sagte Lynn Knippenborg nach dem erfolgreichen Test gegen die TuS mit einem Augenzwinkern.

Neckarsulmer SU: Wachter, Gois (beide Tor); Kalmbach (2), Wolf, Senvald (1), Hendrikse (5), Knippenborg (2), Wick, Espinola Perez (5), Kooij (5), Kretzschmar, Rode (3/1), Moser (5).

Beste Schützinnen TuS: Quist (5), van Wetering (5).

Zuschauer: keine.


Dominik Knobloch

Dominik Knobloch

Sportredakteur

Dominik Knobloch ging 2012 erstmals als Praktikant für die Heilbronner Stimme aufs Feld. Nach seinem Volontariat wurde er 2015 als Redakteur im Sportressort übernommen.

Kommentar hinzufügen